Bilanz der Sparkasse Altötting-Mühldorf

Sparkasse erwartet "rückläufige Ergebnisse"

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Der Sparkassenvorstand um seinen Vorsitzenden Dr. Stefan Bill rechten mit "rückläufigen Ergebnissen" in laufenden Jahr
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Mühldorf - Glänzende Gegenwart, triste Zukunft? So weit ist es zwar noch nicht, der Sparkassenvorstand rechnet im laufenden Jahr dennoch mit schlechteren Zahlen.

Die Niedrigzinspolitik in den USA und der Eurozone ist ein Faktum, das die Finanzwelt nun schon seit Jahren beschäftig und wohl auch künftig prägen wird. Dass dies für die Sparkassen mit ihrer relativ konservativen Geschäftspolitik von Nachteil ist, ist kein Geheimnis. Bereits auf der letztjährigen Bilanzpressekonferenz hatte Dr. Stefan Bill, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Altötting-Mühldorf, die Niedrigzinspolitik kritisiert. Heuer schlug Bill in dieselbe Kerbe, auch weil sich die Rahmenbedingungen eher noch verschärft haben.

Kundeneinlagen steigen deutlich

Bill sprach von einer "rasanten Entwicklung" bei den Zinsen. Im Juni 2014 senkte die EZB den Leitzins auf 0,15 Prozent, im September gar auf 0,05 Prozent. Wie der Sparkassenvorstand erklärte, bekommen Banken, die sich über das Interbankensystem Geld leihen, sogar noch Geld obendrauf - anstatt Zinsen für das geliehene Geld zahlen zu müssen. "Das ist natürlich eine Konstellation, die kann auf Dauer nicht gut sein", sagte Bill, der Nachteile für die wirtschaftliche Entwicklung und eine Tendenz zur Bildung von Spekulationsblasen befürchtet.

Nichtsdestotrotz war 2014 ein gutes Jahr für die Sparkasse. Bill sagte, vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen sei man "sehr zufrieden". Die Bilanzsumme der Sparkasse ist auf rund 2,43 Milliarden Euro gewachsen, die Kundeneinlagen machten sogar einen großen Sprung um 5,2 Prozent auf rund 1,96 Milliarden Euro. "Wir konnten im letzten Jahr wieder wachsen, und zwar mehr wachsen, als wir das erwartet hatten", sagte Bill. Der Bilanzgewinn lag 2015 bei 2,5 Millionen Euro. Damit kann die Sparkasse auch künftig eine starke Kernkapitalquote von 15 Prozent vorweisen. Das ist fast doppelt so viel wie gesetzlich vorgeschrieben.

"Man muss auch mal eine Delle in Kauf nehmen"

2015 könnte allerdings ein weniger gutes Jahr werden. Sollte sich am Niedrigzinsniveau nichts ändern, rechnet Bill mit "rückläufigen Ergebnissen". Bislang profitierte die Sparkasse von alten Investments. Man habe noch "Coupons aus der Vergangenheit im Portfolio", so Bill. Je länger die Niedrigzinsphase anhält, umso mehr schlägt sie freilich auf das Geschäft der Sparkasse durch. Im Interbankenbereich gebe es aktuell bereits negative Zinssätze für kurzfristige Anlagen, erklärte Bill. Kurzum: Parkt die Sparkasse ihr Geld kurzfristig, muss sie sogar Geld dafür zahlen. 2015 werde man erstmals die niedrigen Zinsen bei den Erträgen spüren. "Dann muss man auch mal eine Delle in Kauf nehmen", sagte Bill.

Die Sparkasse Altötting-Mühldorf investiert nur einen kleinen Teil des Geldes in Wertpapiere und im Interbankensektor, allerdings auch dort "sehr konservativ", wie Bill betonte. Das Hauptgeschäft stellen die Kundenkredite dar. "Das ist und bleibt unser Kerngeschäftsfeld." Immerhin sieht Bill dort einen positiven Effekt der Niedrigzinspolitik: "Noch nie war die Baufinanzierung so günstig, wie es heute der Fall ist." Negative Zinsen auf ihre Spareinlagen müssen die Kunden der Sparkasse Altötting-Mühldorf übrigens nicht befürchten: "Negative Zinssätze sind für uns derzeit kein Thema."

"Größe alleine kein Qualitätskriterium"

Ob sich die Struktur der Sparkasse Altötting-Mühldorf in Zukunft ändern wird, ist offen. Bill lies durchblicken, dass man die Filial- und Vertriebsstruktur stets überprüfe. Zugleich stellte der Vorstandsvorsitzende aber klar: "Es steht bei den Filialen nichts Konkretes an." Man werde zudem nichts tun, wo man Marktanteile hergibt. Auch bezüglich möglicher Expansionen stehe nichts Konkretes an, es gebe keine Gespräche. "Ich weiß nicht, ob Größe alleine ein Qualitätskriterium ist", so Bill.

Wie der Vorstandsvorsitzende auf Nachfrage erklärte, erwarte er keine Auswirkungen durch die Fusion der VR meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf und der VR-Bank Burghausen-Mühldorf. "Wir erwarten keine Veränderung. Wir haben vor sechs Jahren fusioniert, jetzt ziehen die Kollegen nach."

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