Mühldorfer "Sinners" fürchtet Wiedereröffnung erst mit Impfstoff

Discos und Clubs hängen in der Luft: "Wir fühlen uns einfach vergessen"

Bis zu 300 Gäste haben im Sinners Club Platz. Wann wieder getanzt werden darf, steht völlig in der Schwebe.
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Bis zu 300 Gäste haben im Sinners Club in Mühldorf Platz. Wann wieder getanzt werden darf steht völlig in den Sternen.

Mühldorf - Das Leben mit dem Coronavirus normalisiert sich - doch Discos und Clubs sind noch immer völlig perspektivlos. Der Betreiber des "Sinners" fürchtet, im schlimmsten Fall erst bei Entwicklung eines Impfstoffs wiedereröffnen zu können. 

"Wir warten und hoffen, aber fühlen uns immer noch einfach vergessen." In der Stimme von Max Kendlinger schwingt fast schon etwas Resignation mit, aber für ihn und seine Branche gibt es auch knapp vier Monate nach dem Corona-Shutdown keine Perspektive. Kendlinger führt das "Sinners" in Mühldorf. Bis zu 300 Gäste tanzten dort an den Wochenenden regelmäßig zu Hip-Hop oder 90er-Mottopartys. Clubs und Discos scheinen die großen Corona-Verlierer zu werden. 


Öffnung erst mit Impfstoff? "Das wäre der Super-Gau"

Was glaubt Kendlinger, wann er wiedereröffnen könnte? Großveranstaltungen bleiben mindestens bis Ende Oktober verboten. Vorher wird auch für das "Sinners" in Mühldorf nichts gehen. "Im schlimmsten Fall können wir erst öffnen, wenn es einen Impfstoff gibt. Das wäre natürlich der Super-Gau", so Max Kendlinger im Gespräch mit innsalzach24.de. Er ist Realist genug: "Die Menschen kommen zu uns zum Tanzen. Abstandsregeln lassen sich in einem Club nicht umsetzen." An eine schnelle Lösung glaubt er deshalb nicht. 

Max Kendlinger (rechts), Betreiber Sinners Club in Mühldorf, fühlt sich derzeit als "Vergessener" der Corona-Krise. 

"Dieses Jahr können wir mit Sicherheit noch überbrücken", macht der Sinners-Chef seinem Stammpublikum Hoffnung - "aber spätestens im neuen Jahr muss man sich allein aus wirtschaftlicher Sicht ganz gut überlegen, was man macht. Irgendwann will man auch privat nichts mehr investieren, wenn man nicht weiß, wie es weitergehen soll und wann wieder Einnahmen da sind." Auf gastronomische Alternativen zu setzen sei wegen der früheren Sperrstunde ebenfalls nicht einfach. "Und Take-away klappt bei uns eben nicht."

"Irgendwann sind die Reserven aufgebraucht"

Schwimmbäder, Frisöre, Wirtshäuser, Thermen, Fitnessstudios und mit Ausnahmen auch Bars und Kneipen - alle haben wieder offen. Sogar für Bordelle zeichnen sich schon Konzepte für eine Wiedereröffnung ab. "Aber wir werden von den Politikern nie erwähnt", so Max Kendlinger. Für den Shutdown hatte er absolutes Verständnis, doch langsam komme er sich "wie ein Vergessener" vor. Die 5000 Euro Soforthilfe des Freistaats hat er bekommen, doch bestimmte Kosten laufen weiter und hätten sich inzwischen zu einem hohen vierstelligen Betrag summiert. "Irgendwann sind die Reserven aufgebraucht."

Auch seinen Getränkebestand hat Max Kendlinger im Laufe des Frühjahres verkauft: "Wir hätten sie auch zurückgeben können, aber dem Händler ist damit ja auch nicht geholfen." Ansonsten hätte er nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums alles in den Gully schütten müssen. 

xe

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