Prozess gegen Waldkraiburger Wiederholungstäter

Vor Kind masturbiert: Verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs

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Mühldorf/Waldkraiburg - Er entblößte sich im Park vor einem Kind und masturbierte - juristisch die niedrigste Stufe des sexuellen Missbrauchs von Kindern: Der Waldkraiburger muss aber auch wegen anderer Taten für über zwei Jahre in Haft.

Update, 11.58 Uhr: Gutachter, Plädoyers und Urteil

Nun sagt ein Gutachter aus. Er macht zunächst Angaben zum privaten und beruflichen Werdegang des Angeklagten. Der Mann habe ihm gegenüber geäußert, als Kind selbst von seinem Stiefvater sexuell missbraucht worden zu sein. Er wurde nach Verurteilungen wegen vorheriger einschlägiger Sexualstraftaten, darunter auch Vergewaltigung, sexueller Missbrauchs von Kindern und Körperverletzung, während und nach der Haft behandelt. Es stand damals auch eine Sicherheitsverwahrung im Raum. „Die Gutachter kamen damals zu unterschiedlichen Meinungen, es bestanden damals dafür auch hohe Hürden.“ Es sei anzumerken, dass der Angeklagte in seiner Therapie gelernt habe, keinen körperlichen Schaden mehr bei Kindern anzurichten.

Auch gegenüber dem Gutachter habe er ausgeführt, dass es sich um eine reine und ungeplante Zufallstat gehandelt habe. Der Waldkraiburger habe seine exhibitionistische Taten und pädophilen Neigungen eingeräumt. In Zusammenschau sei von einer Störung seiner sexuellen Tendenzen mit pädophiler Störung und Exhibitionismus auszugehen. Sein Verhalten habe sich auf rein exhibitionistische Handlungen verlagert. Es sei von einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit bei der Tat, aber keiner Schuldunfähigkeit oder eingeschränkten Schuldfähigkeit auszugehen.

Dem folgen die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Die Staatsanwältin führt an, dass der Mann das Kind zwar nicht angefasst habe, es sich aber ekelte und ängstigte. Strafmildernd zu berücksichtigen sei, dass der Mann Reue und Bereitschaft zu Entschuldigung gezeigt und die Tat schon frühzeitig beziehungsweise im Prozess auch den Besitz der Kinderpornographie gestanden habe. Nicht strafmildernd sei aber, dass er das Kind nicht angefasst habe, da dies sonst auch ein anderer Strafrahmen wäre. Hinsichtlich der kinderpornographischen Bilder sei strafmildernd zu berücksichtigen, das viele der Bilder auch doppelt vorhanden und der Angeklagte mit dem Einzug der Geräte einverstanden war.

Strafverschärfend wiederum zu berücksichtigen sei, dass der Mann vielfach einschlägig vorbestraft und unter offener Bewährung gestanden habe, was ihn aber an der Tatausführung nicht hinderte. Sie wies außerdem auf das ordnungsamtliche Verbot und die Gefährderansprachen der Polizei hin. Insgesamt entstehe nach ihrer Ansicht der Eindruck, dass der Waldkraiburger nicht gewillt oder fähig sei, von weiteren Straftaten abzusehen. Verschärfend sei auch, dass er nicht nur sein Glied hervorgeholt, sondern auch Masturbations-Bewegungen durchgeführt und das Kind auch angesprochen habe. Die Staatsanwältin beantrage daher eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.

Der Verteidiger weist in seinem Plädoyer darauf hin, dass das Geständnis seines Mandanten die Verhandlung erheblich erleichterte und dem Kind eine Aussage ersparte. Von einer direkten Entschuldigung bei der Familie und dem Kind sei bewusst abgesehen worden, um diese nicht zu belasten. Der Waldkraiburger habe zudem mehr als ein taktisches Geständnis abgelegt, da er die Tat schon gegenüber der Polizei vollumfänglich eingeräumt habe. Er und auch der Angeklagte selbst betonen, dass dieser sich weiter in Behandlung begeben und bessern will. „Notfalls werde ich bis zu meinem Lebensende weiter an mir arbeiten, damit ich mich bessere.“ Dabei würde ihn auch seine derzeitige Lebensgefährtin unterstützen. Die Verteidigung beantragt daher eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Das Urteil

Nach einer kurzen Pause, in der sich das Gericht zur Beratung zurückzieht, wird dann das Urteil verkündet. Der Angeklagte wird wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern, in Tatmehrheit mit Exhibitionismus und dem Besitz von kinderpornographischen Schriften zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monate verurteilt.

Der Angeklagte habe Reue gezeigt und sei voll geständig gewesen. Dies sei hoch anzurechnen, so der Vorsitzende Richter, auch weil dadurch dem Mädchen weitere Aussagen erspart wurden. Trotzdem habe er es offenbar nicht im Griff, das Verüben solcher Taten zu verhindern. Die Ansprache an das Kind sei in der erfolgten Art nicht strafverschärfend. Denn diese sei erst erfolgt, als das Kind bereits die Flucht ergriff. „Es haben sich schon viele Gutachter mit ihm beschäftigt, die pädophile Neigungen sind eindeutig.“ Er arbeite aber eindeutig an sich und habe einen Änderungswillen, den er aber bis heute nicht völlig umsetzen könne. Allerdings sei seine strafrechtliche Vorgeschichte eindeutig. Weiterhin habe es zwar den Ordnungsbescheid und die Gefährderansprachen der Polizei gegeben, „aber die brachten ihn offenbar nicht dazu sich zusammenzureißen.“

Update, 10.02 Uhr: Zeugenvernehmung läuft

Nun sagt der Polizeibeamte aus, welcher den Fall bearbeitet hat. Er ist der einzige Zeuge in diesem Prozess. Der Angeklagte habe in der Vernehmung erklärt, ihn habe beim Treffen auf das Mädchen ein "Kick" überkommen und er habe dann seinen Penis hervorgeholt und angefangen, sich selbst zu befriedigen. Die Aufeinandertreffen zwischen dem Mädchen und dem Angeklagten seien immer nur zufällig beim Gassi führen der Hunde geschehen. Außer dem von der Staatsanwaltschaft Angeführten sei laut Aussage des Mädchens nichts geschehen. Sie habe auf ihn aufgeweckt und als eine gute Zeugin gewirkt. Er habe allerdings erfahren, dass das Kind noch zumindest für eine Weile nach der Tat verängstigt gewesen sei.

Weiter bestätigt der Polizeibeamte, dass der von der Stadt erlassene Ordnungsbescheid dem Angeklagten sowohl den Aufenthalt auf dem Spielplatz als auch den Kontakt mit Kindern untersagte. Er erklärt außerdem das Vorgehen bei den Gefährder-Ansprachen. Dabei habe es vor der Tat keine Anzeichen für ein Problem gegeben.

Als nächstes sagt, nach einer kurzen Pause, ein Gutachter aus. Dem folgen dann die Plädoyers und das Urteil.

Update 9.40 Uhr: Prozessauftakt in Mühldorf

"Wenn ich könnte, würde ich mich entschuldigen. Denn es war ein absoluter Scheiß, was ich da getan habe. Damit muss ich leben. Es tut mir leid, was ich getan habe", erklärt der Angeklagte zu Beginn des Prozesses. Alle Angaben der Staatsanwaltschaft seien korrekt, er räumt auch den Besitz des kinderpornographischen Bildmaterials ein. „Sie haben auch bei der Polizei bereits eingeräumt, dass Sie da etwas Falsches getan haben“, so der Vorsitzende Richter. "Bereits dort sind Sie gefragt worden, und nun frage ich ebenfalls: Warum? Wie kommt man da drauf?"

Der Richter weist auf die Vorstrafen und einschlägige Bewährung des Angeklagten hin. Nach einer vorherigen Verurteilung hatte er sich bereits in psychiatrischer Behandlung befunden, die damals als erfolgreich abgeschlossen betrachtet wurde. Außerdem gab es auch schon Gefährder-Ansprachen durch die Polizei. "Ich versuche schon in den letzten Jahren herauszufinden, was mit mir los ist", so der Angeklagte. Der Richter will wissen, ob der Angeklagte, da er schon früher auf das Kind getroffen ist, die Tat geplant habe. Das verneint dieser.

Vorbericht

Anfang September 2017 soll der Angeschuldigte im ehemaligen EMG-Park auf Höhe des Spielplatzes auf die 9-Jährige getroffen sein, während beide ihre Hunde Gassi führten. Als sich die beiden Hunde beschnupperten und miteinander spielten, und das Kind sie dabei beobachtete, soll der Angeklagte vor ihr sein Glied entblößt haben, an dem er sogleich zu manipulieren begonnen habe, so die Anklage. Dabei habe er auf sie eingeredet: "Gell, das bleibt unter uns! Gell, nichts sagen!" Das Mädchen habe daraufhin die Flucht ergriffen. Der Verdächtige wurde wenige Tage später verhaftet und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Auch Kinderpornographie bei mehrfach vorbestraftem Mann gefunden

Der Beschuldigte und das Kind sollen sich zuvor schon ein paar Mal beim Gassigehen getroffen haben. Schon damals habe er seinen Penis vor dem Kind entblößt, so die Anklage. Das Mädchen habe angegeben, damals davon ausgegangen zu sein, dass der Mann im Gebüsch uriniert und anschließend vergessen, sein Glied wieder in die Hose zu verstauen habe.Schon zuvor habe der mehrfach einschlägig vorbestrafte Mann durch seinen Hund Kontakt zu Kindern aufzunehmen versucht, so die Staatsanwaltschaft. Deshalb bestehe seit Ende Februar 2015 auch ein Betretungs- und Kontaktverbot für Örtlichkeiten, an denen sich Kinder aufhalten. Trotzdem habe er sich laut Anklage regelmäßig an dem Spielplatz im ehemaligen EMG-Park herumgetrieben.

Bei einer Durchsuchungen der Wohnung seiner Lebensgefährtin und einer von ihm angemieteten Halle in Haag Anfang Oktober 2017 seien dann zwei Computer beschlagnahmt worden. Auf diesen seien insgesamt 1403 kinderpornographische Bilder mit Erstellungsdaten von Ende Januar 2015 bis Anfang September 2017 entdeckt worden. 

Mehrere Fälle dieser Art in jüngster Zeit

Erst am vergangenen Dienstag musste sich ein 33-jähriger Waldkraiburger wegen Kindesmissbrauchs vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten. Der Mann wurde zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt mit einer Bewährungszeit von fünf Jahren. In der Woche zuvor hatte das Landgericht Traunstein einen Mann aus Altötting wegen Anstiftung zum sexuellen Missbrauch von philippinischen Kindern via Internet zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Für sieben Jahre und neun Monate musste außerdem ein Traunreuter ins Gefängnis, der sich im Oktober des vergangenen Jahres vor Gericht verantworten musste. 29 Mal hat der 28-Jährige seine Stieftochter sexuell missbraucht und dabei fotografiert und gefilmt.

Rubriklistenbild: © dpa/hs/Montage

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