Für Toleranz und Demokratie

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"Mühldorf ist bunt": Mit diesem Logo will das Netzwerk um Sprecher Richard Fischer für Demokratie und Toleranz im Landkreis eintreten.

Mühldorf - "Mühldorf ist bunt": Unter diesem Namen hat sich im Landkreis ein Netzwerk gegründet, das rechtsextremen Umtrieben entgegentreten will.

"Mühldorf ist bunt": Unter diesem Namen hat sich im Landkreis ein Netzwerk gegründet, das sich nicht nur für Demokratie und Toleranz einsetzen, sondern auch rechtsextremen Umtrieben entgegentreten will.

Vertreter von Parteien sitzen am Tisch, ein Pfarrer ist da, dazu der Kreisjugendring und das Kreisbildungswerk. Aber auch Privatpersonen und der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Mühldorf sind zu diesem Treffen des neuen Netzwerks in den Turmbräugarten gekommen. Sie alle wollen sich engagieren, wollen zeigen, dass der Landkreis bunt ist und rechtes Gedankengut keinen Platz hat.

Vor sechs Wochen hat sich die Gruppierung gegründet und ein farbenfrohes Logo gegeben - eine Folge des Neonazi-Aufmarsches im Januar in Mühldorf. Keine zwei Tage blieben damals, um eine Gegendemonstration zu organisieren. "Dabei hat sich gezeigt, dass wir uns besser vernetzen müssen, um künftig in ähnlichen Situationen schneller reagieren zu können", erklärt Sprecher Richard Fischer, der Kreisvorsitzende der SPD. Er hat die Federführung des Netzwerks übernommen.

Deshalb gelte es gute Kontakte zu den politischen Entscheidungsträgern, zur Polizei und zu den Medien zu knüpfen. "Reagieren statt ignorieren" lautet das Motto.

Doch die Mitglieder des Netzwerks wollen noch einen Schritt weiter gehen. "Mit einem Aktionstag im Herbst setzen wir ein erstes Zeichen", sagt Fischer. Gestaltet wird er am 23. September von den beteiligten Vereinen, Verbänden, Parteien und anderen Organisationen. "Das soll kein einmaliges Ereignis bleiben", betont Fischer, "sondern einmal im Jahr stattfinden."

Möglichst breit und überparteilich will sich das Netzwerk in den nächsten Monaten aufstellen. Dazu gehört auch, sich mit ähnlichen Gruppen in den Nachbarlandkreisen auszutauschen. So berichtete Daniel Kalteis vom Kreisjugendring Ebersberg von seinen Erfahrungen mit dem Bündnis "Bunt statt Braun", das dort bereits seit fünf Jahren existiert. Inzwischen habe sich der lose Zusammenschluss aus Einzelpersonen und Organisationen fest etabliert - mit Plakataktionen, einer Konzertreihe, einem Kurzfilmwettbewerb. Allerdings sind die Vorzeichen im Landkreis Ebersberg andere als im Landkreis Mühldorf: "Wir haben keine akute Bedrohung von rechts, sondern können sehr präventiv arbeiten."

Anders liegen die Dinge im Landkreis Altötting: Dort hat sich im April ebenfalls ein Bündnis gegen Rechts gegründet. "Das war ein notwendiger Schritt", erklärte Jugendpfleger Hannes Schwankner, "auch wenn wir immer noch Überzeugungsarbeit leisten müssen." Lange habe man sich hinter dem Argument versteckt, dass "das ja nur Halsbach betrifft". Die Neonazi-Demo in Burgkirchen und der überraschende Besuch von über 100 Neonazis auf der Altöttinger Kirta habe vielen die Augen geöffnet. "Jetzt steht ein breites Bündnis: von der CSU bis zur Linken, von den Kirchen bis zur Antifa."

Eine feste Organisationsform will sich das Mühldorfer Netzwerk zunächst nicht geben. Eine Eintragung als Verein lehnten die Mitglieder ab, lediglich ein Spendenkonto wird über den Kreisjugendring geführt. Darüber hinaus hofft Richard Fischer auf noch mehr Unterstützung: "Wir sind offen für alle. Und können jede helfende Hand brauchen."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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