Bahnlinienstern Mühldorf

Neuer Betreiber für Bahnnetz im Landkreis Mühldorf gesucht

Wollen auch in den nächsten Jahr den Bahnbetrieb in Mühldorf leiten: Netzchef Christan Kubasch (links) und SOB-Geschäftsführer Matthias Krause.
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Wollen auch in den nächsten Jahr den Bahnbetrieb in Mühldorf leiten: Netzchef Christan Kubasch (links) und SOB-Geschäftsführer Matthias Krause.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft vergibt den Bahnlininestern Mühldorf neu. Offen ist, ob die Südostbayernbahn mit über 1000 Mitarbeitern weitermachen darf.

Mühldorf – Es ist mal wieder ein Jahr der Entscheidung für die heimische Südostbayernbahn (SOB), ihre über 1000 Mitarbeiter und die – in normalen Jahren – weit mehr als 40.000 Kunden. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) vergibt den Linienstern Mühldorf neu. Das soll nach Auskunft von SOB-Chef Matthias Krause noch heuer geschehen.

Weiter geht es mit Wasserstoff

Wie immer stellt die BEG einen Forderungskatalog auf, den die Bewerber um den Linienstern erfüllen müssen. Da geht es um Kilometer, Lokomotiven und Züge, Service und Dienstleistungen.

Heuer geht es außerdem um eine absolute Neuerung, die Einführung von Zügen, die mit Wasserstoff betrieben werden. Der Linienstern soll Wasserstoff-Modellregion werden, in der ausprobiert wird, ob Wasserstoff getriebene Lokomotiven eine Alternative zum Diesel sein können. „In Bayern wären wir die Ersten“, sagt Krause. Nach seinen Angaben gibt es erst eine Versuchsstrecke in Deutschland auf der Taunusbahn in Hessen.

Alternative zu den lauten Dieselloks

Die Leitung der SOB ist von dem Vorhaben überzeugt, es bietet nach ihrer Ansicht eine umweltfreundliche und leise Alternative zu den derzeit eingesetzten Dieselloks. Die Wasserstoffzüge sollen auf den Strecken nach Passau und Burghausen fahren. Insgesamt müsste die SOB zwölf neue Züge kaufen. Die Ausschreibung für die Lieferung des Wasserstoffs muss laut Krause europaweit erfolgen, ob er nur aus erneuerbarer Energie gewonnen wird, ist offen.

Bisher immer gegen private Konkurrenten durchgesetzt

Es ist die dritte Neuausschreibung des Liniensterns, den die SOB seit der Übernahme des Betriebs 2003 mitmachen muss. Bislang konnte sich die Tochter der Bahn immer gegen private Konkurrenten durchsetzen.

Sollte das diesmal nicht gelingen, werde es für das sogenannte fahrende Personal, also Lokführer und Zugbegleiter, Übernahmeverträge geben. Was aus Auszubildenden oder Werkstattmitarbeitern wird, ist offen. „Mann kann nicht sagen, was mit denen passiert“, betont Krause.

Drastischer Rückgang der Fahrgäste durch Corona

Das vergangene Jahr stand auch die SOB ganz im Zeichen von Corona. Die Auswirkungen waren gravierend. So sank die Zahl der Fahrgäste von täglich über 35.926 im Jahr 2019 auf kaum 9000 im vergangenen Jahr. Trotzdem schränkte die SOB den Betrieb nicht ein, und schickte niemanden in Kurzarbeit.

Diejenigen, die die Bahn nutzten, waren sehr zufrieden, betont Krause. Der Messwert erreichte mit 80,1 Prozent einen Höchststand, im Vorjahr hatte er bei nur 68,4 Prozent gelegen.

Hohe Zufriedenheit der Kunden

Dazu mag vor allem die verbesserte Pünktlichkeit geführt haben, die sich – auch als Folge von Corona – auf sehr gute 96 Prozent gesteigert hat. Weniger Fahrgäste bedeuten kürzere Haltezeiten. Zugleich habe die SOB durch die Wiedereinführung des Bahnsteigservice die Zeiten verkürzt, erklärt Christian Kubasch, der fürs Streckennetz verantwortlich ist. „Durch den Bahnsteigservice werden die Kunden beim Umsteigen besser betreut.

Die Mitarbeiter können außerdem den Lokführer informieren, wenn alle Fahrgäste eingestiegen sind.“

Krause setzt darauf, dass auch die Fahrgäste nach Corona zurückkommen, die jetzt aufs Auto umgestiegen sind oder zu Hause arbeiten. „Wir rechnen schon damit“, sagte er, wir werden aber eine jahrelange Hochlaufkurve brauchen, bis wir den Wert vor 2020 wieder erreichen.“

30 Millionen für die Infrastruktur

Durch die Übernahme der Gäubodenbahn und des Vertriebsservice Südostbayern hat die SOB ihr Geschäftsfeld erweitert und 111 Mitarbeiter, 50 Kilometer Streckennetz und 15 Verkaufsstellen hinzu bekommen.

Die SOB investierte 2020 etwa 30 Millionen Euro in die Modernisierung, vor allem in die Erneuerung der Rottalbahn. Auch heuer nimmt sie 30 Millionen Euro in die Hand. Im Zentrum steht die Ertüchtigung der Werkstatt, die Erweiterung des elektronischen Stellwerks in Mühldorf, die Sanierung des Bahnhofs Garching und der barrierefreie Ausbau anderer Haltepunkte.

Zur Person

Matthias Krause (42) steht erst seit Kurzem an der Spitze der SOB, er hat den langjährigen Leiter Christoph Kraller abgelöst. Kraller ist im vergangenen Jahr in die Zentrale der DB-Regio in Frankfurt gewechselt. Zweiter Mann an der Spitze der SOB ist Christian Kubasch, zuständig für Infrastruktur und Technik. Der 64-Jährige geht nach 20 Jahren in Mühldorf anfang kommenden Jahres in den Ruhestand.

Die Südostbayernbahn in Zahlen

  • Mitarbeiter: 1037
  • Auszubildende und Studenten: 65
  • Lokführer und Zugbegleiter: 375
  • Werstattmitarbeiter: 88
  • Fahrgäste 2020: 9000
  • Zugkilometer: 8,41 Millionen pro Jahr
  • Kilometer Liniennetz: 587
  • Züge je Werktag: 470
  • Triebwagen: 67
  • Diesellokomotive: 25
  • Doppelstock-Wagen: 69

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