In 730 Tagen nach Tibet

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Die ersten 100 Kilometer sind geschafft: Stephan Meurisch geht zu Fuß nach Tibet.

Mühldorf - Stephan Meurisch will nach Tibet - und zwar zu Fuß. Ohne einen Cent in der Tasche will der 31-Jährige rund 13.000 Kilometer zurücklegen. Mühldorf war eine der ersten Stationen auf seiner Reise.

Mit keinem Cent in der Tasche will der 31-Jährige in den nächsten zwei Jahren durch fremde Länder und Kulturen reisen - rund 13.000 Kilometer liegen vor ihm. Mühldorf war eine der ersten Stationen seiner Reise.

In Mühldorf hatte Stephan Meurisch Glück, denn ein Freund hatte ihm im Vorfeld ein Hotel und eine warme Abendmahlzeit organisiert. Das ist aber nur die Ausnahme: Denn an den meisten Tagen läuft der Münchner eher planlos in einen Ort und hofft auf die Gastfreundschaft der Menschen dort. "An den kalten Tagen versuche ich noch ein Dach über dem Kopf zu haben. Wenn es wärmer wird, schlafe ich auch mal unter freiem Himmel", erzählt er.

Bis jetzt habe alles gut funktioniert. Am ersten Tag in Forstinning erzählte er in einem Gasthof von seinem Vorhaben. Die Besitzer waren begeistert und spendierten neben einem Abendessen und einer kostenlosen Übernachtung am nächsten Morgen auch noch ein Lunchpaket. Ähnlich war es ihm schon beim Start in München ergangen: eine wildfremde Frau hatte ihm 50 Euro in die Hand gedrückt, weil sie seine Idee so gut fand.

Aber die Leute helfen nicht nur finanziell, sie leisten Stephan auch Gesellschaft: So hatte er von Gars bis nach Mühldorf fast durchgehend Menschen um sich, die ihn ein kleines Stück auf seinem Abenteuer begleitet haben: Zuerst Freunde, dann Wanderer und kurz vor Mühldorf schloss sich noch spontan ein Pärchen an.

Ihnen allen erzählte er, wie aus einer Idee Wirklichkeit wurde: "Vor drei Jahren schwärmten Freunde ständig über Tibet. Da entschloss ich mich den Rucksack zu packen und einfach hinzulaufen." Durch Mundpropaganda nahm das Projekt konkrete Formen an. Es entstand eine eigene Homepage, Sponsoren meldeten sich und ein Film ist ebenfalls in Planung. Hinter allem steckt auch ein guter Zweck: Stephan sammelt Geld und macht Werbung für das Projekt "Shelter 108", welches schutzbedürftige Kinder und bedrohte Kulturen unterstützt.

Zur Vorbereitung auf die körperlichen Strapazen hat der 31-Jährige einen Marathonlauf ebenso hinter sich gebracht wie einen 780-Kilometer-Spaziergang auf dem Jakobsweg. Doch nun wagt Stephan Meurisch den ganz großen Schnitt: "Den Job als Verkäufer aufzugeben war okay, meine Versicherungen und die Wohnung zu kündigen war auch noch okay. Aber als ich dann Abschied von meiner Familie, meinen Freunden und meiner Freundin nehmen musste, war es schon ein sehr schwerer Moment", berichtet der Abenteurer.

Seine Mutter war nicht gerade begeistert von seinem Vorhaben. "Die hält mich schlicht für verrückt", erzählt er. Doch von den meisten seiner Freunden und den Menschen, die er unterwegs trifft, erhält er positive Rückmeldungen. Auch seine Freundin findet die Aktion "cool" - und unterstützt ihn so gut es eben geht. Einen kleinen Lichtblick gibt es für die beiden: "Dieses und nächstes Jahr hat sie drei Wochen Urlaub. Da wird sie mich auf meiner Reise begleiten."

Der Abenteurer geht ansonsten ganz locker an die Reise heran. "Vor zwei Wochen konnte ich noch nicht einmal mit Karte und Kompass umgehen. Würde ich mir ständig Sorgen machen, hätte ich die Reise nicht angetreten."

Seine größte Angst ist es die Tour aus gesundheitlichen Gründen abbrechen zu müssen. Froh ist er dagegen, wenn er Deutschland verlassen hat. "Denn hier bin ich nicht mehr krankenversichert. Im Ausland hingegen greift dann meine Auslandskrankenversicherung."

Über das Ende seiner Reise hat sich der Wandersmann noch keine Gedanken gemacht: "Wenn ich in Tibet angekommen bin, will ich tief durchatmen, ein paar Fotos machen, mich umdrehen und mir überlegen was ich als nächstes mache. Vielleicht gehe ich ein paar Jahre ins Kloster oder spaziere einfach weiter." Denn Tibet ist nur der vorläufige Endpunkt. Das eigentliche Ziel ist die Reise dahin.

Weitere Informationen zu Stephan Meurischs Abenteuer gibt es online unter www.Longtrailtotibet.de.

vef/Mühldorfer-Anzeiger

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