Bewerbungsphase gestartet

Kopp: "Die Sicherheitswacht ist kein Ersatz für die Polizei!"

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Von links nach rechts: Die Leiterin der Polizeiinspektion Mühldorf am Inn, Polizeioberrätin Angelika Deiml, Polizeipräsident Robert Kopp, Bürgermeisterin Marianne Zollner und Yvonne Helzel von der Waldkraiburger Sicherheitswacht.
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Mühldorf am Inn - Am Donnerstag startet die Bewerbungsphase für die Sicherheitswacht. Im Vorfeld informierte die Polizei noch einmal zu dem Projekt.

"Eine Sicherheitswacht ist kein Ersatz für die Polizei und soll es auch nicht sein", das betonte Polizeipräsident Robert Kopp bei der Vorstellung des Projekts am Donnerstag ausdrücklich. "Die Wahrnehmung hoheitlicher Befugnisse ist und bleibt Aufgabe der Polizei." "Schon wenn wir präsent sind, reicht das meistens", berichtete Yvonne Helzel, die sich bei der Sicherheitswacht in Waldkraiburg engagiert. "Es ist schon entscheidend, dass die Leute sehen: Da ist jemand, der guckt und im Zweifelsfall einschreitet beziehungsweise die Polizei dazu holt!" Nach den ersten 100 Tagen Streifendienst zog die Waldkraiburger Wacht Ende Oktober 2017 bereits eine sehr positive Bilanz.

Weder Bürgerwehr noch Hilfspolizisten

Weder eine Bürgerwehr noch Hilfspolizisten sind die Angehörigen der Sicherheitswacht, darauf legt die Polizei Wert. Ihnen stehen grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten zu, wie jedem anderen Bürger auch. Das reicht von der Festhaltung eines auf frischer Tat betroffenen Straftäters, bis hin zum Recht auf Notwehr und Nothilfe für andere Bürger. Darüber hinaus können Angehörige der Sicherheitswacht Personen anhalten, sie befragen und ihre Personalien feststellen, sofern dies zur Gefahrenabwehr notwendig ist.

Die Wacht soll vor allem dort präsent sein, wo Straftaten drohen, aber die Gefährdung trotzdem nicht so groß ist, dass Polizeibeamte ständig vor Ort sein müssen. 

Als Tätigkeitsgebiete kommen hauptsächlich in Betracht:

  • größere Wohnsiedlungen 
  • öffentliche Parks und Anlagen
  • die Umgebung von Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel 
  • das Umfeld von Gebäuden oder Einrichtungen, bei denen es immer wieder zu mutwilligen Zerstörungen oder zu Schmierereien kommt 
  • das Umfeld von Asylbewerber-Unterkünften

Darüber hinaus könnte die Wacht in Mühldorf auch bei Veranstaltungen wie dem Faschingszug, dem Christkindlmarkt, sowie den Wochen- und Flohmärkten zum Einsatz kommen.

Wacht soll Sicherheitsgefühl verbessern 

Die Angehörigen der Sicherheitswacht werden den Polizeidienststellen ihres Wohngebiets zugeteilt. Erfahrene Polizeibeamte entscheiden nach der aktuellen Sicherheitslage, wo und wann die Sicherheitswacht auf Streife geht. Die Sicherheitswacht soll vor Vandalismus und Straßenkriminalität entgegenwirken. Bei verdächtigen Vorkommnissen informiert die Wacht die nächste Polizeistreife. Selbst eingreifen soll sie nur im Ausnahmefall, zum Beispiel, wenn dies zur Hilfe für Mitbürger dringend geboten ist. Zur Eigensicherung führen sie ein Pfefferspray mit sich.

Sowohl Kopp als auch Bürgermeisterin Marianne Zollner (SPD) betonten, die Wacht solle vor allem das Sicherheitgefühl der Mühldorfer verbessern. "Mühldorf ist sicher!", betonte Kopp, "Allerdings sind einerseits die Menschen in den letzten Jahren verunsicherter geworden", erläuterte der Polizeipräsident, "Andererseits hat sich leider eine Unkultur des Wegschauens breit gemacht." Er weis außerdem darauf hin, dass das Modell der Sicherheitswacht schon länger besteht. Sie wurde ursprünglich als Modellprojekt in Degendorf, Ingolstadt und Nürnberg, eingeführt und nach einer dreijährigen Pilotphase 1997 dauerhaft eingerichtet und ausgebaut. Inzwischen entschließen sich immer mehr Kommunen, auch in der Region, eine Sicherheitswacht zu beantragen.

Auch Waldkraiburg sucht noch Bewerber

Der Mühldorfer Stadtrat hatte bereits Ende Oktober des vergangenen Jahres die Einführung der Sicherheitswacht beschlossen. Allerdings brauchte es noch die Zustimmung des Bayerischen Innenministeriums. Nun startet seit dem 15. Februar die vierwöchige Bewerbungsphase. "Wir hoffen darauf, dass sich etwa zehn bis zwölf passende Bewerber finden", erklärte Polizeipräsident Kopp. Auch in Waldkraiburg wird noch Verstärkung für die Sicherheitswacht gesucht. Hier sind bereits elf Frauen und Männer im Einsatz. Eine Verstärkung auf 14 bis 15 Angehörige wäre allerdings durchaus willkommen.

Für die Sicherheitswacht können sich Frauen und Männer bewerben, die

  • mindestens 18 und höchstens 62 Jahre alt sind 
  • durch Zeugnis eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung nachweisen 
  • Zuverlässigkeit und Verantwortungsbereitschaft bewiesen haben und einen guten Ruf besitzen 
  • bereit sind, für diese Aufgabe im Durchschnitt 5 Stunden monatlich zur Verfügung zu stehen

Das Höchstalter beträgt grundsätzlich 67 Jahre. Eine Pauschale von 8,00 Euro in der Stunde soll den persönlichen Aufwand ausgleichen. Die Mitglieder der Sicherheitswacht erhalten eine umfangreiche Ausbildung zu diversen Themen wie Jugendschutz, Verkehrsrecht und Strafrecht aber auch beispielsweise zu Deeskalation. Die Bewerbungsunterlagen können bei der Polizeiinspektion Mühldorf und dem Vorzimmer der Bürgermeisterin im Rathaus abgeholt werden. Detaillierte Informationen gibt es unter der Telefonnummer (08631) 36730.

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