INTERVIEW TEIL 2: KRIMINOLOGE PFEIFFER ÜBER AUFWACHSEN IN DER REGION

Der erste und einzige Vollrausch mit dem Landrat

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Christian Pfeiffer, ehemaliger Direktor Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.. Pfeiffer, Kriminologe und Ex-Justizminister in Niedersachsen, feiert am Mittwoch seinen 75. Geburtstag.
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Kirchweidach/Mühldorf am Inn - Im zweiteiligen Interview mit unserer Redaktion spricht der  bekannte Kriminologe und ehemalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer über seine Kindheit und Jugend in der Region. Im zweiten Teil unseres Interviews berichtet er, wie er mit Altöttinger Alt-Landrat seinen ersten und einzigen Vollrausch erlebte.

Abgesehen von einem nachhaltigen prägenden, schlimmen Erlebnis habe er seine Zeit in der Region als sehr schön in Erinnerung. "Natürlich war das aber sehr geprägt von Arbeit auf dem Bauernhof. Nicht während der Schulzeit, aber ganz selbstverständlich am Wochenende und in den Ferien." 

Die Arbeit sei anstrengend gewesen, habe aber auch körperlich fit gehalten. "Ich war besonders gerne im Kuhstall, bald war ich Experte dafür, dabei zu helfen, Kälber auf die Welt zu bringen, zu melken und so weiter."

Auch Sport habe ihm viel bedeutet. "Wir hatten aber natürlich keinen Fernseher, das konnten wir uns nicht leisten. Daher ging es bei Fußballspielen, Olympiaden und so weiter immer zu den Nachbarn, die einen hatten.

Bildung als wichtiges Ziel

Der Weg ins Jurastudium sei dann sehr von den familiären Umständen geprägt gewesen. "Es war klar, meine Eltern hatten nichts, da gab es keinen Hof zu erben. Daher war klar, auch wenn wir Wurzeln in der Landwirtschaft hatten, war der einzige Weg zu Wohlstand und einer gesicherten Existenz durch Bildung."

Der Weg zur Juristik sei zustande gekommen, da sein Patenonkel Jurist gewesen sei. 

Nach dem Abitur am Ruperti-Gymnasium 1963 und Abschluss des Wehrdienstes als Reserveoffizier studierte er dann von 1965 bis 1971 Rechtswissenschaften und Sozialpsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie an der London School of Economics and Political Science.

Vollrausch vom Landrat verordnet bekommen

In die Zeit seines Jurastudiums sei dann auch noch eine recht heitere Episode gefallen. "Ich war dann Rechtsrefendar unter dem damaligen Landrat Seban Dönhuber. Das fand ich schon bemerkenswert, ein Sozialdemokrat als Landrat dort, aber das ist halt auch ein gestandener Bayer." 

Mit Alt-Landrat Seban Dönhuber erlebte Pfeiffer seinen ersten und einzigen Vollrausch.

Bei einer Gemeindebesichtigung habe es dann eine kuriose Frage des Landrats gegeben: "'Wer von euch hat noch keinen Vollrausch gehabt?' - Da war dann ich der einzige."  So sei dann dieser unter landrätlicher Aufsicht mit Hilfe von allerhand Bier und ein paar Schnäpsen herbeigeführt worden. "'Herr Pfeiffer, das gehört dazu, ein Bayer muss seine Grenzen kennen, wissen, wie das ist, wenn man mal blau ist', hieß es."

Pfeiffer betrachtet das heute als nicht unwichtiges Erlebnis. "So hatte ich das mal erlebt und das war auch der einzige Vollrausch meines Lebens", meint er amüsiert und betont: "Da wurde natürlich aufgepasst, dass es mir dabei gut ging und ich wurde dann vom Landrat persönlich daheim abgeliefert."

Immer wieder gerne in Oberbayern

Auch wenn ihn das Leben und der Beruf nun in den Norden der Republik verschlagen habe, komme er doch immer wieder gerne in die alte Heimat zurück. "Wenn ich dann beispielsweise wieder in München in's Taxi steige und dann ist da so ein herrlich grantelnder Taxler am Steuer, da fühle ich mich dann wieder daheim!"

Christian Pfeiffer (zweiter von links) bei der Fachtagung "Flüchtlinge integrieren" in Rosenheim im Juni des vergangenen Jahres.

Daher nutze er jede Gelegenheit, wieder einmal in die Region zu kommen. "Darum nehme ich immer wieder Vorträge in München, aber auch beispielsweise in der jüngsten Zeit Rosenheim oder Burghausen gerne an."

Zu seinem Vortrag im alten Heimatlandkreis seien dann auch viele Schulfreunde und Bekannte von früher erschienen. "Auch wenn mein Bayerisch inzwischen etwas eingerostet ist, war es dann schön, wieder in der Mundart zu plaudern." Regelmäßig komme er auch zu Klassentreffen seines Abschlussjahrgangs nach Mühldorf. "Das ist dann immer ein sehr schönes Erlebnis."

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