Mühldorfer Schöffengericht

Wenn der Vater mit dem Sohne Drogen dealt 

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Töging/Mühldorf – Vater und Sohn standen wegen Handelns mit großen Mengen Marihuana vor Gericht. Dieser Fall führte allerdings zu einem ganz anderen Fall: den tödlichen Polizeischüssen in Burghausen!

Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, sowie von einem Jahr und acht Monaten sind ein Vater und sein Sohn vom Mühldorfer Schöffengericht verurteilt worden. Von seinem Vater hatte der Sohn insgesamt 3,5 Kilogramm Marihuana zum Eigenkonsum und Weiterverkauf erhalten.

Insgesamt fünf Taten zwischen Juni 2013 und März 2014 legte die Staatsanwaltschaft den beiden Angeklagten zur Last. Einmal ein Kilogramm, zweimal 500 Gramm und zweimal 750 Gramm Marihuana habe der Vater von einem Dritten, bereits Verurteilten, bezogen und auf Kommission seinem Sohn zum Eigenkonsum und Verkauf weitergegeben. Dieser habe die Drogen hauptsächlich in Garching (Landkreis Altötting) verkauft.

Durch einen Konsumenten, der der Polizei ins Netz gegangen war, wurden die Ermittlungen zunächst gegen den Sohn in Gang gesetzt. Das sagte eine Polizeibeamtin, die als Zeugin geladen war, aus. Erst durch eine telefonische Überwachung sei bekannt geworden, dass der Angeklagte die Drogen über den Vater erhielt. Bei einer gezielten Kontrolle nach der letzten Lieferung schnappten dann die Handschellen.

Während der Verhandlung gaben beide Angeklagte von Beginn an die Taten zu. Unstimmigkeiten gab es lediglich darin, von wem die Drogengeschäfte initiiert wurden. Der Sohn sagte aus, von seinem Vater gefragt worden zu sein. Er selbst habe nie große Mengen Drogen beschafft und auch den Lieferanten nicht gekannt. Auf das Geschäft eingelassen habe er sich schließlich, um selbst rauchen zu können. Der Vater, der vom Drogenkonsum des Sohnes wusste, sagte aus, er habe seinem Sohn lediglich helfen wollen, damit nicht noch mehr passiere. Bei einer höheren Abnahmemenge werde der Preis niedriger, habe derjenige, von dem er die Drogen bekam, gesagt. Mit dem Sohn direkt habe dieser keine Geschäfte machen wollen, nur wenn der Vater dafür gerade stehe, wenn etwas passiere.

Erst später, räumte der Vater ein, seien für ihn finanzielle Interessen hinzugekommen, nachdem dem Sohn Drogen gestohlen wurden und er demnach aus seiner eigenen Tasche Geld an den Lieferanten zahlen musste. Dennoch habe er schon vor der Verhaftung mit den Geschäften aufhören wollen, aufgrund seines Sohnes dies jedoch dann doch nicht gemacht.Als die Polizei dann vor seiner Tür stand, sei er erleichtert gewesen. Ein Gutachten bestätigte, dass der Vater selbst keine Drogen konsumiert.

Da der Sohn nach seiner Verhaftung keinerlei Angaben zum Vorwurf machte, wurde sein Haftbefehl aufrecht erhalten und er verbrachte vier Monate in Untersuchungshaft. Seither habe er nach eigener Aussage keine Drogen mehr angerührt. Die Polizeibeamtin bestätigte, dass er seit seiner Entlassung nicht mehr in Erscheinung getreten sei. Eine Therapie hatte er jedoch noch nicht angetreten.

Die Staatsanwaltschaft hatte jeweils zwei Jahre Haft, beim Vater ausgesetzt zur Bewährung, gefordert. Positiv zu Buche schlug für beide vor allem die Tatsache, dass durch ihre Aussagen sowohl gegen einige Konsumenten Ermittlungsverfahren eingeleitet als auch der Lieferant und durch diesen die Hintermänner ermittelt werden konnten. Zudem solle der Sohn in einer Entziehungsklinik untergebracht werden. Letzterem schloss sich das Gericht an. Der Verteidiger des Sohnes hatte eine zweijährige Haftstrafe zur Bewährung gefordert und die Chance, selbst eine stationäre Therapie aufzusuchen. Der Verteidiger des Vaters plädierte für eine Bewährungsstrafe, die ein Jahr und drei Monate nicht überschreiten solle.

Nebenschauplatz: Tödliche Schüsse in Burghausen

Am Rande der Verhandlung kam die Sprache auch auf den tödlichen Polizeieinsatz im Juli 2014 in Burghausen. Die Ermittlungen, die seit März 2014 gegen die beiden Töginger unternommen wurden, führten nämlich direkt zu einem Dealer, der Vater und Sohn mit den Drogen beliefert haben soll. Als einen der Hintermänner nannte der Mann unter anderem Andre B.. Der 33-jährige Burghauser Andre B. wurde aufgrund dieser per Haftbefehl - ausgestellt am 1. März - von der Polizei gesucht. Ihm wurde der mehrfache Handel mit größeren Mengen Marihuana vorgeworfen, es soll Verdunklungsgefahr bestanden haben.

Zivilfahnder trafen Andre B. schließlich am 25. Juli vor einer Burghauser Wohnung an. Seine Festnahme missglückte: Eine Kugel aus der Waffe eines Zivilfahnders traf den 33-Jährigen im Nacken und tötete ihn.

nk /Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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