Krönningerkeller an der Töginger Straße

Unbekannte Unterwelt

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Steinernes Zeugnis der Bombenangriffe auf Mühldorf: Stadtarchivar Edwin Hamberger im ersten großen Luftschutzraum des Krönningerkellers.

Mühldorf - Nur ein kleines Vorhängeschloss trennt den Neugierigen von der Mühldorfer Unterwelt. Aber wenn man sich traut, kann man bald einen Blick in die tiefen Keller der Innstadt werfen:

Am 15. September begibt sich der Geschichtsverein Heimatbund auf die Spuren alter Mühldorfer Brauereien und Bierkeller. Dabei dürfen die Besucher auch einen Blick hinter sonst verschlossene Türen werfen. Eine davon gehört dem Krönningerkeller an der Töginger Straße.

Eine unscheinbare Eisentür am Stadtwall in der Nähe der AOK, davor ein kleines Vorhängeschloss: Der Eingang zur Mühldorfer Unterwelt ist leicht zu übersehen. Lässt man die warme Sommerluft dann hinter sich, geht es mit Taschenlampe und Kamera 20 Stufen in die Tiefe.

Dort oben wartet der Sommer: Die breite Treppe des Krönningerkellers.

Schon die breite Treppe und das Backsteingewölbe machen Eindruck. "So groß haben wir uns das vor der ersten Besichtigung auch nicht vorgestellt", erklärt Mühldorfs Stadtarchivar Edwin Hamberger, der die kleine Expedition anführt. Und Heimatbund-Redaktionsleiter Martin Stadler schickt gleich hinterher: "Aber das ist ja noch gar nichts im Vergleich zu dem, was uns unten erwartet."

Unten reiht sich dann tatsächlich eine Überraschung an die nächste, obwohl man kaum die Hand vor Augen sieht. Über Gänge und große Zwischenräume geht es weit verzweigt hinein in den Berg. Und schon nach den ersten Schritten zeigt sich, dass die kleine Taschenlampe aus dem Stadtarchiv für diesen unterirdischen Ausflug viel zu schwach ist.

Langsam geht es vorwärts, erst rechts, dann wieder rechts, dann geradeaus, gefühlt in Richtung Süden. Am Ende eines kleinen Tunnels stehen Edwin Hamberger und Martin Stadler vor einer Steinmauer. "Vielleicht ein zugemauerter Notausgang."

Die Blitzlicht-Aufnahme täuscht: Im Dunkeln tastet sich Martin Stadler vorwärts.

Die zweite Route führt genau in die entgegengesetzte Richtung. Wieder geht es durch mehrere hohe Räume, dann ein paar glitschige Stufen hinauf. Der Lichtkegel der Taschenlampe gleitet an der Decke entlang und streift kleine Lüftungsschächte. Ein wenig Müll, ein ausrangierter Einkaufswagen und zwei alte Bettgestelle deuten darauf hin, dass sich hier ab und zu auch Gäste ohne Einladung aufgehalten haben.

Wie lange das her ist, weiß keiner so genau. Viele Jahre war niemand hier unten, erst auf Betreiben des Heimatbunds Mühldorf öffnete Haus- und Kellerbesitzer Max Spagl das Schloss - übrigens mit brachialer Gewalt, der Schlüssel war längst nicht mehr auffindbar.

Nach den Unterlagen im Stadtarchiv wurde der sogenannte "Krönningerkeller" 1825 von Elisabeth und Alois Altenberger gebaut - als Bierkeller. Einer von vielen, es gibt mehrere in der Stadt. Kühle acht Grad hat es dort unten, ein optimales Klima für die Lagerung der Fässer und Flaschen.

Doch die Schriften an den Kellerwänden zeugen noch von einer anderen Geschichte: "Rauchen verboten! Ruhe bewahren. Türen geschlossen halten!", ist dort zu lesen. Denn während des Krieges suchten die Mühldorfer dort unten Schutz bei Fliegeralarm und den beiden schweren Angriffen.

Auch die zweite Route endet an einer zugemauerten Wand. Wie weit wir gegangen sind? Und in welche Richtung? Edwin Hamberger schüttelt den Kopf. "Schwer zu sagen. Hauptsache wir finden wieder raus."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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