Interview zur Lage des Einzelhandels mit Verbands-Vorsitzendem

Stadtplatz 58: "Unwahrscheinlich, dass da tragbare Lösung rauskommt"

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Eine der Herausforderungen für den Einzelhandel in Mühldorf am Inn sei der Denkmalschutz, erklärt Michael Hetzl, 1. Vorsitzender der "Aktionsgemeinschaft Mühldorf" im Interview mit innsalzach24.de. Daher zweifelt er, dass etwa auch für den Stadtplatz 58 eine tragbare Lösung gefunden werden kann.
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Mühldorf am Inn - Wie ist die Lage für den Einzelhandel in der Kreisstadt? Im Interview legt Michael Hetzl, 1. Vorsitzender der "Aktionsgemeinschaft Mühldorf" dar, wo es seiner Ansicht nach Probleme gibt.

"Der Einzelhandel hat hier momentan so seine Probleme", setzt Michael Hetzl, 1. Vorsitzender der "Aktionsgemeinschaft Mühldorf" im Interview mit innsalzach24.de an. "Man macht da ja vielfach den Online-Handel als Hauptursache aus. Aber der ist eher ein Katalysator, ein Beschleuniger, als ein Grundproblem." Die Gründe seien andere. 

Angefangen mit grundsätzliche Problemen des Einzelhandels, wie sinkenden Margen, extremen Konkurrenzdruck und so weiter. Speziell in Mühldorf seien es aber auch die verkehrliche Situation, die Herausforderungen durch den Denkmalschutz und die Lage des Immobilienmarktes. Diese würden, so Hetzl, der auch Vorsitzender der Unabhängigen Mühldorfer (UM) ist, auch durch Versäumnisse der Politik zu Stande kommen.

Hetzl: Mehr Parkplätze nicht die Lösung

"Es braucht da ein Umdenken bei der Verkehrsplanung", betont er. "Beispielsweise würden sich viele Leute eine Verkehrsberuhigung in der Innenstadt wünschen, der Stadtplatz ist aber immer noch eine Hauptader des Straßennetzes." Die Parkplatzsituation sei aktuell sehr schwierig. "Für unsere Kunden gibt es objektiv gesehen ausreichen Parkplätze, diese sind durch Ihre Zerklüftung aber leider teilweise sehr schwer zu finden. Das sorgt für Frust und einen schlechten ersten Eindruck. Für unsere Mitarbeiter ist die Situation leider noch schlechter." 

"Da ist von Frau Zollner leider eine ganz falsche Herangehensweise gewählt worden, gerade auch was die Parkraumbewirtschaftung angeht." Auch in einer Umfrage zur Lebensqualität in Mühldorf am Inn unter unseren Lesern Anfang 2018 waren die beiden größten Kritikpunkte die hohen Parkgebühren und zu wenige Parkplätze.

Bereits im Mai präsentierte die Stadtverwaltung den aktuellen Planungsstand für ein Parkhaus an der Ahamer Straße und vor kurzem wurden auch erste Überlegungen für ein weiteres auf dem ehemaligen SÜMO-Gelände vorgestellt. Diese würden, nach aktuellem Planungsstand 400 beziehungsweise 300 neue Parkplätze bieten. "Einfach mehr Parkplätze bringen nichts, es bedarf eines Gesamtkonzeptes", kommentiert Hetzl dies. "Man müsste viel besser abklären, was wirklich gebraucht wird und das dann auch mit dem restlichen Verkehrskonzept sowie dem Öffentlichen Nahverkehr abstimmen.

Hetzl: Denkmalschutz ein Problem

Im Mai war auch ein neues Stadtbus-Konzept beschlossen worden. "Wir dürfen uns halt nicht einbilden, dass wir hier in Mühldorf etwas auf dem Niveau von München bekommen können und vermutlich würden wir es auch in diesem Umfang nicht nutzen", merkt Hetzl hierzu an. "München kann sich das leisten, so ein System zu finanzieren und braucht es auch für seine Pendler und Touristen. Hier wiederum ist es so, dass viele Leute zum Einkaufen aus dem ganzen Umkreis nach Mühldorf mit dem Auto kommen. Die steigen dann nicht vor Ort in den Bus um."

Eine weitere Herausforderungen für den Handel, gerade bei der Schaffung von modernen und ausführlichen Ladenflächen, sei der Denkmalschutz. "Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich schätze den Erhalt alter Bauten sehr und halte ihn in den richtigen Fällen für wichtig und unbedingt nötig. Aber hier in Mühldorf läuft das aus zwei Gründen falsch." Zum einen behinderten Auflagen des Denkmalschutzes teils Innovation und Investitionen. 

"Zum anderen wird das auch teils sehr beliebig gehandhabt. Beispielsweise die Kapelle beim Krankenhaus konnte dann ja problemlos weg." Bestes Beispiel sei der Stadtplatz 58. "Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass mit der aktuell gewählten Herangehensweise da eine wirtschaftlich tragbare Lösung dabei rauskommt."

Immobilienmarkt überhitzt

Schlussendlich sei da noch der überhitzte Immobilienmarkt. Anfang August warnte ein Beratungsinstitut in einer Studie sogar vor der Gefahr einer Blase. Diese Lage mache es schon mal grundsätzlich schwierig, an Grundstücke oder Räumlichkeiten für Geschäfte zu gelangen. "Auch hier wird leider ohne einen Blick für die gesamte Lage gehandelt", beklagt Hetzl. "Beispielsweise könnte die Stadt durch ihre Stadtbau günstigen Wohnraum schaffen." 

"Ich hoffe, dass die im März des kommenden Jahres anstehende Kommunalwahl insgesamt einen Wandel in der Stadtpolitik bringt", schließt der UM-Politiker. "Es braucht neue Herangehensweisen."

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