Zweigleisig von Mühldorf nach Tüßling

130.000 Euro Nachzahlung: Die Gräfin ist "not amused"

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Mühldorf/Tüßling - Pünktlichere Züge für Reisende, bessere Anbindung für die heimischen Chemiebetriebe: Im Rahmen einer feierlichen Eröffnung ist der Startschuss für die zweigleisige Bahnstrecke Mühldorf-Altötting ist gefallen.

Update am Mittwoch, 24. Mai: Stephanie Gräfin von Bruges-von Pfuel ist not amused

Der Markt Tüßling mit der Ersten Bürgermeisterin Stephanie Gräfin Bruges-von Pfuel an der Spitze ist offenbar nach wie vor „not amused“ über den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Mühldorf-Tüßling. Sie habe an der Veranstaltung teilgenommen, nicht aber ohne auf die Sicht der in ihren Augen Leidtragenden hinzuweisen, die der Tüßlinger, so die Erste Bürgermeisterin am Dienstagnachmittag im Gespräch mit innsalzach24.de. So richtig angehört habe man sie am Montag nicht. Dabei geht’s in Tüßling ums Geld dafür, dass viele andere profitieren nur der Markt selbst nicht, im Gegenteil:

Nachzahlung in Höhe von 130.000 Euro

130.000 Euro muss Tüßling nachzahlen“ für etwas, was man dort nicht wirklich braucht, so Bruges-von Pfuel. Genau könne sie die Rechnung noch nicht aufschlüsseln aber im Kern gehe es um die Unterführung für Fußgänger und Radfahrer. Die Kosten dafür wurden deutlich überschritten. Sind es Planungsfehler? Man weiß es nicht aber auf den 130.000 Euro Nachzahlung wolle man in Tüßling nicht sitzen bleiben, so die Erste Bürgermeisterin. Allgemein habe der Markt das Nachsehen. Stattdessen habe man einen Ortsteil vom Zentrum quasi ausschließen müssen mit der dauerhaften Sperrung des oberirdischen Gleisübergangs

Kein Schallschutz bis Heilgenstadt

Weiter kreidet Stephanie Gräfin Bruges-von Pfuel an, dass niemand an die Anwohner gedacht habe. Von den Chemiebetrieben aus Burghausen und Burgkirchen aus gestartet, fahren die offenbar dringend benötigten Güterzüge über Heiligenstadt nach Tüßling.Für eine adäquate Schallschutzwand oder ähnlich geeignete Einrichtungen sei der Markt Tüßling selbst verantwortlich, habe es geheißen.

Update 16.30 Uhr: Das sagt MdB Stephan Mayer dazu

Dass man drüber reden muss, sieht auch der Wahrkreisabgeordnete Stephan Mayer (MdB/CSU) so. Wie sein Sprecher am Montagnachmittag mitteilte, sei der heutige Startschuss für den Betrieb der zweigleisigen Strecke Mühldorf-Tüßling als solches wörtlich zu nehmen. Ein Startschuss offenbar, der weit mehr bedeuten soll als „nur“ pünktlichere Zugverbindungen für Reisende.

Zu der Anbindung der Chemiebetriebe in der innsalzach24.de-Region und dem damit verbundenen Wunsch, Güter via Tüßling nach Freilassing schicken zu können heißt es, dass Mayer immer ein offenes Ohr habe. Im Moment liege der eingleisige Ausbau von Tüßling nach Freilassing auf den Tisch aber das letzte Wort sei noch nicht gesprochen.

Update 16.00 Uhr: "Es muss weitergehen" (Georg Häckl/ChemDelta Bavaria)

3,8 Millionen Tonnen an Erzeugnissen aus der Chemischen Industrie in der innsalzach24.de-Region würden jährlich auf die Schiene gehen, Tendenz steigend, so Georg Häckl, Sprecher von ChemDelta Bavaria im Telefonat am Montagnachmittag: ganz offenbar „n´ Haufen Zeug“, der bewegt werden will und letztendlich Arbeitsplätze hier bei uns sichert. Die offizielle Eröffnung der zweigleisigen Bahnstrecke Mühldorf-Freilassing ist auch in den Augen der Chemiebetriebe in der Region erst der Anfang. „Es muss weitergehen“, sagt Häckl.

Auch bei ChemDelta Bavaria rechnet man anders als es offenbar bei Bundesverkehrswegeplan getan wird. Bei der Planung der aktuellen Ausbaus Mühldorf-Tüßling sei man davon ausgegangen, dass 30 Güterzüge pro Tag fahren. Tatsächlich aber seien es schon seit längerer Zeit 53 im Schnitt und damit nicht genug: Tüßling-Freilassing müsse dringend ausgebaut werden und das zweigleisig.

Im Moment würden die Pläne nur auf einen eingleisigen Ausbau ausgerichtet sein, also dass das längst in die Jahre gekommene Gleis auf dieser Strecke zukünftig eine Achslast von mindestens 22 Tonnen aushalten. Das sei aber aktuell nicht möglich und die Ausweichmöglichkeiten seien unwirtschaftlich. „Die müssen einen Umweg über München fahren.“ Nach der Diskrepanz der Berechnungen für Tüßling-Freilassing gefragt, sagt Häckl, dass es in absehbarer Zeit ein Gespräch in Berlin geben werde. Dort soll laut Häckl die Vordringlichkeit dieses weiteren Ausbaus besprochen werden.

Die Pressemitteilung dazu im Wortlaut:

Die ABS 38 mit dem zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke München – Mühldorf – Freilassing und der Elektrifizierung der Gesamtstrecke hat für die Initiative ChemDelta Bavaria oberste Priorität. Mit dem zweigleisigen Ausbau der Strecke Altmühldorf – Tüssling´wurde jetzt eine zentrale Maßnahme zur Begleitung des Wachstums im Bayerischen Chemiedreieck abgeschlossen. Die Beseitigung dieses Engpasses ermöglicht es der Industrie, auch kurzfristig weitere Produktionserweiterungen durchzuführen, wenn auch in begrenztem Umfang. Damit gewinnen wir Zeit – daher ist heute wirklich ein Tag, um sich zu freuen! Die volle Wettbewerbsfähigkeit wird aber erst mit Inbetriebnahme der zweigleisig ausgebauten und elektrifizierten Gesamtstrecke München – Mühldorf – Freilassing erreicht werden. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 wurden dafür die richtigen Weichen gestellt.J etzt gilt es, die zugesagten Planungsgelder und –ressourcen termingerecht bereit zustellen.

Update 13.20 Uhr: „Minister Dobrindt verwendet die falschen Zahlen“ (Günther Knoblauch/MdL)

MdL Günther Knoblauch (SPD) erklärt auf Nachfrage von innsalzach24.de am Montagmittag, dass er sich natürlich freue, dass der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Mühldorf-Tüßling nun offiziell abgeschlossen werden konnte aber er sehe mit Sorge auf den nächsten Schritt und damit auf die Zukunft, insbesondere vieler Arbeitsplätze in der Region. Da geht es um die Strecke Tüßling-Freilassing und die Möglichkeit für die Betriebe des ChemDelta Bavaria, ihre Güter zu transportieren.

Aktuell dürften entsprechende Züge nur mit Ausnahmegenehmigung dort fahren weil die Gleise dafür eigentlich nicht ausgelegt seien. Was also tun? Klar: Die Strecke muss fit gemacht werden und so steht es auch im Bundesverkehrswegeplan. Knoblauchs Vorwurf: Der sei nicht weit genug gedacht, denn aktuell sei nur eine Sanierung geplant und damit bleibe die Strecke eingleisig.

Minister Dobrindt verwendet die falschen Zahlen“, postete Knoblauch am Sonntagvormittag auf Facebook, offenbar nach einem Gespräch mit Vertretern von ChemDelta Bavaria. Dabei gehe es um Bedarfsberechnungen, auf welchen im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans Entscheidungen gefällt werden und die würden schon lange nicht mehr stimmen. Er, Günther Knoblauch sehe die bisherige Planung als ein Unding, quasi dem geflügelten Wort nach, dass wer A sagt auch B sagen muss.

Erstmeldung:

Es ist soweit: Ab jetzt geht es zweigleisig von Mühldorf nach Tüßling und umgekehrt. Nach vier Jahren Bauzeit fiel heute der offizielle Startschuss für die Strecke. Mit dabei: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und DB-Vorstand Ronald Pofalla. Von Baukosten in Höhe von 150 Millionen Euro ist die Rede und davon, dass die Züge jetzt pünktlicher fahren. Weiterer Nutznießer: die Industriebetriebe im sogenannten ChemDelta Bavaria.

Weitere Infos folgen

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