Debatte im Stadtrat

Baugebiete: Wie hoch hinaus will Mühldorf?

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Wie hoch hinaus will Mühldorf? Die Stadträte jedenfalls sind skeptisch, ob fünf oder mehr Stockwerke immer sinnvoll sind. Wolkenkratzer wie etwa in New York wird es freilich keine geben
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Mühldorf - An einem Baugebiet in Mühldorf Nord entzündete sich im Stadtrat eine Debatte: Wie hoch sollte in Mühldorf gebaut werden? Eine Entscheidung traf das Gremium noch nicht.

Nein, ein Klein-New-York entsteht sicher nicht in der Kreisstadt. Dennoch wollen die Bauwerber in Mühldorf mitunter (vergleichsweise) hoch hinaus. Gegenüber dem Bahnhof etwa steht ein sechsstöckiger Neubau und für ein Baugebiet östlich der Mittelschule in Mühldorf Nord, unmittelbar an der Europa- und der Salzburgstraße gelegen, sollen - teilweise - fünfstöckige Häuser gebaut werden. Das war zumindest der Plan, und auch der Bauausschuss hatte einen entsprechenden Beschlussvorschlag bereits auf den Weg gebracht.

Ist ein fünftes Stockwerk eines zu viel?

Im Mühldorfer Stadtrat zeigte sich am Donnerstagabend aber schnell, dass sich die Räte offenbar schwer tun mit der fünften Etage. Ein fünfstöckiges Gebäude passe nicht rein, vierstöckig reiche, sagte etwa Oskar Stoiber. Der CSU-Stadtrat kritisierte vor allem, dass sich die drei geplanten fünfstöckigen Gebäude neben einen Kindergarten befinden würden. "Das erschlägt den Kindergarten", so Stoiber. Neben 14 mehrstöckigen Gebäuden - drei davon mit fünf Stockwerken - ist ein erdgeschossiges Gebäude direkt gegenüber der Mittelschule geplant. Stoiber schlug einen Kompromiss vor, alle Gebäude maximal vierstöckig zu bauen und als Ausgleich das erdgeschossige Gebäude ein oder zwei Stockwerke höher zu bauen.

Stadtbaumeister Richard Faßer zeigte sich wenig begeistert. "Ich kann Ihnen nur sagen: Städtebaulich wäre es falsch." Man habe darum gekämpft, dass das Haus vorne erdgeschossig sei, so Faßer. Zugleich räumte der Stadtbaumeister dem Kompromissvorschlag Erfolgschancen ein. Er gehe davon aus, dass man sich mit dem Bauwerber werde einigen können, sagte Faßer.

Generelle Beschränkung auf vier Stockwerke?

Im Laufe einer langen Debatte kristallisierte sich eine weitere Alternative heraus: Die Gebäude am Kindergarten werden vierstöckig, dafür entstehen in der Mitte drei fünfstöckige Gebäude - eine Idee, die allerdings nicht bei jedem auf Zustimmung stieß. Karin Zieglgänsberger (Freie Mühldorfer) sprach sich generell gegen eine fünfte Etage in diesem Baugebiet aus und ihr Fraktionskollege Franz Essl ging sogar noch einen Schritt weiter. Man solle sich unterhalten, ob mittels Stadtratsbeschluss die Höhe von Neubauten generell auf vier Stockwerke beschränkt werden sollte, so Essl. Höhere Gebäude müssten dann als Ausnahme vom Stadtrat genehmigt werden.

Auch Marianne Pfaffeneder (CSU) äußerte sich kritisch zur Frage, wie hoch hinaus es in Mühldorf gehen soll. Über das Gebäude am Bahnhof sagte Pfaffeneder: "Es ist schon ein Bauklotz geworden." Man sage ihr oft: "Was habt ihr da beschlossen?"

15 Jahre alter Bebauungsplan

Beim konkreten Bauvorhaben in Mühldorf Nord könnte die Stadt allerdings ein kleines rechtliches Problem haben. Es gibt bereits einen alten Bebauungsplan aus dem Jahr 2000, der noch auf einen anderen Investor zurückgeht. Der jetzige Bauwerber, die Mühldorfer Firma Hutterer, verfolgt grundsätzlich eine weniger dichte Bebauung - möchte allerdings eben auch teilweise fünfstöckig bauen. Stadtbaumeister Faßer warnte davor, dass der Bauwerber auf den alten Bebauungsplan aus dem Jahr 2000 pochen könnte. Würde die Stadt den Bauwerber dann beschneiden, wäre man entschädigungspflichtig, erklärte Faßer.

Entscheidung vertagt

Eine Entscheidung haben die Stadträte am Ende nicht - oder zumindest nicht wirklich - getroffen. Die Empfehlung aus dem Bauausschuss - nach der am nördlichen Ende des Baugebiets drei fünfstöckige Häuser genehmigt würden - lehnte das Gremium mit großer Mehrheit ab. Lediglich Stadtrat Franz Strohmaier (CSU) stimmte zu. Außerdem erklärte Bürgermeisterin Marianne Zollner, sie hätte auch damit leben können.

Die beiden Kompromissvorschläge (dreimal fünf Etagen in der Mitte oder Aufstockung des erdgeschossigen Gebäudes) kamen nicht zur Abstimmung. Auch zu einem Stimmungsbild des Stadtrats gab es keine Abstimmung. Die Stadt wird jetzt erst einmal das Gespräch mit dem Bauwerber suchen, um auszuloten, welcher Kompromiss denkbar ist.

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