ABS 38 Thema bei Regionalkonferenz

IHK: Strecke Tüßling-Freilassing muss zweigleisig werden

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Eine Übersicht über die gesamten Planungen für die Ausbaustrecke.
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Mühldorf am Inn - Die Wirtschaft in der Region ist sehr an einem raschen Fortschritt des Ausbaus der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing (ABS 38) interessiert. Das wurde bei der Sitzung des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf klar. 

Passenderweise fand die Sitzung in Räumlichkeiten der Südostbayernbahn (SOB) am Mühldorfer Bahnhof statt. Diese wurde zunächst durch Christian Kubasch, Geschäftsleiter der Abteilung Infrastruktur und der DB RegioNetz Infrastruktur GmbH, vorgestellt. Die Strecke nach München ist mithin die wichtigste für die SOB, das wurde im Vortrag Kubaschs klar. Dementsprechend ist die Bahn-Tochter sehr daran interessiert, dass der Ausbau rasche Fortschritte macht. Dies nicht nur, weil damit erhebliche Verbesserungen bei der Pünktlichkeit zu erwarten sind. "Wir rechnen angesichts der Feinstaub-Problematik damit, dass irgendwann mal Dieselloks München nicht mehr anfahren dürfen", erläuterte Kubasch. Als Zwischenlösung soll beispielsweise die "Eco DeMe Train", eine umweltfreundliche Zweikraft-Lok dienen.

"Inzwischen nehmen uns die Gemeinden ernst"

Umfangreiche Informationen zur ABS 38 gibt es auch auf einer Sonderseite der Bahn

"Ich komme mir manchmal vor wie ein Herzchirurg, denn wir operieren hier an Verkehrs-Schlagadern des Raums Südostbayern", scherzte Klaus-Peter Zellmer, Projektleiter der DB Netz für die ABS 38 bei der Vorstellung des Projekts. Die Strecke war bisher überwiegend eingleisig und nicht elektrifiziert, gleiches gilt für den Abzweig von Tüßling nach Burghausen. Um ihre Kapazität zu erhöhen, wird die Strecke auf einer Länge von 141 Kilometern mit elektrischen Oberleitungen ausgestattet und auf insgesamt 46 Kilometern zweigleisig zwischen Ampfing und Markt Schwaben ausgebaut. Nach Ende des Ausbaus soll eine Streckengeschwindigkeit von bis zu 160 Kilometern pro Stunde möglich sein, im Gegensatz zu derzeit maximal 120-140 Kilometern pro Stunde. Daneben wird auch eine Reihe weiterer Verbesserungen an der Strecke vorgenommen. Nach letzten Schätzungen wird dies insgesamt etwa 1,6 Milliarden Euro kosten.

Das Güterverkehrszentrum in Burghausen.

Die Vorplanung ist inzwischen für die gesamte Strecke abgeschlossen. Im Planungsabschnitt 1 von Markt Schwaben bis Ampfing hat die Entwurfsplanung begonnen. Ziel ist es dabei derzeit, die Planungen zur Genehmigung bei den zuständigen Behörden einzureichen, um die notwendigen öffentlich-rechtlichen Verfahren zur Realisierung einzuleiten. Für den Planungsabschnitt 3, zwischen Tüßling und Freilassing sind Gutachter des Bundesverkehrsministeriums derzeit in der Bewertungsphase. Seit 2013 steht die DB Netz im Dialog mit den betroffenen Gemeinden, dabei geht es unter anderem besonders um Lösungen für die Verlegung oder den Neubau von Bahnübergängen und Brücken. "Inzwischen stellen wir fest, dass sie uns ernst nehmen", erklärte Zellmer. Er beklagte aber gleichzeitig, dass zwar  teilweise Wünsche nach sehr aufwändigen Bauten bestünde, "es will aber jeder dafür so wenig wie möglich dafür zahlen." Er hoffe, dass beispielsweise im Fall von Weidenbach bald eine Lösung gefunden werde. 

Zellmer betonte außerdem, der Bundesverkehrswegeplan 2030 sei ein wichtiger Schub für das Projekt gewesen. Dieser war in der Region mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden, vor allem was den Ausbau des Abschnitts im Bereich Tüßling betraf. Denn einseits wurde, auch durch die IHK, begrüßt, dass die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Tüßling und Freilassing in die höchste Dringlichkeitsstufe "Vordringlicher Bedarf" eingestuft wurde. Andererseits wurde kritisiert, dass dieser Bereich nicht zweigleisig ausgebaut werden soll. Dies sprach in seinem Vortrag auch Georg Häckl, Sprecher der Initiative ChemDelta Bavaria an. Die regionale Chemieindustrie hatte zuletzt Ende des vergangenen Jahres über Kapazitätsengpässe bei der Rohmaterial-Belieferung auf der Schiene beklagt. Die Bahn hatte sich in der Folge bemüht, dies durch verschiedene Maßnahmen, wie die Wiederaufnahme des Betriebs am Ablaufberg in Mühldorf zu beheben.

Georg Häckl, Sprecher der Initiative ChemDelta Bavaria (rechts) bei der Sitzung des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf.

Das Ende 2014 fertiggestellte Terminal in Burghausen leiste bereits einen wichtigen Beitrag zur Verlagerung des Warenverkehrs von der Straße auf die Schiene, so Häckl. Es gäbe aber noch eine Menge Potential und der Bedarf werde immer mehr steigen. Er kritisierte, die Entscheidung des Bundes den Streckenabschnitt nur eingleisig zu belassen, habe auf der falschen Anwendung eines Einheitsmodells zur Berechnung des Zugaufkommens beruht. Darin stimmten mit ihm auch die anwesenden Vertreter der Bahn überein. Insgesamt sei es zwar begrüßenswert, dass die ABS 38 gute Fortschritte mache, die geplante Fertigstellung im Zeitraum zwischen 2026 und 2030 seit trotzdem "sehr unzufriedenstellend". Außerdem mahnte er an, dass die Gesamtstrecke bei Bedarf auch als Ersatzroute für die geplante Brenner-Verbindung nach Österreich herhalten werden müssen.

Der Regionalausschuss sprach sich anschließend dafür aus, sich weiterhin für eine bessere Bahnanbindung der Region Altötting-Mühldorf einzusetzen. Dies hatte er auch zuletzt bei der Konferenz zum Schienenverkehr in Burghausen im November des vergangenen Jahres bekräftigt. Das soll auch durch Appelle an die Zuständigen geschehen. 

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