Neues ÖPNV-System in Mühldorf geplant

1,5 Millionen Euro jährlich für den modernen Stadtbus? 

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Das ÖPNV-System in Mühldorf soll verbessert und erweitert werden. 
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Mühldorf - Das städtische Bussystem soll vollkommen überarbeitet werden. Das beschloss der Stadtrat am Mittwoch in einer Sondersitzung. Ohne Diskussion im Rat aber ging das Thema nicht über die Bühne. 

Immer wieder sei die Rede von der Ausweitung des Stadtbusses und dessen Weiterentwicklung. Es sei dringend an der Zeit, etwas zum Besseren zu ändern. Mit diesen Worten eröffnete Bürgermeisterin Marianne Zollner (SPD) die Sondersitzung am 10. April im Mühldorfer Rathaus

Verwaltung arbeitet Konzept für Halbstunden-Takt aus: 

Der öffentliche Nahverkehr ist eine überregionale und keine kommunale Aufgabe, am Ende entscheidet die Regierung, was genau zu welchem Zeitpunkt umgesetzt wird. Die Stadt Mühldorf kann lediglich Vorschläge einbringen. 

Seit 1997 fällt der ÖPNV in den Aufgabenbereich der Kreisstadt. Derzeit fehlt es am Nahverkehrsplan für das Stadtgebiet. Nachdem die Konzessionsverträge Ende 2019 ausgelaufen sind, wird es nun Zeit für ein modernes System, das die kommenden zehn Jahre den ÖPNV attraktiver machen soll. Walter Springer erklärte im Namen der Verwaltung, welches Konzept man sich überlegt habe.

Man wolle das Angebot des ÖPNV langfristig verbessern und eine attraktive Alternative zum Auto innerhalb der Stadt anbieten. Das Image der Stadt soll aufgewertet werden und der wesentliche Punkt sei, das zusätzlich entstehende Verkehrsaufkommen in Mühldorf zu stemmen

Das neue erweiterte Stadtbussystem sieht nun einen Halbstunden-Takt vor. Insgesamt sollen vier Achsen alle Stadtteile miteinander verbinden, wobei sich alle Linien am Bahnhof treffen. "Da könnte es am Hauptumschlagplatz Bahnhof ganz schön eng werden", unkte Ulrich Niederschweiberer (CSU)

Dennoch: Die Mehrheit im Rat war mit dem Halbstundentakt einverstanden, Meinungsverschiedenheiten aber gab es bezüglich der Fahrzeiten. Von der Verwaltung angesetzt war ein Halbstunden-Takt von 6 bis 20 Uhr von Montag bis Freitag und samstags von 8 bis 14 Uhr. Einige Gemeinderatsmitglieder sprachen sich dafür aus, dass der ÖPNV doch auch an Sonn- und Feiertagen fahren solle und schlugen einen Zwei-Stunden-Takt für Sonntag vor. Dieser Vorschlag aber wurde abgelehnt

Diskussionsbedarf gab es auch beim Tarifsystem. Man wolle keine "Kleingeldkramerei" der Fahrgäste am Buseingang und den Fahrer nicht mit "unnötigem Kleingeldzählen" aufhalten. Aus diesem Grund entschieden sich die Räte, ganze Preise einzuführen:

  • 1 Euro für eine Tageskarte (ab 17 Jahren) 
  • 10 Euro für eine Wochenkarte
  • 15 Euro für eine Monatskarte
  • 150 Euro für eine Jahreskarte

Kinder bis 16 Jahre fahren frei, ebenso wie Schwerbehinderte. Einen Nulltarif, so Schreiber weiter, könne sich die Stadt nicht leisten. 

Als Busmodell entschied man sich für ein großes Modell mit etwa je 30 Sitz- und Stehplätzen. Der Einstieg soll nur vorne erfolgen, damit die Bürger kontrolliert werden können. Wie genau das Modell gestaltet werden soll, wird im Nachgang entschieden. 

Bei der Haltestellen-Ausstattung kam der Vorschlag einer "Reisenden-Informationstafel" auf, die den Fahrgästen anzeigt, wie lange der Bus noch braucht, bis er an der Haltestelle ankommt. Details dazu wie auch die genaue Verteilung und Aufrüstung der Haltestellen im Stadtgebiet werden ebenfalls erst zu einem späteren Zeitpunkt besprochen. 

Wo kommt die Kostensteigerung her? 

Einen Brennpunkt in der Debatte stellen die Kosten dar. 1,5 Millionen Euro pro Jahr sollen laufend gedeckt werden. Das entspricht einer deutlichen Preissteigerung - war doch ursprünglich einmal von 86.000 Euro die Rede. 

Dieser Aspekt brachte vor allem Karin Zieglgänsberger (FM) auf die Palme: "Die finanzielle Frage ist für mich sehr wichtig. Wir sollten uns genau überlegen, ob wir uns das leisten können und auch wollen? Schließlich ist der Vertrag gebunden auf zehn Jahre. Wir brauchen im Endeffekt eine reelle Zahl für die Kosten. Ich frage mich, wo die Steigerung von 20 Prozent herkommt?" 

Damit traf sie den Tenor des Rats und Springer musste eingestehen: "Die Kosten sind ein Quantensprung zu dem was wir jetzt zahlen." Er versprach, diesbezüglich nochmal nachzuhaken. 

Mit einer Gegenstimme beschlossen 

Dr. Werner Wanka (UWG) hatte noch ein paar Details anzuregen, darunter parallel zu den Busplanungen auch die Fuß- und Radwege im Blick zu haben. Ansonsten zeigte er sich sehr zufrieden mit dem neuen System: "Ich würde am liebsten gleich morgen einsteigen." 

Dr. Georg Gafus (B.90/Grüne) erklärte zum Schluss der Debatte: "Der Stadtbus steht und fällt mit der Akzeptanz der Bürger - erst wenn die mit dem Konzept mitgehen, können wir einen Erfolg beim neuen System verbuchen." 

Auch Bürgermeisterin Marianne Zollner ist am Ende der Sitzung zufrieden: "Wir haben etwas Großes geschaffen heute.

Mit einer Gegenstimme von Markus Saller (UWG) wurde das Konzept auf den Weg gebracht. Am 2. Mai wird das Thema erneut in der Stadtratssitzung behandelt. 

mb

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