Prozess am Amtsgericht Mühldorf

Mühldorf: Wer hat im Weinzelt wen geschlagen?

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Mühldorf - Eine handgreifliche Auseinandersetzung auf dem Mühldorfer Volksfest landet am Mittwoch vor Gericht. Wer wen wann geschlagen hat, bleibt auch im Prozess unklar.

Die Verhandlung am Mühldorfer Amtsgericht bringt zumindest eine einigermaßen gesicherte Erkenntnis: Im Weinzelt des Mühldorfer Volksfests sind am Tag der Betriebe wohl tatsächlich die Fäuste geflogen. Die Details des Vorfalls bleiben jedoch im Dunkeln - zu widersprüchlich sind die Aussagen der Beteiligten.

Hat der Angeklagte ohne Vorwarnung zugeschlagen?

Am Abend des 5. September 2014, ein Freitag, war das Weinzelt gut besucht. Die Gäste saßen dicht beisammen - zu dicht, wenn man die Schilderungen zweier junger Männer vor Gericht zugrunde legt. Der 23-jährige Angeklagte hat beim Aufstehen offenbar einen hinter ihm sitzenden heute 19-Jährigen angerempelt. Das sagen beide Männer vor Gericht aus. Über das, was danach geschah, könnten die Aussagen aber nicht weiter auseinandergehen.

Der 19-Jährige sagt aus, er habe dem 23-Jährigen einen Klaps gegeben, weil dieser auf sein Hemd gestiegen sei. Ohne Vorwarnung habe ihm der Angeklagte daraufhin mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm so eine blutige Lippe verpasst.

"Dann ist die Pöblerei losgegangen"

Der Angeklagte sagt hingegen aus, er habe sich sofort für seinen unabsichtlichen Rempler entschuldigt. "Dann ist die Pöblerei losgegangen", so der 23-Jährige. Der 19-Jährige sei streitsüchtig gewesen und habe letztlich selbst mit der Faust zugeschlagen. Danach will der Angeklagte zugeschlagen haben, "aber mit der flachen Hand, nicht mit der Faust".

Die gegensätzlichen Aussagen bereiten Richter Achim Gutschera freilich Kopfzerbrechen, zumal der Angeklagte seine Version mit einem Attest untermauert. Ein Veilchen und Kopfschmerzen will er vom Faustschlag des 19-Jährigen davongetragen haben.

Verfahren wird gegen Geldauflage eingestellt

Nach kurzem Hin und Her einigen sich deshalb Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf die Einstellung des Verfahrens gegen eine geringe Geldauflage von 400 Euro. So bleibt ihnen ein langwieriger Prozess mit womöglich widersprüchlichen Zeugenaussagen - und das wegen eines vermeintlichen Faustschlags mit relativ geringen Folgen - erspart. Der 23-jährige Angeklagte gilt aufgrund der Einstellung weiter als unschuldig.

Ein Hauptgrund für die Einstellung ist, dass der mutmaßlich Geschädigte die Angelegenheit alles andere als schwer nimmt. Er wolle kein Schmerzensgeld, sagt er vor Gericht, und nimmt die Entschuldigung des Angeklagten mit einem "Passt schon" an. Auch gegen ihn selbst war ursprünglich ermittelt worden. Wie der 19-Jährige vor Gericht angibt, sei das Verfahren eingestellt worden.

Der Richter trinkt bloß ein Radler

Offen bleibt, inwieweit die Alkoholisierung der Beteiligten bei der Auseinandersetzung eine Rolle spielte. Der 23-Jährige beziffert sein Quantum an dem Abend auf drei bis vier Mass Bier, der 19-Jährige gibt an, Wein und ein, zwei Mass Bier getrunken zu haben und sagt: "Natürlich war ich alkoholisiert." Richter Gutschera amüsiert die Aussage, man sei auf dem Volksfest "natürlich" betrunken gewesen. "Ich gehe auch gelegentlich aufs Volksfest. Dann trinke ich eine Apfelschorle oder ein Radler", so der Richter.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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