Jugendliche griffen Asylunterkunft in Töging an

Urteil gegen "bewaffneten Mob" ist gefallen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
  • schließen

Mühldorf/Töging – Am Dienstag fielen vor dem Schöffengericht Mühldorf die Urteile gegen acht Jugendliche aus dem Landkreis Altötting. Der Hauptvorwurf: Landfriedensbruch. 

UPDATE, 17.40: Das Urteil ist gefallen

Ein Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung für den "Rädelsführer" und zwei Wochen Dauerarrest für den Mittäter aus dem Vorfall im Januar letzten Jahres sowie 60 Sozialstunden für einen der insgesamt acht jugendlichen Angeklagten für seine Mittäterschaft in der Nacht im April 2016 vor der Asylbewerber-Unterkunft in Töging: Das sind die verhängten Strafen im zweiteiligen Prozess, ursprünglich zum einen wegen gefährlicher Körperverletzung und zum anderen wegen Landfriedensbruch. Die weiteren fünf Angeklagten wurden freigesprochen. 

Grundsätzlich stellte das Gericht zu beiden Vorfällen fest, dass vieles nicht nachgewiesen werden kann. Demnach hat es zu wenig verwertbare Fakten und Zeugenaussagen in beiden Fällen - Januar und April - gegeben. Der Hauptzeuge und Geschädigte im ersten Fall konnte beispielsweise nicht mehr vor Gericht befragt werden, weil er bereits nach Italien abgeschoben worden war. Somit war laut vorsitzendem Richter eine Einordnung der Schwere der Körperverletzung (Vorfall Januar) nicht möglich. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Strafzumessung, die sich dann laut Gesetz am unteren Rand bewegt. 

Das Gericht stellte aber auch fest, dass sich die Aussagen der Angeklagten, die welche gemacht haben, im Kern der Sache decken. Es gebe demnach keinen Zweifel an der Schuld der insgesamt drei verurteilten Jugendlichen aus beiden Vorfällen. 

Natürlich sei das kein Ruhmesblatt für die fünf Freigesprochenen, so der vorsitzende Richter in seinen Ausführungen. Denn laut der Ermittlungen und den im Prozess gemachten Aussagen seien alle Angeklagten in der Nacht im April dabei gewesen. Einen Landesfriedensbruch kann man, nach den Ausführungen des Richters, aber keinem nachweisen

Das scheitere unter anderem schon an der geringen Anzahl der Gruppe von acht Personen, von denen – und da muss sich das Gericht an die gemachten Ermittlungen und Aussagen halten – einige offenbar gar nicht gewusst hätten, was der "Rädelsführer" genau vorhatte und/ oder, wo sie da genau gewesen seien in Töging. 

Die Prognosen für die weitere Entwicklung der verurteilten Jugendlichen seien gut, insbesondere in punkto Alkoholkonsum. Für den Hauptangeklagten in beiden Fällen war laut vorsitzendem Richter das besonders gute Führungszeugnis aus der Untersuchungshaft, in der dieser sich befindet, ausschlaggebend, das Strafmaß genau zu überdenken, obwohl er sich im Prozess eher konträr dazu verhalten hatte.

Was am ersten Prozesstag geschah:

  • Gleich zwei Fälle werden verhandelt: Zwei der Angeklagten sollen bereits drei Monate vor der Aktion einen der Bewohner der Aslyunterkunft in Töging angegriffen haben. 
  • Dem Hauptangeklagten wird sowohl vorgeworfen, der "Rädelsführer" der Aktion im April als auch an der Attacke im Januar im Januar beteiligt zu sein. Er sitzt bereits in Untersuchungshaft. 
  • Zwei der Angeklagten wollten sich am ersten Prozesstag im Dezember nicht äußern
  • Der Hauptangeklagte machte nur zögerlich und erst nach deutlichen Hinweisen durch den vorsitzenden Richter über mögliche Strafmilderung Angaben. 
  • Alle gemachten Angaben derer, die sich zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft geäußert hatten, stimmen mit dem Vorwurf grundsätzlich überein, weichen aber im Detail davon ab.

Landfriedensbruch bedeutet eine gewalttätige Ausschreitung gegen die öffentliche Ordnung, den öffentlichen Frieden. Den Ermittlungen zufolge sind die acht Angeklagten auf eine Aslybewerberunterkunft in Töging losgegangen. Die Urteile werden für Dienstag erwartet.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Zurück zur Übersicht: Mühldorf am Inn

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser