So reagieren die Einzelhändler

Nach Überfall auf Juwelier: Geht die Angst um?

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Mühldorf – Angst und Schrecken oder normaler Tagesablauf? Fühlen sich die Mühldorfer Geschäftsleute und die Kaufkundschaft nach dem Raubüberfall auf den Juwelier in der Innenstadt noch sicher?

„Die sind doch eh weit weg, jetzt brauch ma uns nimmer fürchten“ heißt es von Markus Mayer aus Mühldorf. Der 53-Jährige ist oft in der Innenstadt um hier einzukaufen. „Es gibt hier einfach auch die besitzergeführten Läden, da kennt man sich“, so Mayer. In den vergangenen beiden Tagen habe man nicht viel zusätzlichen Trubel unter den Geschäftsleuten bemerkt, es herrsche normaler Geschäftsalltag.

Angst vor weiteren Raubüberfällen oder "normaler" Alltag in der Mühldorfer Innenstadt?

Schon etwas mulmig zumute ist es Adriana, die in einer Boutique in der Nähe des Juweliers arbeitet. „Stellen Sie sich mal vor, die Räuber hätten sich bei mir im Laden verschanzt, das wäre doch der absolute Horror gewesen“, heißt es von der jungen Verkäuferin. Sie drehe sich nur noch ungern mit dem Rücken zur Eingangstür, habe lieber alles im Blick und nehme Geräusche oder Polizeiautos jetzt noch etwas mehr wahr.

Kundschaften weiter unterwegs

„Die Tatsache, dass hier viele Menschen sehr mutig gehandelt haben, ist einerseits bemerkenswert, andererseits hätte dieser Mut auch zusätzlich sehr schlimme Verhaltensmuster auslösen können“ heißt es von einer Krankenschwester aus dem Mühldorfer Klinikum. Sie sei oft nach ihrer Schicht im Krankenhaus in der Innenstadt unterwegs und zeigt sich betroffen, dass die Räuber auch Schusswaffen zum Einsatz gebracht hätten. „Stellen Sie sich dieses Blutbad vor, das hier entstehen hätte können“, so die Krankenschwester weiter. Unterwegs zu den Geschäften, Banken und Cafés in unmittelbarer Nähe zum Juwelier, der ausgewählter Standort des Raubs war.

„Ich finde, dass wir alle viel aufmerksamer sein müssen in Zukunft und uns Geschäftsleute mehr auch die Läden der Nachbarschaft und die Leute, die sich möglicherweise auffällig verhalten, näher betrachten“ erklärt Gudrun Zimmer. Sie betreut ein Café in der Innenstadt und ist oft mit ihren Einnahmen zu Fuß auf der Straße unterwegs, um Kleingeld zur Bank zu bringen. „Ich gehe eigentlich jeden Tag an dem Juwelier vorbei und fühle mich seit dem Vorfall durchaus unsicherer und auch viel schneller“ gesteht die 47-Jährige. Sie hoffe darauf, dass die Polizei mehr Streifenfahrten durchführen werde. „Alle sollen wissen, dass Mühldorf kein Pflaster für Räuber ist“, so Gudrun Zimmer weiter. Sie merke keine Einbußen bei den Einnahmen, die Gäste seien auch nach dem Raubüberfall wenige Meter entfernt noch auf einen Kaffee hereingekommen.

Bilder vom Tatort am Donnerstag

Bewaffneter Raubüberfall auf Juwelier

Der Tatort: Überfall auf Juweliergeschäft in Mühldorf

Vorausschauend sein

War es eine spontane Auswahl oder wussten die Räuber, welche Schmuckstücke sich in welchen Vitrinen befinden? Experten raten, verdächtige Wahrnehmungen oder auffällig wirkende Personen, Gäste oder Kunden durch Gespräche aus dem Konzept zu bringen und mögliches Ausspähen dadurch zu erschweren. „Vielleicht sind die Räuber auch einige Tage oder Wochen zuvor schon einmal in dem Juwelierladen gewesen und haben sich umgesehen, konnten so eventuell einen Plan aufstellen, welche Schmuckstücke zügig genommen werden könnten und welche Ware wertvoll sei“ erklärt ein Sicherheitsexperte, der sich auf Einbrüche und Raub spezialisiert hat und im Bezirk Oberbayern Informationsveranstaltungen abhält. „Oftmals wird vor Einbrüchen, aber auch vor Raubüberfällen gezielt ausgekundschaftet, wo was zu holen ist“, so der Experte.

In Läden sei es oft besonders auffällig, wenn sich potentielle Kunden Handyfotos von den Vitrinen oder Waren machen und sich besonders lange erkundigen, großes Interesse ohne große Kauffreude zeigen. Unbedingt wachsam bleiben sollten die Ladenbesitzer, aber nicht in übertriebener Angst und Sorge sein, gelte als gutgemeinter Rat von Sicherheitsleuten und Polizei. Nach dem Raubüberfall am Donnerstagnachmittag in einem Juwelierladen in Mühldorf werden nach wie vor Spuren und Erkenntnisse zusammengetragen, die Fahndung läuft.

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