Bahnausbau: Anwohner drohen mit Klage

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Drei Meter hoch soll die Mauer werden, die die Anwohner an der Töginger Straße schützen soll, zeigt Mangold Heinzel, an dessen Garage die Züge in kaum fünf Meter Entfernung vorbei fahren. Wie sein Nachbar Peter Pfaffinger fordert er ein Maßnahmenpaket, das vor Lärm und Erschütterungen schützt und keine haushohe Mauer mit sich bringt.

Mühldorf - Die Erörterungstermine der Anwohner mit der Bahn zum zweigleisigen Ausbaus der Strecke Mühldorf - Tüßling haben unter den Betroffenen für Wut und Enttäuschung gesorgt.

Das wurde bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend in der ehemaligen Alpenrose deutlich. Auch von der Stadt fühlen sie sich allein gelassen. Einge Anwohner drohen mit Klage.

Drei Meter hoch soll die Mauer werden, die die Anwohner an der Töginger Straße schützen soll, zeigt Mangold Heinzel, an dessen Garage die Züge in kaum fünf Meter Entfernung vorbei fahren. Wie sein Nachbar Peter Pfaffinger fordert er ein Maßnahmenpaket, das vor Lärm und Erschütterungen schützt und keine haushohe Mauer mit sich bringt.

Es ging vor allem um den Schutz vor Lärm und Erschütterung. Und um die Gestaltung der Schutzwände. Dafür hatte die Bahn in Tüßling Ende September drei Erörterungstermine angesetzt. "Den Termin hätten wir uns getrost sparen können", schimpfte Peter Pfaffinger. Zu keinem Zeitpunkt habe er das Gefühl gehabt, dass sich die Bahn auch nur in einem Punkt bewegen wolle. "Machen wir uns nichts vor: Letztlich geht es nur ums Geld." Genauso sieht das Robert Spindler, der wie Pfaffinger in der Töginger Straße wohnt. "Am Ende hieß es immer: Das ist wirtschaftlich nicht darstellbar."

Doch dieses Argument wollen die Anwohner nicht gelten lassen. "Die Planer kommen und gehen. Aber wir wohnen hier ein Leben lang", sagte Pfaffinger. "Wir wollen nicht mehr als eine technische Ausführung in der bestmöglichen Qualität."

Auch Mangold Heinzel betonte gestern auf Nachfrage: "Wir sind nicht gegen den Ausbau, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen." Heinzel hat sich in den letzten Monaten intensiv mit dem Thema beschäftigt und fungiert für mehrere Anwohner inzwischen als Sprecher. In der Bürgerversammlung hatte er konkrete Vorschläge zum Thema Schall- und Erschütterungsschutz im Gepäck.

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Was die Reduzierung der Erschütterungen betrifft, so favorisiert die Bahn laut Heinzel den Einsatz von Betonschwellen mit Kunststoffsohlen. "Ich befürchte, dass der Kunststoff nach ein paar Jahren aushärtet und dann von einer Reduzierung nicht mehr die Rede sein kann." Dass etwas unternommen werden muss, steht für ihn außer Frage: "An meiner Garagenwand zeichnen sich schon jetzt deutliche Risse ab. Wie wird das erst sein, wenn das Aufkommen an Güterzügen deutlich steigt?"

Weiterer Streitpunkt ist die Höhe und Gestaltung der Schallschutzmauer. "Ein Transparenzanteil von einem halben Meter in drei Metern Höhe ist ein Witz", sagte Pfaffinger. "Da freuen sich die Mücken und Vögel, aber wir haben nichts davon."

Deshalb haben sich Heinzel & Co. Gedanken gemacht, wie sich der Transparenzanteil erhöhen lässt. Dafür braucht es vor allem eines: weniger Lärm. "Mit einem Mix aus weiteren Schallschutzmaßnahmen lässt sich das machen", erklärte Heinzel und verwies auf Gabionenmauern in Gleisnähe oder spezielle Gummipuffer an den Schienen.

Nachbar Robert Spindler geht es darum, dass alle Anwohner gleich behandelt werden, was die Höhe der Lärmschutzwand betrifft: "Zum Teil mussten wir den Bahn-Vertretern erst einmal klar machen, wo sie auf ihren eigenen Plänen ein Wohn- und wo ein Mischgebiet eingezeichnet hatten."

Allen drei Anwohnern war anzuhören, dass sie sich in den Verhandlungen mit der Bahn auch mehr Unterstützung von Seiten der Stadt gewünscht hätten. "Was möglich ist, wenn der politische Wille da ist, sieht man in Ampfing. Dort bekommen die Bürger einen Tunnel", sagte Pfaffinger über die Einhausung der A94.

Bürgermeister Günther Knoblauch machte deutlich, dass "die Bahn die Herrin des Verfahrens" sei. "Unser Einfluss ist begrenzt", sagte er. Zugleich betonte er: "So viel Lärmschutz wie möglich: Das muss das Ziel sein. Und am Geld darf es nicht scheitern." Die Stadt werde deshalb noch einmal das Gespräch mit der Regierung und der Bahn suchen und sich die Verbesserungsvorschläge genau ansehen.

Bei der Südostbayernbahn (SOB) gibt man sich betont zurückhaltend. Christian Kubasch, Leiter Infrastruktur der SOB, verweist auf das laufende Verfahren, das die Regierung von Oberbayern durchführe. "Wir haben unseren Vorschlag gemacht. Und wir werden sehen, was wir letztendlich vom Eisenbahnbundesamt als Auflagen bekommen." Davon abgesehen sei die SOB vom Bund aber "grundsätzlich angehalten, die wirtschaftlichste Baumaßnahme durchzuführen".

Dass die Anwohner in letzter Konsequenz den Klageweg beschreiten wollen, ist laut Mangold Heinzel wahrscheinlich. "Einige haben aber schon Kontakt zu ihrer Rechtsschutzversicherung aufgenommen. Und ich werde das auch noch tun. Damit wir in ein paar Jahren wenigstens behaupten können, dass wir alles versucht haben."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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