Knoblauch: "Weiter für die Region arbeiten"

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Bürgermeister Günther Knoblauch hat sich für dieses Jahr noch viel vorgenommen.

Mühldorf - Mühldorfs Bürgermeister Günther Knoblauch spricht im Interview über Investitionen, eine Verwaltungsreform und seine politische Zukunft.

Die Stadt Mühldorf will in diesem Jahr viele entscheidende Vorhaben auf den Weg bringen. Die Stadt wird rund 15,5 Millionen Euro investieren. Wir sprachen mit Bürgermeister Günther Knoblauch über diese Investitionen, seine politische Zukunft und seine Erfolgsaussichten als SPD-Landtagskandidat.

In welchen Bereichen investiert die Stadt 2013?

2013 investieren wir etwa 15,5 Millionen Euro, eine gewaltige Summe, die Netto-Neuverschuldung soll bei rund 500 000 Euro liegen. 750 000 Euro an Schulden werden wir tilgen. Viel Geld fließt in den Bau von Kinderbetreuungseinrichtungen. Wir finanzieren die Innkanalbrücke samt Kreisverkehren mit, wir brauchen Geld, falls wir die Europastraße bauen dürfen. Dazu kommt die Planung für den Steg über den Innkanal.

Ist die Finanzierung der Sportplätze durch den FC Mühldorf gesichert?

Ich gehe davon aus, dass wir im Februar eine Finanzplanung bekommen. Der FC braucht nach derzeitigem Stand etwa 1,5 Millionen Euro. Je 20 Prozent fördern der BLSV und die Stadt im Rahmen ihrer Vereinsförderung. 160000 Euro will der FC erbringen. Der Verein hat mit den Sponsoren gesprochen. Genaueres können wir erst sagen, wenn die Finanzplanung vorliegt.

Gibt es Pläne, die Parkplatzsituation rund um den Stadtplatz zu verbessern?

Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass wir zusätzliche Parkplätze brauchen. Die Überlegung geht dahin, auf dem Normaparkplatz ein Parkdeck zu bauen. Wir werden aus Kostengründen nicht in die Tiefe gehen, sondern zwei oder eher noch drei Stockwerke brauchen. Wie hoch es werden kann, prüfen wir noch. Dort könnte auch ein öffentliches WC im Erdgeschoss untergebracht werden.

Wer baut und betreibt das Parkhaus?

Ich bin der Meinung, dass das die Aufgabe der Stadtwerke sein könnte. Bin in dieser Frage aber offen für konstruktive Vorschläge. Das Parken dort wird deshalb sicherlich nicht kostenlos sein, denn es muss sich rechnen.

Dann liegen kostenlose Parkplätze auf dem Zentralparkplatz und in der Tiefgarage und kostenpflichtige Parkplätze nebeneinander. Kann das funktionieren?

Das funktioniert ja jetzt auch schon, wenn man den Stadtwall mit dem Stadtplatz vergleicht. Deshalb gehe ich davon aus, dass die übrigen Parkplätze kostenlos bleiben. Wir müssen auch schauen, was wir über die Städtebauförderung bewegen können.

Für den Bau des Parkdecks müsste unter Umständen das Hallenbad verschwinden. Wird es einen Neubau geben?

Wir müssen etwas mit dem Hallenbad machen, wir zahlen wegen des alten Gebäudes drauf. Ein Neubau kostet uns rund zwölf Millionen Euro und eine Sanierung am jetzigen Standort neun Millionen Euro. Durch bessere Energieausnutzung sparen wir in einem neuen Bad; aber nicht so viel, dass es reicht. Derzeit rechnen wir es durch.

Wohin soll es gebaut werden?

Ich gehe davon aus, dass wir es am Freibad bauen.

Wie geht es mit dem geplanten C&A weiter?

Derzeit wird die Abbruchgenehmigung des bestehenden Gebäudes erarbeitet. Dann folgen die Änderung des Bebauungsplans und die Baugenehmigung.

Nehmen die Baupläne die Kritik am benachbarten H&M auf?

C&A und Depot werden sich, so die bisherige Planung, hervorragend einfügen. Die detaillierte Planung werden wir vorstellen, wenn sie uns vorliegt.

Das Gutachten über die Notwendigkeit der Europastraße am Nordfriedhof war für Ende des letzten Jahres angekündigt. Liegt es inzwischen vor?

Im Entwurf des Gutachtens heißt es, dass die Straße notwendig ist, wenn das Gebiet weitgehend bebaut ist. Es geht davon aus, dass dieser Ausbau in mehreren Abschnitten erfolgt und schon beim zweiten Abschnitt könnte die Straße notwendig sein, weil die Verkehrsbelastung für die übrigen Zufahrtsstraßen zu hoch wird. Auf jeden Fall werden die Werte im dritten Abschnitt erreicht. Und an dem sind wir ja schon dran.

Sie haben eine Verwaltungsreform auf den Weg gebracht. Worum geht es dabei?

Im Zentrum steht die Einstellung eines Juristen. Wir geben im Jahr über 40000 Euro für juristische Beratung aus. Wenn wir davon nur zwei Drittel einsparen, hätten wir schon das halbe Gehalt raus. Ich halte es aber für sinnvoll, einen Juristen mit Verwaltungserfahrung einzustellen.

Steht die Schaffung einer Juristenstelle in Verbindung mit dem Wunsch, Baugenehmigungsbehörde zu werden?

Die Entscheidung ist davon unabhängig. Ob wir weitere Schritte Richtung Baugenehmigungsbehörde gehen, wird die Zukunft zeigen.

Sie planen auch eine neue Abteilung für Veranstaltungen. Warum?

Wir tun dies auf Vorschlag des kommunalen Prüfungsverbands, der angeregt hat, die Kultur- und Veranstaltungsorganisation zusammenzufassen. Der derzeitige Abteilungsleiter Herbert Gambihler hört im Herbst auf, wir wollen diese Stelle früh besetzen. Die Rechtsabteilung und die Veranstaltungsabteilung müssen wir noch besetzen. Wir sind dann für die Aufgaben der Zukunft bestens gerüstet.

Wer hat sich für die beiden noch offenen Stellen beworben?

Sowohl für den Juristen als auch für die künftige Abteilung für Veranstaltungen sind noch mehrere sehr aussichtsreiche Bewerber im Rennen. Darüber entscheidet der Stadtrat am heutigen Donnerstag.

Für Sie sind die letzten Monate als Bürgermeister angebrochen. Warum bewerben Sie sich für den Landtag, anstatt den Ruhestand zu genießen?

Ich habe mich in den letzten 23 Jahren für die Stadt Mühldorf und die Region mit ihren Menschen mit ganzer Kraft eingesetzt. Diese Region in München zu vertreten und daran mitzuarbeiten, dass unsere Heimat weiter vorankommt, ist das Ziel meiner Kandidatur. Für mich stehen die Menschen in unserer Region im Mittelpunkt, wie in meiner Zeit als Bürgermeister.

Hier waren Sie die Nummer eins, im Landtag sind Sie einer unter vielen.

Wer mich kennt, weiß, mit welcher Einstellung und Kraft ich mich für die Region einsetze. Jeder kann selbst entscheiden, welche Akzente er setzt. Mir geht es um die Sache und die Belange der Bürger, nicht darum, welchen Status ich habe. Ich bekomme zum Beispiel Rückmeldungen von befreundeten Bürgermeistern, die nicht der SPD angehören und sagen: Es ist gut, dass ein Kommunalpolitiker dabei ist, der weiß, was los ist.

Aber Ihre Bedeutung wird trotzdem schwinden.

Ich wäre gern Bürgermeister meiner Heimatstadt für eine weitere Periode geblieben. Das haben die gesetzlichen Vorgaben aber nicht zugelassen. Ich spekuliere auch nicht über meine Bedeutung. Meine Auffassung von Politik war noch nie an irgendwelche Bedeutungen gekoppelt, sondern nur allein daran, was bewegt, entschieden und abgestellt werden kann. Ich werde nicht gramgebeugt durch Mühldorf schlurfen, weil ich nicht mehr Bürgermeister bin, Das ist nicht mein Naturell und auch nicht meine Denk- und Sichtweise.

Nach so vielen politischen Wahlsiegen: Rechnen Sie damit, diesmal zu scheitern?

Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, den Sprung in den Landtag zu schaffen, dann würde ich mich nicht dem Votum der Wählerinnen und Wähler stellen. Ich werde meine Vorstellungen den Bürgern im Wahlkampf bis September näherbringen. Dann wird sich zeigen, ob ich das Vertrauen in der Region erhalte. Ich jedenfalls bin sehr zuversichtlich.

hon/sb (Mühldorfer Anzeiger)

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