Kritik an Zusammenarbeit im Landkreis Mühldorf am Inn

"Absurd und lächerlich" - DITIB und KJR wehren sich gegen AfD-Vorwürfe

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AfD-Kreisvorsitzender Oliver Multusch.
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Mühldorf am Inn/Waldkraiburg - In einem offenen Brief kritisiert die Mühldorfer AfD die Zusammenarbeit des Kreisjugendrings (KJR) und des Jugendverbands der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB). 

Hier können Sie den vollständigen offenen Brief der AfD im Wortlaut nachlesen.

"Der AfD Kreisverband Mühldorf beobachtet nun schon seit einiger Zeit mit zunehmender Sorge die engen Verbindungen zwischen dem Kreisjugendring Mühldorf z.B. über den Verein 'Mühldorf ist bunt, landesweites Netzwerk für Demokratie und Toleranz e.V.' und der DITIB-Jugend, die als Mitgliedsverband des KJR geführt wird", heißt es in einem offenen Brief des AfD-Kreisvorsitzenden Oliver Multusch. Es würden neben der Zusammenarbeit bei verschiedenen Projekten der Jugendarbeit auch gemeinsame Veranstaltungen organisiert, so auch ein Aufruf zum gemeinsamen Fastenbrechen am Freitag in Waldkraiburg. "Die Sorge begründet unter anderem die Tatsache, dass die DITIB eine Organisation ist die der bayerische Verfassungsschutz als derzeit als Prüffall zur Beobachtung einstuft", so Multusch. "An einer geheim gehaltenen Islamkonferenz mit dem Namen „II. Treffen der europäischen Muslime“ vom 2. bis 4. Januar, Tagungsort war die DITIB-Zentralmoschee in Köln, haben offenbar auch radikale Muslime, die der Muslimbruderschaft nahestehen, teilgenommen", verweist er dazu auf eine umstrittene Konferenz. 

"Die DITIB ist also ohne Übertreibung ein äußerst gefährlicher Verein, der in der Jugendarbeit nach unserer Auffassung absolut nichts zu suchen hat", erklärt Multusch, "Ein weiterer Aspekt ist die Organisationsstruktur dieser DITIB. Sie ist ein direkter Ableger der türkischen Religionsbehörde DYANET in Ankara, welche wiederum viele Imame der DITIB-Moscheen hierzulande stellt und auch bezahlt. "Der AfD-Kreisverband Mühldorf fordere deshalb die Verantwortlichen des KJR auf, die Zusammenarbeit mit der DITIB und ihren Unterorganisationen unverzüglich und vollständig "im nachhaltigen Interesse unserer jungen Menschen" zu beenden. "Dazu gehört auch keinerlei Zusammenarbeit oder Werbung für Vereine die mit DITIB oder deren Unterorganisationen kooperieren, wie z.B. 'Mühldorf ist bunt, landesweites Netzwerk für Demokratie und Toleranz e.V.'"

Kreisjugendring und DITIB äußern sich

Der Kreisjugendring verweist auf Nachfrage unserer Redaktion auf ein Zitat von Matthias Fack, dem Präsident des Bayerischen Jugendrings bezüglich der Forderung der AfD im Bayerischen Landtag auf ersatzlose Streichung der Zuschüsse an den BJR, solange der Landesverband Bayern des SJD - Die Falken nicht ausgeschlossen wird. Ein der SPD nahe stehender Verband, der seit Jahrzehnten Mitglied des BJR ist. "Der BJR stand und steht für Pluralität und eine offene und freie Gesellschaft. Dafür wurde er gegründet, dafür gibt es Jugendverbände und dafür stehen wir nach wie vor." Der DITIB Jugendverband sei Mitglied im Bayerischen Jugendring und damit ein anerkannter Jugendverband im BJR und seinen Gliederungen wie dem KJR Mühldorf. "Wir arbeiten im Zuge einer gelingenden Jugendarbeit mit der DITIB Jugend Region Waldkraiburg, wie auch all unseren anderen Jugendverbänden zur Stärkung des Dialogs, der Pluralität und Vielfalt zusammen. Wir sehen uns in der Verantwortung Austausch, Diskussion und Förderung kritischen Denkens zu unterstützen und beabsichtigen dies auch zukünftig zu tun", so die KJR-Vorstandsschaft.

"Dass wir mit unserem ehrenamtlichen Engagement der rechtspopulistischen Partei AfD ein Dorn im Auge sind, verwundert uns nicht", erklärt außerdem Nurseda Başkent vom DITIB-Landesjugendverband Südbayern. "Die AfD greift eine Dialog-Veranstaltung an, die zum gegenseitigen Austausch und Kennenlernen von Menschen mit unterschiedlichem kulturellem und religiösem Hintergrund aufruft. Somit demonstriert sie erneut in aller Deutlichkeit ihre Abneigung gegenüber einer vielfältigen und bunten Gesellschaft in Deutschland." Die geäußerten Vorwürfe externer Steuerung, Leitung und Lenkung würde der DITIB vehement ablehnen. "Unsere basisdemokratische, gelebte Jugendverbandsarbeit und Kooperationen sind der beste Beweis dafür. Über Einladungen im Rahmen eines Programmes in Köln, deren Hintergrund wir nicht wissen, Jugendlichen der Region Waldkraiburg eine Nähe zu extremistischen Strömungen vorzuwerfen sind absurd und lächerlich." 

Auch würde die Behauptung, der bayerische Verfassungsschutz stufe derzeit DITIB als Prüffall zur Beobachtung ein nicht der Wahrheit entsprechen. "Hier wird deutlich wie die AfD mit falschen Darstellungen sich auf Kosten von jungen engagierten Menschen profilieren möchte. Wir werden uns von dieser politischen Polemisierung im Vorfeld der Europawahlen nicht ablenken lassen und uns über Grenzen in Köpfen und Herzen hinweg, über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg selbstbewusst für ein friedliches Miteinander in unserer Stadt einsetzen."

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