Stadtbus-Konzept beschlossen

"Das Machbare und das Allerbeste sind meist leider nicht das gleiche!"

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"Das Machbare und das Allerbeste sind meist leider nicht das gleiche!", beschloss Zweite Bürgermeisterin Ilse Preisinger-Sonntag die Diskussion.
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Mühldorf am Inn - Der Stadtrat brachte in seiner jüngsten Sitzung, mit vier Gegenstimmen, nun das neue Konzept für den Stadtbus auf den Weg.

Bereits in einer Sonder-Stadtratssitzung Mitte April wurde das Konzept behandelt. Nun ging es um dessen Beschluss als verbindliche Grundlage für das zukünftige Stadtbusliniensystem. Der öffentliche Nahverkehr ist eine überregionale und keine kommunale Aufgabe, am Ende entscheidet die Regierung, was genau zu welchem Zeitpunkt umgesetzt wird. Die Stadt Mühldorf kann lediglich Vorschläge einbringen. Seit 1997 fällt der ÖPNV in den Aufgabenbereich der Kreisstadt. Derzeit fehlt es am Nahverkehrsplan für das Stadtgebiet. Nachdem die Konzessionsverträge Ende 2019 ausgelaufen sind, sei es nun Zeit für ein modernes System, das die kommenden zehn Jahre den ÖPNV attraktiver machen soll, so die Stadtverwaltung.

Im wesentlichen umfasst das Konzept folgendes:

  • Das neue erweiterte Stadtbussystem sieht nun einen Halbstunden-Takt von 6 bis 20 Uhr von Montag bis Freitag und samstags von 8 bis 14 Uhr vor. Insgesamt sollen vier Achsen alle Stadtteile miteinander verbinden, wobei sich alle Linien am Bahnhof treffen.
  • Das Tarifsystem soll wie folgt aufgestellt sein: 1 Euro für eine Tageskarte (ab 17 Jahren), 10 Euro für eine Wochenkarte, 15 Euro für eine Monatskarte und 150 Euro für eine Jahreskarte.
  • Kinder bis 16 Jahre fahren frei, ebenso wie Schwerbehinderte. Einen Nulltarif, so Schreiber weiter, könne sich die Stadt nicht leisten. 
  • Als Busmodell entschied man sich für ein großes Modell mit etwa je 30 Sitz- und Stehplätzen. Der Einstieg soll nur vorne erfolgen, damit die Bürger kontrolliert werden können. Wie genau das Modell gestaltet werden soll, wird im Nachgang entschieden. 
  • 1,5 Millionen Euro pro Jahr sollen laufend gedeckt werden. Das entspricht einer deutlichen Preissteigerung - war doch ursprünglich einmal von 86.000 Euro die Rede. 

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Umfangreiche Diskussion

Trotz der Vorberatung in der Sondersitzung entspann sich noch eine ausführliche Diskussion. Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Georg Gafus verlas sogar über eine Viertelstunde hinweg ein dreiseitiges Redemanuskript, in dem er nochmal seine Position zum Stadtbus rekapitulierte. Darin sprach er sich grundsätzlich für das Konzept aus, mahnte aber an, es müsse regelmäßig neu betrachtet, angepasst und nachgebessert werden.

Aus der Grünen-Fraktion kamen noch Bedenken, ob eine Festlegung auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren zukunftsweisend sei. Stattdessen sei eine Verpflichtung, zu gegebener Zeit auf Fahrzeuge mit Elektro- oder Gasantrieb sinnvoller. Ordnungsamtsleiter Fritz Waldinger entgegnete, dies könne den mitwirkenden Unternehmen nicht ohne weiteres auferlegt werden, ohne das sich das Projekt verteuere."Das wären auf einmal ganz andere Kostendimensionen." 

Vor allem Karin Ziglgänsberger (FM) und Markus Saller (UWG) wiederholten ihre grundsätzliche Kritik an dem Projekt. "Ein bis zwei Jahre dafür wären ja O.K., aber zehn Jahre sind Wahnsinn. Am Ende fahren dann die meiste Zeit für teures Geld halbleere Busse herum!", mahnte Saller. "Das Machbare und das Allerbeste sind meist leider nicht das gleiche", beschloss Zweite Bürgermeisterin Ilse Preisinger-Sonntag die Diskussion, "Es ist ein teures und schwieriges Projekt, das uns lange bindet. Aber wenn wir es nicht anpassen, bleibt's wie es ist und das ist kein guter Zustand!"

Ebenfalls Thema in der Stadtratssitzung am Donnerstag war, dass die Stadt derzeit, nach eigenen Angaben, stark dahinter ist, mehr Parkraum zu schaffen.

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