Hochschulfinanzierung einstimmig im Kreistag beschlossen

Huber: "Das ist kein 'Zuckerl', damit Waldkraiburg Ruhe gibt!"

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Staatsminister Dr. Marcel Huber bei einer CSU-Wahlkampfkundgebung im September. Ähnlich wie dort plädierte er auch im Mühldorfer Kreistag für das Hochschulangebot im Landkreis.
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Mühldorf am Inn/Waldkraiburg - Mit, ein wenig überraschenderweise, einer Stimme sprach sich der Kreistag für einen Antrag zur Hochschulfinanzierung aus. 

Der Kreistag beschloss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig, der ebenfalls einstimmigen Beschlussempfehlung des Kreisausschusses folgend, das sich der Landkreis grundsätzlich an der Finanzierung des Hochschulangebots beteiligen soll. Soweit bei den freiwilligen Leistungen darstellbar, soll dieser Aufwand in den Haushalt 2019 eingeplant werden. Außerdem soll unter anderem ein "Zweckverband Hochschule" gegründet werden.

Die Einstimmigkeit auch im Kreisrat war nicht selbstverständlich, nachdem es im Waldkraiburger Stadtrat noch Widerstand gegen eine gemeinsame Absichtserklärung für den Hochschulstandort im gemeinsamen Oberzentrum mit Mühldorf am Inn seitens der UWG-Fraktion gab. Die Partei hatte kritisiert, diese Erklärung verpflichte die Stadt ohne die Kenntnis genauerer Fakten und Zahlen vorzeitig, zumindest moralisch, auf das Projekt des Forschungsstandorts in Waldkraiburg. 

"Nur ein Zuckerl für Waldkraiburg?"

"Ist das nicht nur ein Zuckerl für Waldkraiburg, das bei der Vergabe des Hochschulstandorts leer ausgegangen ist?", wollte UWG-Fraktionsvorsitzender Peter Huber wissen. "Was springt da für den Landkreis insgesamt heraus? Und was kommt auf die Städte und den Landkreis an Belastungen zu?"

"Das Forschungszentrum könnte für Waldkraiburg wesentlich mehr bringen, als der Hochschulstandort für Mühldorf", erwiderte Landrat Georg Huber (CSU). Er überließ es jedoch Staatsminister Dr. Marcel Huber (CSU) ein ausführliches Plädoyer zu halten.

Huber: Mehr als ein Zuckerl für Waldkraiburg

"Ich dachte, wir wären da im Denken schon weiter", setzte der Bayerische Umweltminister an, "Eine Region wie unserem, die zwischen dem Chemiedreieck und München eingezwackt ist, muss bei ihrer Entwicklung auch stark auf die Bildung setzen!" Es sei eine einmalige Chance, dass der Freistaat sich, gegen den Widerstand der Hochschulen, für eine Verlagerung der Hochschulbildung in die Fläche einsetze. Ähnlich hatte er sich bereits bei einer Wahlkampfkundgebung der CSU im September geäußert, bei der Huber dann auch Ministerpräsident Dr. Markus Söder sehr gelobt hatte.

"Das ist kein Notnagel, keine halbe Sache, sondern etwas, das richtig funktioniert." Es sei die Chance auf ein Hochschulangebot vor Ort, welches man sonst so nie bekommen könnte. "Das ist kein 'Zuckerl', damit Waldkraiburg Ruhe gibt, sondern wir könnten ein verflixt gutes Hochschulangebot bekommen!", beteuerte er, "Lehre in Mühldorf und Forschung in Waldkraiburg - Das sollten wir nicht wegen kleinen Zwistigkeiten aufgeben, sondern müssen da zusammenhalten."

Huber: Forschungszentrum bringt Zukunftstechnologien und Wissenschaftler 

"Ich hätte es nicht schöner sagen können", freute sich Mühldorfs Erste Bürgermeisterin Marianne Zollner (SPD), "Alleine aus unserem Landkreis kommen zahlreiche Studierende zu uns nach Mühldorf, da zeigt sich doch, dass sie dadurch direkt in ihrer Heimat hervorragende Chancen bekommen!" Peter Huber gab sich zufrieden mit Hubers Ausführungen.  

Der Waldkraiburger Kreisrat Alexander Will (SPD) wollte dann noch wissen, wie viele Arbeitsplätze durch den Forschungsstandort geschaffen werden würden. "Ich bin ja grundsätzlich dafür, aber ich finde es wichtig zu wissen, wie viel Geld in wie viele Arbeitsplätze wir da investieren!" Umweltminister Huber konterte, zwar würde das Zentrum an sich nur verhältnismäßig wenig Arbeitsplätze bieten, jedoch würden durch es beispielsweise Wissenschaftler, die für ihre Diplom- und Doktorarbeiten forschten angezogen. Zudem würde Waldkraiburg zum Standort wichtiger Forschung an Zukunftstechnologien. 

"Ich habe schon vor langer Zeit gesagt: Ich hab' nix dagegen, wenn der Landkreis da tätig wird, im Gegenteil", erklärte Kraiburgs Bürgermeister Dr. Herbert Heiml (CSU), "Da muss zwar Kraiburg über die Kreisumlage mitzahlen, aber ich sehe da allerhand Chancen beispielsweise, das unsere Kinder nicht bis in eine der großen Städte zum Studieren fahren müssen und Möglichkeiten für die heimische Wohnungswirtschaft."

Seit April Thema

Im April hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Rahmen seiner Regierungserklärung bekanntgegeben, dass die Rosenheimer Fachhochschule zur Technischen Hochschule wird. Zusätzlich soll mit einem Technologie-Transferzentrum mit dem Schwerpunkt auf biobasierten Materialwissenschaften in Waldkraiburg die künftige TH Rosenheim ein weiteres Standbein erhalten. Mitte Juli wurde zudem im Rahmen eines größeren Investitionspakets für Hochschulen in Bayern auch die Anschub-Finanzierung für den Forschungsstandort in Waldkraiburg beschlossen.

Als Standort für das Forschungszentrum brachte in Waldkraiburg nun die CSU in einem Antrag an den Stadtrat den Alten Bahnhof der Stadt ins Gespräch. Kürzlich erst waren Pläne für dessen Verwendung durch ein Gutachten,welches baurechtliche Einschränkungen mit sich bringt, zu Nichte gemacht worden. Das Forschungszentrum ließe sich dort jedoch verwirklichen, so die CSU.

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