Die Grenzen des Stadtsaals

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Das Ballet des Classique de Paris war zu Gast im Mühldorfer Stadtsaal

Mühldorf - Das Ballet des Classique de Paris führte im Stadtsall den Schwanensee auf. Komplett überzeugen konnte das Ballet aber nicht.

Wenn schon ein Ballett, dann das Bekannteste. Also Schwanensee im Mühldorfer Stadtsaal. Mit dem Ballet des Classique de Paris führte dazu noch eines mit einem sehr klangvollen Namen das Ballett in vier Akten zur Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky auf, die allerdings nur vom Band kam. Nicht der einzige Makel an diesem Abend, der durch hohe Kartenpreise eigentlich entsprechend hohes Niveau erwarten ließ. Ein Niveau, das aufgrund der räumlichen Gegebenheiten schon vor dem ersten Pas der Ballerina zwangsläufig nach unten korrigiert werden musste. Viel zu eng ist die für größere Ballet-Vorführungen einfach ungeeignete Bühne, das ganze Improvisationsvermögen der Truppe aus Paris war gefordert.

Das kann aber nicht dafür entschuldigen, dass das verständlicherweise reduzierte Tournee-Ensemble bisweilen auffällig asynchron tanzte und - offensichtlich auch krankheitsgeschwächt - die ohnehin schon eingeschränkte Choreografie zum Teil einfach nur schlampig ausführte.

Dass der 21-jährige Prinz Siegfried (Andrii Kozarezov) zunächst nicht gerade begeistert darüber ist, als ihm seine Mutter im ersten Akt eröffnet, er solle heiraten, ist nachvollziehbar. Aber der Prinz bleibt auch dann noch seltsam emotionslos, als er auf Odette (Svitlana Kalaschnikova) trifft und mit ihr zumindest in technischer Hinsicht ein sehenswertes Duett auf das Parket legt.

Erst im zweiten Teil der Aufführung zeigt der Prinz mit Fönfrisur größere Gefühlsregungen. Schade, dass die räumlich eingeschränkten Möglichkeiten weitere technisch einwandfreie Sprünge von Kozarezov verhinderten, der insgesamt viel zu sehr auf seinen Tanz konzentriert und allzu distanziert zur eigentlichen Geschichte war.

Umso mehr kam Primaballerina Kalaschnikova zur Geltung, die bereits vom ersten Akt an mit sehr ergreifender Mimik die Odette gab und in makelloser tänzerischer Darbietung die Blicke auf sich zog, etwa zum Finale im dritten Akt hin, wenn sie mit unzähligen gedrehten Fouetten die knapp 250 Besucher zu spontanem Applaus hinriss.

Nach nicht einmal zwei Stunden ist Prinz Siegfrieds Widersacher, der böse Zauberer Rotbart (Rossen Kanev) tot, die Geschichte nimmt ihr Happy End. Für alle? Nicht für den Mühldorfer Stadtsaal, der sich für Ballettaufführungen dieser Größe als völlig ungeeignet erwiesen hat. Ein Fingerzeig für die Zukunft. Sonst ist das Risiko groß, dass die Besucher ob der hohen Eintrittspreise entsprechend verärgert den Saal verlassen.

Schwanensee im Mühldorfer Stadtsaal

Josef Enzinger

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