Rückblick auf die "Ich war ein Münchner"-Kampagne in Mühldorf

"In der aktuellen Lage würde ich das nicht mehr machen, aber ..."

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Die "ich war ein Münchner"-Kampagne erhielt vor einigen Jahren bundesweite Aufmerksamkeit. Stolz zeigt Franz Hutterer gesammelte Zeitungsberichte von damals.
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Mühldorf am Inn - Um 2015 waren sie für Pendler in den Raum Mühldorf ein vertrauter Anblick. Plakate der Kampagne "Ich war ein Münchner", welche Münchner für das Wohnen in der Kreisstadt begeistern sollten. Aber sind sie schuld an der aktuellen Lage auf dem örtlichen Immobilienmarkt?

"Tut mir leid, aber das ist totaler Kas!", lacht Franz Hutterer. Der Projektentwickler für Immobilien stand dem zwischenzeitlich aufgelösten Verein MIMMO e.V. vor, der vor sieben Jahren die Werbekampagne ins Leben rief. Ihm ist bewusst, dass der Vorwurf immer wieder im Raum steht. Sowohl als die Kampagne damals lief, als auch aktuell, in den Kommentarspalten unter Berichten über die drastische Entwicklung des Miet- und Immobilienmarktes in Stadt und Landkreis Mühldorf,bei dem sogar die Gefahr einer Blase und deren Platzens gesehen wird. Vielfach wird dabei der Kreisstadt vorgeworfen, sie habe die aktuelle Situation durch die Kampagne mit heraufbeschworen. 

Dem demographischen Wandel sollte entgegengewirkt werden

"Es geht schon mal damit los, aus welcher Motivation diese Kampagne überhaupt gestartet wurde", bemerkt er. Ihre Anfänge habe sie in den "Stadtgesprächen" ab dem Jahr 2009 genommen. "Da war noch kein Immobilienboom abzusehen!" 

Eine Arbeitsgruppe habe sich dort unter anderem auch mit dem Thema demographischer Wandel auseinandergesetzt. Da habe es damals durchaus nicht rosig ausgesehen. "Es stand zu befürchten, dass uns das Schicksal nicht weniger Kleinstädte in Metropolregionen wie München drohen könnte: Ein Teufelskreis, in dem immer mehr junge Menschen zum Studieren oder für die Arbeit abwandern und nicht mehr zurückkommen. Die Stadt überaltert, die Einwohnerzahl und Steuereinnahmen sinken, wodurch immer weniger Infrastruktur wie beispielsweise Frei- und Hallenbäder können finanziert werden. Dadurch sinkt die Attraktivität nochmal weiter, Geschäfte schließen ebenfalls und am Ende ist man bestenfalls noch eine Schlafstadt im Speckgürtel der nächsten Großstadt."

Daher habe man überlegt, wie man den Standort Mühldorf insbesondere für junge Familien aus dem immer teureren Münchener Umland attraktiv machen könne. "Mühldorf, das wussten viele zu berichten, war damals im besten Fall für viele Leute dort irgend so ein Städtchen irgendwo kurz vor Tschechien ..." Mit Hilfe der Kampagne habe das Bild von Mühldorf als einem erschwinglicheren und zugleich lebenswerten Alternativ-Wohnort zu München und seinem Umland vermittelt werden sollen. 15 Mitglieder hatte der die Kampagne organisierende Verein schließlich. Neben lokalen Bau- und Immobilienunternehmen auch Banken, die Südostbayernbahn, die Stadtverwaltung und die Stadtwerke. 

Die Kampagne habe damals bundesweit für Aufsehen gesorgt, erinnert sich Hutterer. Stolz zeigt er eine große Sammlung an Zeitungsberichten vor. "Vor allem aber haben sich viele andere Städte und Gemeinden, die entweder schon das demographische Problem hatten, dem wir entrinnen wollten, oder ebenfalls noch rechtzeitig reagieren wollten, gemeldet. Die waren ganz begeistert und haben das dann nachgemacht."

Aktuelle Entwicklung musste irgendwann kommen

"Das dann in den Jahren darauf der Immobilienmarkt in er Landeshauptstadt derart aufdrehen und in der Folge Menschen in die Metropolregion ziehen würden, hat damals niemand ahnen können." Weiterhin sei es absurd, der Kampagne eine wesentliche Mitwirkung an der aktuellen Situation zu geben. "Es war doch klar, dass unsere Region früher oder später einen Preisanstieg erleben würde", meint Hutterer. "Auf der einen Seite laufen die Projekte des A94-Baus und des Ausbaus der Eisenbahnstrecke schon seit langem. 

Auf der anderen Seite sind wir hier die letzte Gegend im Umkreis von München, wo das bisher noch nicht der Fall war. Hinzu kommt die Lage mitten zwischen Münchner Metropolregion und dem 'Chemiedreieck'." Dies sei eine Entwicklung, welche nicht nur die Kreisstadt, sondern alle Städte entlang der Eisen- und Autobahnstrecke betreffen würden. 

Zudem sei es so, dass viele der Zuzügler gerade keine Pendler seien, sondern wegen Arbeitsplätzen bei regionalen Unternehmen hierher ziehen würden. "Gleichzeitig wird sich ja seitens der Stadtverwaltung bewusst bemüht, dass nicht immer nur gewachsen wird, sondern dies mit Augenmaß geschieht." Insgesamt sieht Hutter sich daher bestätigt und resümiert: "Nein, in der aktuellen Lage würde ich das nicht mehr machen, aber es war zu seiner Zeit definitiv eine damals sinnvolle, lohnende und gute Sache".

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