Viel Sand im Getriebe

+
Volleyball vor historischer Kulisse: Seit acht Jahren richtet die Volleyballabteilung des TSV 1860 Mühldorf am Stadtplatz ein Turnier der BVV-Beach-Masters-Serie aus. Geschäftsleute sehen die Veranstaltung kritisch.

Mühldorf - Mitten im Winter sorgt das Beachvolleyball-Turnier auf dem Stadtplatz für Diskussionen. Heute ist das Ganze Thema in der Sitzung des Haupt- und Kulturausschusses.

Auslöser ist eine Unterschriftenaktion gegen das dreitägige Turnier, die Schmederer-Inhaber Christian Rädeke bereits im Juli initiiert hat. Die Liste mit rund 70 Unterschriften von Einzelhändern und Geschäftsinhabern am Stadtplatz reichte Rädeke an die Stadtverwaltung weiter - verbunden mit der Forderung, das Turnier am Stadtplatz heuer nicht mehr zu genehmigen. Als zentralen Grund führt Rädeke "nicht unerhebliche" Umsatzeinbußen an. "Wenn Kunden nicht wie gewohnt auf den Stadtplatz fahren können und nicht ihre Parkplätze finden, bleiben sie einfach weg", sagt Rädeke. "Und das holen wir nicht mehr auf." Der Freitagnachmittag und der Samstag seien die umsatzstärksten Tage, gerade dann werde der Verkehr behindert und mehr als 60 Parkplätze fielen weg.

Seit Jahren seien die Händler mit dem TSV im Gespräch, es habe verschiedene Versuche und Aktionnen auch gemeinsam gegben, ohne Erfolg: "Nichts hat zur Verbesserung beigetragen." Der vom TSV erhoffte Zuschauerboom sei in all den Jahren ausgeblieben. Dem stünden deutliche Umsatzeinbußen der Händler gegenüber, die gegen das Turnier unterschrieben haben, erklärt Rädeke.

"Wir sind von der Unterschriftenaktion schon überrascht, zumal wir mit Herrn Rädeke immer wieder das Gespräch gesucht haben", erklärt TSV-Volleyball-Abteilungsleiter Stefan Bartsch. Darüber hinaus habe man auf Kritik an der Veranstaltung ja bereits reagiert. So seien in Zusammenarbeit mit der Aktionsgemeinschaft der Zeitraum der Veranstaltung und die Fläche verkleinert worden.

Nach Meinung des Aktionsgemeinschafts-Vorsitzenden Markus Luczay habe man eine "sehr positive Regelung" für beide Seiten gefunden. "Die Beeinträchtigungen für die Geschäftswelt fielen 2012 deutlich geringer aus. Und die Volleyballer behalten dennoch ihre prestigeträchtige Veranstaltung." Zugleich distanzierte sich Luczay von der Unterschriftenaktion. "Wir wurden dazu nicht befragt und haben damit auch nichts zu tun." Alles Weitere sei die Angelegenheit von Herrn Rädeke.

In einer Stellungnahme an die Stadt geht Bartsch auf das Thema Parkplätze ein. "Wir belegen von Freitagmittag bis Samstag Geschäftsschluss genau 63 Parkplätze im Innenstadtbereich. Insgesamt stehen rund um den Stadtplatz 1200 Parkplätze zur Verfügung. Wir sprechen also im Grunde nur von ein paar Prozent."

Was das vergangene Jahr betrifft, so war seiner Meinung nach das Wetter die Hauptursache für mögliche Umsatzeinbußen der Einzelhändler. "Es war wahnsinnig heiß. Da war die Frequenz am Stadtplatz automatisch geringer. Das hatte nichts mit uns zu tun."

Zugleich betonte Bartsch, wie wichtig die Veranstaltung für seine Abteilung sei. "Der Erlös im vierstelligen Bereich ist ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierung unserer sehr erfolgreichen und nachhaltigen Jugendarbeit." Alternative Standorte gebe es kaum (siehe Infokasten). Außerdem stellte Bartsch heraus: "Wir bekommen für die Veranstaltung von der Stadt keinen Cent Zuschuss und arbeiten alle ehrenamtlich."

In der vergangenen Woche habe man zudem mit knapp der Hälfte der Personen, deren Name auf der Liste steht, Kontakt aufgenommen und sich nach den Gründen für die Unterschrift erkundigt. "Natürlich gibt es welche, die unsere Veranstaltung am Stadtplatz nicht wollen. Aber im Gegenzug haben wir bereits knapp 20 Widerrufe von Personen gesammelt, die ihr Votum zurückziehen."

Chancen auf einen Kompromiss und den Erhalt des Turniers in der Innenstadt sieht Kaufmann Rädeke nur, wenn der TSV auf andere Tage ausweicht und Freitag und Samstag unberührt blieben.

Bürgermeister Günther Knoblauch, der das Thema heute vor dem Hauptverwaltungsausschuss ansprechen will, setzt auf neuerliche Gespräche. Er sagte vorab nur: "Wenn absolut kein Konsens herzustellen ist, müssen wir nach einem neuen Standort schauen."

ha/hon/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser