Prozess wegen Betäubungsmitteln und sexuellem Missbrauch an Internat im Kreis Mühldorf

Angeklagter will Geschädigtem 5.000 Euro zahlen

Amtsgericht Mühldorf am Inn
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Amtsgericht Mühldorf am Inn

Mühldorf - Am Donnerstag, 6. August, muss sich ein Betreuer eines Internats vor dem Amtsgericht Mühldorf unter anderem wegen Verstoßes nach dem Betäubungsmittelgesetz verantworten.

Das Wichtigste in Kürze:


  • Betreuer an Internat soll Jugendlichen gezwungen haben, Cannabis zu verkaufen
  • Auch soll der Mann den Teenager zu sexuellen Handlungen genötigt haben
  • Rechtsgespräch führt zu keinem Ergebnis
  • Angeklagter will Geschädigtem Ausgleich zahlen
  • Verhandlung bis 27. August unterbrochen

Update, 14.16 Uhr: Angeklagter will Geschädigtem 5.000 Euro zahlen


Nach der Mittagspause soll der Geschädigte selber vernommen werden. Zuvor geht es um einen etwaigen Täter-Opfer-Ausgleich. Rechtsanwalt Andreas Michel gibt für seinen Mandanten eine Erklärung zu Protokoll, wonach der Angeklagte anerkennt, an den Geschädigten einen Betrag in Höhe von 5.000 Euro zu zahlen. Der Geschädigte könne aber weitere zivilrechtliche Ansprüche geltend machen. Der Täter-Opfer-Ausgleich wird aber nur relevant, wenn es zu einer Verurteilung käme.

Das Gericht will nun bis zum nächsten Verhandlungstag am 27. August abwarten, ob es zu einer Verständigung kommt und den Geschädigten erst dann vernehmen.

Die Verhandlung wird bis dahin unterbrochen.

Update, 13.29 Uhr: „Es war immer eine Art Katz und Maus spiel zwischen den Beiden“

Nach einer 45-minütigen Pause verkündet Richter Florian Greifenstein, dass das Rechtsgespräch zu keinem Ergebnis geführt habe. Das Gericht tritt nun in die Beweisaufnahme ein:
Erster Zeuge des Tages ist ein 61-jähriger Kriminalhauptkommissar a.D.. Der sagt aus, dass es bezüglich des Rauschgiftes und den Drohungen nur die Aussage des Geschädigten gebe, jedoch keine Beweise wie sichergestellte Drogen oder aufgefundene Pflanzen.

„Ich kenne den Angeklagten von dem Internat, er war auch privat bei uns daheim“, sagt der Vater des Geschädigten nun vor Gericht aus. Sein Sohn habe ihm irgendwann leicht angetrunken von den Vorfällen erzählt, woraufhin er dann mit ihm zur Polizei gegangen sei. „Ich habe das immer als gut angesehen, dass der Angeklagte bei uns daheim war, weil er meinem Sohn bei der Ausbildung geholfen hat.“ Die Sache habe seine Sohn deutlich mitgenommen, er befinde sich seitdem in psychiatrischer Behandlung.

Ein Arbeitskollege des Angeklagten, der ebenfalls vor Gericht vernommen wird, erzählt, dass ihm der Angeklagte ein Schreiben diktiert habe, das der Geschädigte unterschreiben sollte. Darin sei es darum gegangen, dass der Geschädigte Schulden aus einem gemeinsamen Casinobesuch beim Angeklagten gehabt habe und mit seiner Unterschrift bestätigte, die Schulden abzuarbeiten. Der Zeuge berichtet auch, dass der Geschädigte gekifft habe. „Es war immer eine Art Katz und Maus spiel zwischen den Beiden.“

„Wir waren der Meinung, dass es irgendwann zur Eskalation zwischen den Beiden kommen wird und dass diese sich nicht mehr sehen sollen“, sagt der Leiter des Internats vor Gericht. „Es ging vorwiegend darum, dass der Angeklagte immer Druck auf den Geschädigten ausgeübt hat.“ Es sei um Geld gegangen. Man habe dann ein Gespräch mit allen Betroffenen geführt, bei dem sich sie sich einigten, sich nicht mehr zu sehen. „Der Angeklagte hat schon eingesehen, dass dieser intensive Kontakt zum Geschädigten nicht richtig gewesen ist“, so der Leiter.

Update, 9.53 Uhr: Internats-Betreuer soll Geschädigten stark unter Druck gesetzt haben

Staatsanwältin Linda Arnotfalvy verliest die Anklageschrift. Der Angeklagte soll demnach seit 2016 eine Ausbildung in der Einrichtung, in der der Geschädigte lebte, absolviert haben. Er sei der Betreuer des Geschädigten gewesen und habe zu diesem eine engere Freundschaft aufgebaut. Laut Anklageschrift soll der Mann von März 2017 bis August 2017 bei sich zuhause und in einem Wald Cannabispflanzen aufgezogen und geerntet haben.

Einen Teil der Ernte, etwa 25 Gramm Cannabis, habe er dann an einen Jäger weitergegeben. Mindestens drei Mal acht Gramm soll er auch dem Geschädigten ausgehändigt haben mit der Forderung, das Rauschgift für ihn weiter zu verkaufen. Er setzte dabei den Geschädigten stark unter Druck, drohte damit, dessen Urlaub zu streichen und ihn durch die Prüfung fallen zu lassen. Der Geschädigte fühlte sich dadurch so eingeschüchtert, dass er das Cannabis verkaufte.

Darüber hinaus soll der Angeklagte mindestens zwei Mal sexuelle Handlungen am Geschädigten durchgeführt haben. Dies soll wieder unter Drohungen geschehen sein, dieser würde seine Ausbildungsstelle verlieren, wenn er ihn nicht gewähren lasse.

Der Betreuer wird daher wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes und sexuellem Missbrauch angeklagt. Nach Verlesung der Anklageschrift regt Verteidiger Andreas Michel ein Rechtsgespräch an.

Die Erstmeldung, 6. August, 5.18 Uhr:

Ein Betreuer eines Internats im Landkreis Mühldorf soll etwa 40 Cannabispflanzen aufgezogen und einen Internatsbewohner unter Drohungen gezwungen haben, das abgeerntete Marihuana zu verkaufen. Außerdem soll er einen Internatsbewohner, ebenfalls unter Drohungen, zum Oralverkehr gezwungen haben.

Er wird sich daher ab dem 6. August, 9 Uhr vor dem Amtsgericht Mühldorf verantworten müssen. Das Gericht setzte einen Fortsetzungstermin am 27. August 9 Uhr an. **innsalzach24.de berichtet von vor Ort**

jb

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