Sicherheitsbericht der Polizeiinspektion Mühldorf

Zwar weniger Straftaten aber mehr Angriffe auf Polizisten

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Mühldorf am Inn - Die Polizeiinspektion stellte kürzlich ihren Sicherheitsbericht für das Jahr 2017 vor. Vieles darin entspricht den laut der Polizei positiven Entwicklungen im Landkreis.

"Die Polizei Mühldorf blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2017 zurück", wie die Inspektion erklärte. "Es gab sehr viele und auch außergewöhnliche Einsätze zu bewältigen." Auch im Hinblick auf das "bayerische Wahljahr" 2018 sei mit einer erhöhten Einsatzbelastung in Verbindung mit politischen Aktivitäten zu rechnen. "Hier gilt es das Grundrecht der Versammlungs- und Meinungsfreiheit zu schützen."

Im Vergleich zum Vorjahr (Vorjahreszahlen jeweils in Klammern) sind in der polizeilichen Kriminalstatistik 2017 für den Dienstbereich der Polizeiinspektion Mühldorf folgende Auffälligkeiten erkennbar:

  • Die Gesamtzahl der Straftaten ist auf 1959 (2157) Straftaten deutlich gesunken.
  •  Die Aufklärungsquote sank auf 65 Prozent (66,5 Prozent) und liegt zwei Prozent unter der bayernweiten Quote von 67 Prozent (65,9 Prozent).
  •  2016 war bereits ein starker Rückgang der ausländerrechtlichen Delikte im Vergleich zu 2015 feststellbar. Seitdem verringerten sich die Fälle von 193 (2015), auf 47 (2016) und sind 2017 nochmals um zwölf Prozent auf 35 Fälle gesunken.
  • Im Vergleich zum Vorjahr wurden weniger tatverdächtige Personen ermittelt. Insgesamt wurden 1070 (1144) Tatverdächtige ermittelt
  • Deutlich niedrigere Häufigkeitszahl im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Mühldorf (3165) als im bayernweiten Durchschnitt (4868) 
  • Nahezu gleichbleibender Anteil der ermittelten Täterverdächtigen bei Jugendlichen und Heranwachsenden. Der Anteil liegt bei 21,31 Prozent (21,42 Prozent) 
  • Rückgang der Wohnungseinbrüche um 41,4 Prozent von 29 (2016) auf 17 Fälle Registrierte
  • Verkehrsunfallfluchten fast identisch mit dem Vorjahr 299 (297) Fälle
  • Die Zahl der Angriffe auf Polizisten nahm von 6 auf 14 Fälle deutlich zu. 

Erst Ende April hatte das Polizeipräsidium seinen Sicherheitsbericht für den gesamten Landkreis präsentiert. "Im Landkreis Mühldorf ist die Welt in Ordnung", erklärte Polizeipräsident Robert Kopp bei der Pressekonferenz im Landratsamt dazu. Vieles von dem, was für den Landkreis gilt, trifft laut der Inspektion auch auf die Kreisstadt zu. So beispielsweise das Absinken der Gesamtstraftaten, die niedrigere Häufigkeitszahl oder die leicht gesunkene Aufklärungsquote. Eine so hohe Erfolgsquote bedeute aber, dass trotzdem die Mehrheit der Taten aufgeklärt werde, so Polizeipräsident Kopp Ende April, "Das ist eine Nachricht an alle Straftäter: Es besteht eine hohe Chance, dass sie erwischt werden!"

Die Entwicklung der Zahl der Straftaten.

59,2 Prozent aller Straftaten die 2017 begangen wurden, nämlich 1.160, wurden in Mühldorf am Inn registriert. Verglichen mit 2016 (2016: 59,2 Prozent) ist hier keine Änderung zu erkennen. Es folgen der Markt Ampfing mit 177 (2016: 194), die Stadt Neumarkt-Sankt Veit mit 174 (2016: 200), Schwindegg mit 70 (2016: 56), Mettenheim mit 54 (2016: 79), Erharting 53 (2016: 16) und Buchbach mit 50 (2016: 51) Straftaten.

Die übrigen Gemeinden liegen im Bereich von unter 50 Straftaten. Rückgang oder Steigerung hängen oftmals nur von einem größeren Ermittlungsverfahren ab, wie die Polizei betont. "Auf Grund dieser Zahlen Rückschlüsse auf eine besondere Gefährdungslage zu ziehen wäre, ohne eine nähere Betrachtung der Situation, nicht zielführend."

Im Gesamtlandkreis ist die Häufigkeitszahl, also das Gradmaß für die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten je 100.000 Einwohner, im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Im Vergleich zu anderen Landkreisen

im Bereich des Präsidiums ist im Kreis Mühldorf die zweitniedrigste Häufigkeitszahl zu verzeichnen

. Auch in im Zuständigkeitsbereich der Mühldorfer Inspektion ist die Häufigkeitszahl zurückgegangen 

Im Einzelnen betrachtet stieg die Häufigkeitszahl in diversen Gemeinden wie beispielsweise in Erharting (2017:5608/2016: 1690), Egglkofen (2017:2039/2016:1350) oder Schwindegg (2017:1955/2016: 1586) und fiel beispielsweise in Mühldorf (2017: 5900/2016: 6692), Neumarkt-Sankt Veit (2017: 2805/2016: 3278) oder Ampfing (2017: 2759/2016: 3081). 

Dabei müsse aber bedacht werden, so die Polizei, dass die Aussagekraft dieser Zahlen dadurch beeinträchtigt wird, dass nur die amtlich gemeldeten Einwohner, also keine Touristen oder Personen ohne Wohnsitz in Deutschland, zur Berechnung herangezogen werden könnten. Außerdem sei der teils hohe Anstieg oder Rückgang der Häufigkeitszahl in kleinen Gemeinden damit zu erklären, dass eine geringe Änderung an der Gesamtzahl der Straftaten eine große Auswirkung auf die Häufigkeitszahl bedeutet. "Eine deutliche Änderung ist daher nicht immer auf eine konkrete Gefährdungslage zurückzuführen."

"Im Vierjahresüberblick lässt sich bei der Täterstruktur innerhalb keiner Altersgruppe eine Tendenz erkennen, dass die Anzahl der Tatverdächtigen dieser Gruppe dauerhaft ansteigt oder abfällt." Insgesamt beläuft sich der Schaden aller registrierten Straftaten auf 2.659.807 Euro.Im Vergleich zu 2016 erhöhte sich der Gesamtschaden in 2017 um 237.701 Euro. 

Nahezu die Hälfte (47 Prozent) aller bekannt gewordenen Straftaten sind den Vermögensdelikten (24 Prozent) beziehungsweise der Eigentumskriminalität (Diebstähle 23 Prozent) zuzurechnen. Allerdings ging sowohl die Zahl der Diebstähle als auch der Wohnungseinbrüche im Verhältnis zum Vorjahr zurück. 

Sicherheitsbericht 2017 der Polizeiinspektion Mühldorf

Im Bereich der Körperverletzungen sei auffällig, dass von 209 Tatverdächtigen 25,84 Prozent unter Alkoholeinfluss und 1,91 Prozent unter Drogeneinfluss standen. Besonders auffällig ist jedoch, dass das Aggressionspotential gegenüber der Staatsgewalt zugenommen hat. Hier wurde eine Zunahme von 6 auf 14 Taten also eine Steigerung um 133,3 Prozent verzeichnet.

VU = Verkehrsunfall, VUPS = Verkehrsunfall mit Personenschaden, VUSA = Verkehrsunfall mit Sachschaden, VUK = Kleinunfälle.

Wie auch im Gesamt-Landkreis, ging die Zahl der Verkehrsunfälle zurück und es gab 2017 dabei keine Toten. Als Unfallschwerpunkte werden die Anschlussstelle Mühldorf-West der A94 bei Mettenheim, die Kreuzung von Mü4 und Mü36 in Niedertaufkirchen, die St 2352 zwischen Mühldorf und Waldkraiburg, sowie insbesondere der "Giggenbachstachus" im Mühldorfer Stadtgebiet ausgemacht.

Reihe von Ermittlungserfolgen

In verschiedenen Bereichen waren Beamte der Polizeiinspektion Mühldorf aufgrund ihrer Ermittlungen erfolgreich.

So konnte 2016 eine Bande aus vier Heranwachsenden im Alter von 18 - 25 Jahren ermittelt werden, die durch Manipulationen an Spielautomaten im Zeitraum von Dezember 2015 bis Januar 2016 mindestens 9500 Euro, erbeutete. Sie wurden 2017 durch das Landgericht Traunstein verurteilt. Der Haupttäter verbüßt nun eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Bei einem Mittäter ist die Bewährung widerrufen worden und gegen die zwei anderen Täter wurden Geldstrafen erlassen.

Ende März 2017 konnte zudem ein Serieneinbrecher in Grafing geschnappt werden, der in verschiedenen bayerischen Städten, darunter auch in Mühldorf, aktiv war.

Demo vor JVA besondere Herausforderung

Die polizeiliche Betreuung von diversen Veranstaltungen und besonderen Ereignissen, wie den Faschingsveranstaltungen in Mühldorf und Neumarkt, dem Altstadtfest oder das Volksfest, aber auch Fußballspiele war auch 2017 eine Aufgabe der Polizei Mühldorf.

Eine besondere Herausforderung war die Versammlung vor der Einrichtung für Abschiebungshaft Ende März 2017 mit mehr als 400 Teilnehmern. Es begann mit Redebeiträgen, anschließend zogen die Teilnehmer um die Einrichtung und bildeten eine Menschenkette. Die Versammlung, die unter Leitung der Polizeiinspektion Mühldorf mit Unterstützung von Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei betreut und geschützt wurde, verlief friedlich und ohne besondere Vorkommnisse.

Bald auch Sicherheitswacht

Künftig wird es auch in Mühldorf eine Sicherheitswacht geben. Aktuell läuft das Bewerbungsverfahren und nach der Durchführung von Auswahlgesprächen beginnt die Ausbildung, die 40 Unterrichts- einheiten umfasst. Ziel ist, dass die Sicherheitswacht im Juli bis August ihre Arbeit aufnehmen kann.

"Wie auch im Jahr 2017 werden wir uns als offene und bürgernahe Polizei präsentieren und uns für das Wohl der Bevölkerung einsetzen", so die Inspektionsleitung abschließend in ihrem Sicherheitsberich, "Mit voller Hingabe an unseren Beruf werden wir sämtliche Herausforderungen bewältigen, getreu dem Motto: Sicherheit im Herzen - Zukunft im Blick!"

Pressemitteilung Polizeiinspektion Mühldorf am Inn

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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