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Interview zum Wohnraum in Mühldorf - Teil 1

Bürgermeister Hetzl: „Die Nachfrage ist so riesig, dass wir wohl nie ganz damit Schritt halten können“

Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgarter und Bürgermeister Michael Hetzl mit dem Siegerentwurf. Alle Vorschläge werden vom 7. bis 12. Februar, zwischen 10 und 18 Uhr im Haberkasten gezeigt. Am Montag, 7. Februar stehen Weichselgartner und Hetzl von 14 bis 16 Uhr für Fragen zur Verfügung.
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Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgarter und Bürgermeister Michael Hetzl mit dem Siegerentwurf einer Ausschreibung.

Im Gespräch mit innsalzach24.de erklären Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl (UM) und Bauamtsleiterin Birgit Weichselgartner, welche Tücken der Wohnungsmarkt in Mühldorf hat. Das Stadtoberhaupt nimmt Stellung zum Antrag der SPD-Fraktion, dass die Stadt selbst mehr bauen soll.

Mühldorf - Bürgermeister Michael Hetzl (Unanhängige Mühldorfer/UM) und Birgit Weichselgartner liegen die Bauprojekte der Stadt Mühldorf sehr am Herzen. Das wird klar im Interview mit innsalzach24.de. Beide beantworten dabei Fragen, die rund um den SPD-Fraktionsantrag im Januar 2022 entstanden sind - wir berichteten unter dem Titel „Zuschlag fürs Grundstück, aber kein Geld zum bauen“.

Im neuen Baugebiet „Am Kirchenfeld“ an der Harthauser Straße werden über das Mühldorfer Baulandmodell Baugrundstücke vergeben.

Abwechselnd beantworten Birgit Weichselgartner (BW) und Michael Hetzl (MH) unsere Fragen zur Thematik.

Alt-Bürgermeister Günther Knoblauch ließ vor vielen Jahren in München Flyer verteilen mit dem Titel „Werden Sie ein Mühldorfer“. Wie ist das aus heutiger Sicht zu bewerten?
MH: Man muss das so einordnen, dass damals Mühldorf ein wenig ins Abseits geraten war und die Bevölkerung im Schnitt immer älter wurde. Mein Vorgänger hat das damals gut gemeint. Und der Zuzug hat die Entwicklung von Mühldorf langfristig positiv beeinflusst.
Würden Sie so eine Werbeaktion aktuell starten?
Nein. Die Nachfrage ist riesig. Mühldorf und sein Umland sind attraktiv. Man kann hier in einem guten Umfeld mit viel Natur leben - und hat eine ausgezeichnete Anbindung an den Großraum München.
Wie stehen Sie zum oben genannten SPD-Antrag, Herr Hetzl?
MH: Bezahlbarer Wohnraum ist ein Grundbedürfnis. Im Stadtentwicklungsausschuss diskutierten wir darüber, was genau „bezahlbar“ ist. Das bedeutet für jeden etwas anderes. Wir müssen die Themenkomplexe „Eigenheim aufbauen“ und „erträglich zur Miete wohnen“ klar von einander trennen.
Wie kann es möglich sein, auch für Einkommensschwächere, Hauseigentümer zu werden?
MH: Die Niedrigzinspolitik hilft in diesem Zusammenhang. Wir wollen auch politisch motivieren, eher zu bauen und damit Altersvorsorge zu betreiben. Wer grundsätzlich bauen will, wird nicht mit einem Haus zur Miete zufrieden sein. Die Wohn-Produkte sollen zu verschiedenen Lebensabschnitten und Personenkreisen passen.
Ist Mühldorf insgesamt zu teuer geworden, was Wohnen und Bauen angeht?
MH: Das Preisniveau ist in den letzten Jahren allgemein enorm gestiegen. Wir dürfen das aber nicht nur auf Mühldorf beziehen. Bau- und Materialkosten sind im städtischen und ländlichen Raum deutlich gestiegen. Das hat auch mit der Corona-Pandemie etwas zu tun. Das Problem betrifft ganz Deutschland.
Sind die ökologischen Bau-Anforderungen zu hoch?
MH: Absolut, das ist politisch so gewollt. Durch Auflagen bei Heizung, Dämmung und Energieeffizienz sind die Baukosten und in der direkten Folge auch die Mietpreise angestiegen.
Sind Mühldorf und Landshut zum Beispiel längst reine „Pendlerstädte“ für München?
MH: Teilweise ist das die Entwicklung. Die Arbeitsplätze rufen die Menschen. Viele Einwohner sind aber auch fest hier verwurzelt. Lange Zeit war das Innsalzach-Gebiet infrastrukturell im Nachteil. Es dauerte viel zu lange, bis die A94 Richtung München komplett ausgebaut war.
Was kann die Stadt konkret unternehmen, um Wohnraum für alle zu schaffen?
BW: Es geht darum, eine vielfältige Angebotspalette zu haben. Wir entwickeln zum Beispiel seit Jahren das Baugebiet an der Eichkapelle - mit Einfamilienhäusern, Geschosswohnungsbau, Atriumhäuser - auf Erbpacht oder als Eigentum. Miete ist auch dabei. Einen Teil davon kann man über Bauleitplanung steuern.
Wer baut am meisten - die Stadt oder private Investoren?
BW: Bei der Planung ist die Stadt federführend. Wenn uns Grundstücke gehören, können wir viel beeinflussen. Aber viele Grundstücke sind eben auch in Privatbesitz.
MH: Wir als Stadt tun viel, um bezahlbare Wohnungen anzubieten - wenn man zum Antrag der SPD zurückkehrt - wir vermieten Wohnungen unter 9 Euro/qm. Über 270 Wohnungen haben wir auf Grundstücken, die wir wir zu sehr günstigen Erbpacht-Sätzen an Genossenschaften vergeben. Das ist bereits Sozialer Wohnungsbau. Wir vergeben auch Grundstücke in Erbpacht. Wir bauen über die Stadtbau schlüsselfertige Häuser. Dazu kommen jetzt die Grundstücke im Baulandmodell.
Funktioniert das Baulandmodell?
Was viele nicht wissen: Die Lohnobergrenze, wie viel ein Grundstücks-Bewerber verdienen darf, wird von der EU vorgegeben. Das Einkommen darf maximal 60.000 Euro pro Jahr betragen.
Ist das gesamte Wohnraum-Angebot in Mühldorf aktuell ausreichend?
MH: Die Nachfrage ist immens. Wahrscheinlich können wir darauf nicht zu 100 Prozent antworten. Ein Problem sind die Grundstücke, von denen wir nicht genügend erwerben können.
BW: Wir müssen auch auf die Ausgewogenheit zwischen Bautätigkeit und sozialer bzw. Verkehrs-Infrastruktur achten. Schulen und Kindergärten /-krippen bzw. Straßen müssen parallel entwickelt werden.

innsalzach24.de bedankt sich bei Birgit Weichselgartner und Michael Hetzl für das Gespräch.

Lesen Sie auch zum Thema:

Lesen Sie mehr dazu in Teil 2 unseres Exklusiv-Interviews mit Michael Hetzl und Birgit Weichselgartner (folgt).

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