Neue Zentralsterilisation in Mühldorf

Hier macht die Klinik ihre Instrumente steril

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Hier, im sogenannten RDG, werden die medizinischen Instrumente gereinigt und desinfiziert. Später erfolgt dann die Sterilisation.
  • schließen

Mühldorf - Die Umstrukturierung der Kreisklinik schreitet voran. Nun wurde die neue Zentralsterilisation in Betrieb genommen. Warum Keime keine Chance haben:

Schon vor Betreten der neuen Zentralsterilisation (ZSVA) im Erdgeschoss der Mühldorfer Klinik gibt es keinen Zweifel, dass alles steril sein muss. Wollen Besucher die Räumlichkeiten der Sterilisation betreten - wie am Dienstag die Mitglieder des Aufsichtsrats der Klinik sowie diverse Pressevertreter - müssen sie einen Overall, eine OP-Haube und Überschuhe anziehen. Sämtliche gebrauchten Medizinprodukte und Operationsinstrumente, die in der Mühldorfer Klinik wieder benötigt werden, kommen nämlich in die Zentralsterilisation - und müssen diese absolut steril wieder verlassen.

"Wie sicher bin ich, dass es sauber ist?"

Die neue Zentralsterilisation ist seit letzter Woche in Betrieb und wurde im Rahmen der Erweiterung und Umstrukturierung der Klinik gebaut. Sie erfüllt die neuesten Standards und ist ausschließlich für die Sterilisation der vor Ort benötigten Instrumente zuständig. "Alles, was hier produziert wird, benützen wir selber", erklärte Fachschwester Olga Schettig, die die Bereiche OP und Zentralsterilisation leitet. Eine Zentralsterilisation vor Ort ist auch kein unbedeutender Kostenfaktor, wie Landrat Georg Huber, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender, erläuterte. Die Alternative, die Sterilisation von einem externen Anbieter übernehmen zu lassen, birgt für den Landrat aber gewisse Risiken: "Wie sicher bin ich, dass es sauber ist?"

Landrat Georg Huber

Bei einer Sterilisation vor Ort kann die Klinik viel leichter ein Auge auf die Qualität haben. In Mühldorf besitzen alle Mitarbeiter der ZSVA und 92 Prozent des OP-Pflegepersonals die Qualifikation des Technischen Sterilisationsassistenten. Dass in einer Sterilisation ausschließlich Fachpersonal arbeitet, ist ein Pluspunkt der Mühldorfer Klinik. Ein weiterer ist, dass die medizinischen Instrumente nach der Sterilisation nur einen kurzen Weg zurücklegen müssen, bis sie wieder eingesetzt werden. "Dieser kleine, fast familiäre Kreis ermöglicht es uns, diese Qualität zu gewährleisten", sagte Schettig. Obendrein kommt laut der Fachschwester ein weiterer Punkt hinzu: Alle Mitarbeiter leben auch in der Region, sind schon alleine deshalb darauf aus, absolute Qualität sicherzustellen. "Wir schicken unsere Angehörigen in dieses Haus", brachte es Schettig auf den Punkt.

Nur einer von einer Million Keimen bleibt übrig

Bei der Präsentation des Baufortschritts hat sich Dr. med. Wolfgang Richter, Ärztlicher Direktor der Klinik, auch zum Thema Krankenhauskeime geäußert. Ein ausführlicher Bericht dazu folgt.

Sämtliche Instrumente kommen in der Zentralsterilisation zunächst in das RDG, einer Art medizinische Spülmaschine. Dort werden die Instrumente bei steigenden Temperaturen mit demineralisiertem Wasser gereinigt und desinfiziert. Danach gelten die Instrumente als keimarm, von einer Million Keime bleiben nur noch zehn aktiv. In den "Steri"-Anlagen werden die Instrumente anschließend sterilisiert. Den Gegenständen wird dabei zunächst die Luft entzogen, anschließend werden die Instrumente mit am Sterilisator produziertem Dampf gereinigt. Danach ist nur noch einer von einer Million Keimen übrig - und das, nachdem im RDG schon so gut wie alle Keime abgetötet wurden.

Krankenschwester Inge Eberl

Für die Mühldorfer Klinik ist die neue Zentralsterilisation eine große Verbesserung. Die alte ZSVA hatte etwa den Dampf für die Sterilisation von einer zentralen Dampfversorgung im Keller bezogen. Der komplette Kreislauf von der Verwendung im OP, dem Waschen, Desinfizieren und Sterilisieren bis zur Freigabe zur Wiederverwendung ist EDV-kontrolliert. Fehlt plötzlich ein OP-Instrument, fällt dies sofort auf und es kann mithilfe des EDV-Systems nachvollzogen werden, wo das Instrument abhanden gekommen sein muss (ob es etwa nach der Operation aus Versehen im Abfall gelandet ist). Auch für den Patienten bedeutet dies zusätzliche Sicherheit. "Der Patient kann es absolut nachvollziehen", erklärte Krankenschwester Inge Eberl, die aktuell ausschließlich in der ZSVA im Einsatz ist.

Erster Bauabschnitt im August beendet

Klinik-Geschäftsführer Heiner Kelbel

Heiner Kelbel, Klinik-Geschäftsführer, und Dr. med. Wolfgang Richter, Ärztlicher Direktor und stellvertretender Geschäftsführer, zeigten sich zufrieden mit dem Fortschritt der Umstrukturierungsmaßnahmen und lobten die neue ZSVA. Wie Kelbel betonte, sei man im Kosten- und im Zeitrahmen. In einem ersten Bauabschnitt entsteht im Erdgeschoss neben der ZSVA eine Endoskopie mit drei Untersuchungsräumen. Im Obergeschoss werden sechs neue Operationssäle sowie acht Intermediate-Care-Zimmer gebaut. Der Rohausbau im Obergeschoss ist bereits fertig, der gesamte erste Bauabschnitt soll bis August 2015 beendet sein. Die veranschlagten Baukosten liegen bei 17,85 Millionen Euro.

Mit dem zweiten Bauabschnitt wird gleich anschließend an den ersten Bauabschnitt begonnen. Dabei wird der derzeitige OP-Bereich zur Intensivstation umgebaut und aus der bestehenden Intensivstation wird ein Aufwachraum. Die Fertigstellung ist für April 2017 geplant, die Kosten des zweiten Bauabschnitts sind mit 6,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Umstrukturierung wird bezuschusst, einen großen Teil der Kosten stemmt die Klinik aber selbst. Die finanzielle Situation im laufenden Jahr ist offensichtlich gut. Wie Landrat Huber verkündete, werde man "mit einer schwarzen Zahl" ins neue Jahr gehen.

Ein Blick in die neue Zentralsterilisation:

Die Zentralsterilisation der Mühldorfer Klinik

So sehen im Moment die künftigen OP-Säle aus:

Hier entstehen die neuen OP-Säle

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser