Eigenes Geld für eine bessere Zukunft

Jobbegleitung bringt Geflüchtete und Unternehmen zusammen

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Maslah Ilmi an seinem Arbeitsplatz. Er stellt die Ware zusammen und macht sie anschließend versandfertig.

Mühldorf - Wohnen, Arbeiten, Leben; Dieser Dreiklang eines selbstbestimmten Lebens ist für die Mehrheit der Deutschen eine Selbstverständlichkeit. Flüchtlinge stehen hier ganz am Anfang. Sie müssen sich erst eine Existenz aufbauen.

Nach dem Erlernen der Sprache folgt als nächster entscheidender Schritt die Integration in den Arbeitsmarkt. Da die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit ein so entscheidender Faktor für gesellschaftliche Teilhabe ist, gibt es seit Februar vergangenen Jahres bei der Stabstelle Lernen vor Ort am Landratsamt Mühldorf eine Jobbegleiterin: Dr. Carolin Jürgens bringt arbeitssuchende Geflüchtete über 25 Jahre und Unternehmen zusammen. Und das mit Erfolg, wie das Beispiel von Maslah Ilmi zeigt.

„Maslah Ilmi hat sich bei uns schnell integriert und eingearbeitet, er versteht sich mit jedem im Betrieb und mit seinen Leistungen sind wir sehr zufrieden.“ Die bisherige Bilanz von DP-Tech Geschäftsführer Thomas Lehermaier fällt durchwegs positiv aus. Für ein ständig wachsendes Unternehmen sei es schwierig, gutes Personal zu finden. Die DP-Tech GmbH mit Sitz in Töging etablierte sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem führenden Player im europaweiten Onlinehandel. Mit der Beschäftigung von Asylbewerbern hatte das Unternehmen bislang noch keine Erfahrung. Bis sich im Herbst 2017 Maslah Ilmi vorstellte und eine Festanstellung bekam. Seitdem ist der 28-jährige Lagerhelfer dafür zuständig, Ware zu kommissionieren, zu verpacken und versandfertig zu machen.

(von links) Tanja Kasmannshuber, zuständig für Personal und Buchhaltung, Geschäftsführer Thomas Lehermaier, Masla Ilmi und Jobbegleiterin Dr. Carolin Jürgens.

Der junge Somalier ist einer von knapp 1.500 Flüchtlingen, die derzeit im Landkreis Mühldorf leben. Seine Arbeit wiederum hat ihm sprichwörtlich Türen geöffnet. Denn seit kurzem hat er eine eigene Wohnung in Ampfing. Zur Arbeit fährt er mit Fahrrad und Zug. In seinem Herkunftsland Somalia war Maslah Ilmi als Elektriker und Verkäufer in einer Apotheke beschäftigt. In Kenia besuchte der aufgeschlossene junge Mann eine IT-Schule und arbeitete bei einer Firma für Computertechnik, ehe er im Januar 2016 nach Deutschland gekommen ist. Maslah Ilmu gibt zu, dass es für ihn schwierig war, hier Arbeit zu finden. „Wenn ich Bewerbungen verschickt habe, bekam ich von manchen Firmen schnell Antwort, andere antworteten gar nicht“, schildert er seine Erfahrungen bei der Jobsuche.

Integration durch Ausbildung und Arbeit

Seine Computerkenntnisse, sein Deutschzertifikat und sein Staplerschein haben ihm geholfen – und die Jobbegleiterin am Landratsamt Mühldorf a. Inn. Dr. Carolin Jürgens` Aufgabe besteht darin, arbeitssuchende Geflüchtete über 25 Jahre und Unternehmen zusammenbringen. Dabei arbeitet sie eng mit dem lokalen Netzwerk aus Jobcenter und Agentur für Arbeit, Kammern und sozialen Trägern zusammen. Das gemeinsame Ziel der Kooperationspartner besteht darin, dass Geflüchtete auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet, möglichst passgenau vermittelt und Unternehmen bei der Einstellung von Geflüchteten beraten und begleitet werden. Das Projekt wird im Rahmen der Initiative „Integration durch Ausbildung und Arbeit“ des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert, so dass die Unterstützung der Jobbegleitung für Geflüchtete, Unternehmen im Landkreis und Kooperationspartner kostenlos ist.

„Man muss sich einfach trauen“

In der Beschäftigung von Geflüchteten sieht DP-Tech Geschäftsführer Thomas Lehermaier durchaus eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Auch wenn nicht jeder Flüchtling eine Fachkraft ist, lohnt es sich, sie als potenzielle Arbeitskräfte zu sehen.“ Maslah Ilmi beschreibt er als zuverlässigen, fleißigen und sehr freundlichen Mitarbeiter. Seine Chancen stehen sehr gut, dass er in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen wird. Das ist auch Maslah Ilmis Wunsch für die Zukunft. Es bedeutet für ihn sehr viel, dass er jetzt eine Arbeit hat. „Ich verdiene mein eigenes Geld.

Die Arbeit ist gut für mein Leben, weil ich meinen Kindern eine gute Zukunft bieten möchte“. Carolin Jürgens freut sich für „ihren Schützling“ und möchte gleichzeitig andere Unternehmen motivieren, Flüchtlingen eine Chance zu geben. „Wir sind mittlerweile, was die Qualifikation betrifft, schon einen Schritt weiter. Zahlreiche Asylbewerber haben ihre Sprachkurse und andere berufliche Qualifizierungsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen.“ Und auch Thomas Lehermaier rät anderen Unternehmen, es auszuprobieren: „Man muss sich einfach trauen.“

Für Fragen rund um das Thema Jobbegleitung steht Dr. Carolin Jürgens unter Tel: 08631/699-952 oder per E-Mail unter jobbegleitung@lra-mue.de zur Verfügung.

Pressemitteilung der Landratsamtes Mühldorf a. Inn

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