Wahlkampfauftakt der CSU im Haberkasten

Stefan Lasner eint "Rätien" und "Noricum"

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Will Mühldorf "in seiner liebenswerten Attraktivität erhalten": Stefan Lasner, Bürgermeisterkandidat der CSU.
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Mühldorf - Ein neuer Politikstil nach der Zeit des "Übermenschen": Im Haberkasten präsentierte die CSU ihren Bürgermeisterkandidaten Stefan Lasner und dessen Team.

Eine "etwas andere" Auftaktveranstaltung hatten die CSU-Ortsverbände Mühldorf und Mößling im Vorfeld angekündigt. Bei Musik und Brotzeit, ganz ungezwungen also, wollte sich das Team für den Kommunalwahlkampf 2014 vorstellen. Und tatsächlich setzte die CSU am Donnerstagabend im Mühldorfer Haberkasten ihr "Stammtischkonzept" konsequent um. Auf mehrere kleine Tische mitten in den Reihen der Zuhörer verteilt saßen die Stadtratskandidaten der Partei und gaben reihum ein kurzes Statement zu ihrem persönlichen politischen Schwerpunkt ab.

Leerstände, Parkdeck und Akustikampel

Dabei machte die CSU eines deutlich: Die Kompetenzen in der Mühldorfer Kommunalpolitik sollen auf viele Schultern verteilt werden. So vertrat beispielswiese Stadtrat Rupert Rigam die wirtschaftspolitischen Standpunkte. Rigam mahnte die Leerstände in der Stadt an, beispielsweise in den Räumen des früheren BMW-Autohauses Auer. Es gebe andererseits aber auch Lichtblicke, wie etwa den Umbau des Modeparks Röther und die Ansiedlung eines neue Edeka-Marktes. "Ich denke, das wir auf einem guten Weg sind", sagte Rigam.

Mühldorfs amtierende Bürgermeisterin Ilse Preisinger-Sontag.

Auch das Dauerthema Parken hat die CSU auf ihrer Agenda, am Donnerstag angesprochen von der amtierenden Bürgermeisterin Ilse Preisinger-Sontag. Wichtiger Bestandteil eines neuen Parkkonzepts ist Preisinger-Sontag zufolge "ein Parkdeck in Richtung Hallenbad" - wo genau, konnte die Bürgermeisterin noch nicht präzisieren. Mehr Parkplätze in Mühldorf - dieses Thema werde man im Auge behalten, so Preisinger-Sontag. Andererseits müsse man sich auch "nach der finanziellen Decke Strecken".

Wichtige Maßnahmen, die allerdings wenig Kosten, hat sich Bezirksrätin Claudia Hausberger auf die Fahnen geschrieben. Sie befasst sich intensiv mit Behindertenpolitik und will in Mühldorf viele Kleinigkeiten ausgemacht haben, die noch verbesserungswürdig sind. "Wir haben in Mühldorf so gut wie keine Akustikampel", sagte Hausberger. Dies sei eine Maßnahme, die nicht sehr viel koste. Ganz allgemein müsse die Stadt auch im Kleinen immer die Behindertengerechtigkeit prüfen - etwa bei öffentlichen Bekanntmachungen.

Sind die Abgeordneten der Trumpf der CSU?

Die Präsentation der verkehrspolitischen Ideen der Partei war Oskar Stoiber, Verkehrsreferent der Stadt, vorbehalten. Neben Verkehrsvorhaben in Mühldorf, wie etwa eine Ostspange und ein Kreisverkehr an der Innstraße, sprach Stoiber mehrere überregionale Projekte an: den zweigleisigen Bahnausbau, die Elektrifizierung der Bahnstrecke, die Walpertskirchener Spange und die Fertigstellung der A94. "Wir brauchen die Autobahn, wir brauchen sie bald und wir brauchen sie bis 2018", sagte der Verkehrsreferent.

Dass die Stadt Mühldorf auf überregionale Projekte eigentlich keinen direkten Einfluss hat, spricht Umweltminister Dr. Marcel Huber zufolge im Kommunalwahlkampf für die CSU. Es sei ein Vorteil auf kommunaler Ebene, wenn man zu jemandem gehen kann "auf einer höheren Ebene", beispielsweise zu einem Abgeordneten, erläuterte der Minister mit Blick auf die vielen CSU-Abgeordneten aus der Region, die im vergangenen Jahr den Sprung in Landtag und Bundestag schafften.

"Raetien" und "Noricum" stehen hinter Lasner

Auch die Sondersituation der CSU in der Kreisstadt, die nach wie vor in zwei Ortsverbände unterteilt ist, war beim Wahlkampfauftakt ein Thema. Dr. Marcel Huber etwa erklärte, er sei froh, dass Rätien und Noricum vereint seien. Die Grenze dieser beiden römischen Provinzen verlief einst durch das heutige Passau. Ob Mößling nun Rätien oder Noricum ist, ließ Huber allerdings offen.

Dass sowohl "Rätien" als auch "Noricum" voll hinter dem Bürgermeisterkandidaten Stefan Lasner stehen, machten die beiden Ortsvorsitzenden Georg Grundner und Sepp Bernhart deutlich. Die Entscheidung für Lasner bezeichnete der Mößlinger Ortsvorsitzende Bernhart zwar als "überraschend". Andererseits machte er deutlich: "Wir unterstützen natürlich den Stefan."

Lasner: "Stehe mit beiden Beinen im Leben"

Der 35-jährige Bürgermeisterkandidat hatte am Ende der Veranstaltung selbst die Gelegenheit, sich  und seine politischen Ziele in einer Ansprache vorzustellen. "Warum ich?", fragte Lasner rhetorisch. "Was zeichnet mich aus? Ich bin jung, unbelastet, kann zuhören und treffe dann auch klare Entscheidungen", sagte der 35-Jährige. Er sei der Bürgermeisterkandidat, der mit beiden Beinen im Leben steht und nicht "auf einmal da ist und dann wieder weg ist".

Neben den von seine Parteikollegen bereits angesprochenen Programmpunkten präsentierte Lasner seine grundsätzliche Vision für die Kreisstadt. "Ich werde Mühldorf in seiner liebenswerten Attraktivität zu erhalten wissen", versprach er. "Ich will für unsere Kinder eine nachhaltige und vernünftige Entwicklung der Stadt Mühldorf erreichen."

Lanser machte deutlich, dass für ihn vor allem seine Erfahrung als Unternehmer spricht. "Ich bin der Bürgermeisterkandidat, der Höhen und Tiefen kennt aus meiner Selbstständigkeit", sagte Lasner. Den von Lasner gegründeten Mühldorfer Getränkemarkt führt inzwischen dessen Bruder, der Bürgermeisterkandidat leitet in Weiding ein Logistikzentrum mit 110 Mitarbeitern. "Sie werden jeden Tag mit persönlichen Schicksalen der Mitarbeiter konfrontiert", erzählte Lasner. So, wie er seine Mitarbeiter mit offenen Armen empfange, möchte er auch im Stadtrat ein "Miteinander der Fraktionen" und kein "monarchisches Verhalten".

Wahlkampfauftakt der CSU im Haberkasten

Rosenberger kritisiert "Übermensch" Knoblauch

Stadtrat Günter Rosenberger.

Ein anderer Politikstil unter einem Bürgermeister Stefan Lasner - diesen Punkt hatten schon zuvor gleich mehrere Stadtratskandidaten angesprochen. Am deutlichsten wurde Stadtrat Günter Rosenberger. "Es war ein großer Übermensch da", sagte Rosenberger über den langjährigen Bürgermeister Günther Knoblauch. Der Stadtrat sei ein "Abstimmungsorgan" gewesen, mit einem "Abstimmungsblock der SPD". Rosenbergs Wunsch für einen Stadtrat unter der Führung von Stefan Lasner: Ein neuer Politikstil mit mehr Güterabwägung.

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