Bürgerwerkstätten zur Innenstadtentwicklung

"Toll, wie viele gute Vorschläge wir hier heute sammeln konnten"

+
Die Arbeitsgruppen diskutierten mit viel Kompetenz und Fachwissen über Möglichkeiten zur Entwicklung der Innenstadt.
  • schließen

Mühldorf am Inn - Am Mittwochabend fanden die ersten Bürgerwerkstätten zur Stadtentwicklung statt. In Arbeitsgruppen konnten Interessierte hier Ideen zur Innenstadtentwicklung sammeln und anschließend präsentieren.

"Per Mail sind schon viele gute Ideen eingegangen", freute sich Bürgermeisterin Marianne Zollner. Insgesamt 180 Seiten von 65 Bürgern hatte die Stadt an Anregungen zur Stadtentwicklung erhalten. "Heute soll es darum gehen, unsere Innenstadt, den Kern und Ursprung unserer Stadt, zu bearbeiten." Vor allem die Altstadt sei ein "wunderbares Erbe". Sie blickte außerdem auf die vielen Dinge, die in der Vergangenheit schon durch die Integrierten Stadtentwicklungskonzepte (ISEK) erreicht wurden. "Schon damals waren der Schutz und die Pflege der Altstadt oberstes Ziel".Damals entstanden beispielsweise die heutigen Nutzungen des Haber- und des Kornkastens, die Schaffung des Altstadtrings oder der Inn-Stadtpark. 

Die Bürgerwerkstätten sind Bestandteil der Bürgerbeteiligung an einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Stadtplanung für Mühldorf. Die Grundlage für die Stadtplanung ist der Flächennutzungsplan, der derzeit für Mühldorf neu aufgestellt wird. Dabei gilt es Faktoren wie Wohnen, Arbeiten, Verkehrsführung, Parken, Grün- und Erholungsflächen, Kinderbetreuung, Schulen, Ausbildung, Kultur und vieles mehr zu berücksichtigen. Die Mühldorferinnen und Mühldorfer wurden bei der Auftaktveranstaltung im März im Haberkasten und über die Medien aufgerufen Vorschläge für die weitere Stadtentwicklung bei der Stadt per Mail bis Ende April einzureichen. Am Mittwoch ging es dann um die Innenstadtentwicklung, auf weiteren Werkstätten sollen auch noch andere Themen behandelt werden.  Das Thema "Natur" wird am 18 Juni um 19 Uhr wieder im Stadtsaal und das Thema "Verkehr" voraussichtlich im September  in einer weiteren Bürgerwerkstatt behandelt werden.

Umfangreiche Entwicklungsziele für die Innenstadt

Susanne Rentsch vom ISEK-Planungskreis erläuterte dann noch einmal ausführlich dessen bisherig Errungenschaften und weitere Ziele. "Mühldorf ist schon seit fast 40 Jahren im Städtebauförderungsprogramm. Daher müssen immer wieder neue Konzepte und Handlungsfelder erarbeitet werden, damit wir weiterhin Fördergelder erhalten." 

Die allgemeinen Entwicklungsziele der für die Mühldorfer Innenstadt lauten:

  • Die Altstadt soll als Mittelpunkt des wirtschaftlichen und gemeinschaftlichen Lebens weiter gestärkt werden. Dabei sind mögliche Akteure wirksam in den Prozess einzubinden. 
  • Die Obere Stadt soll als Bindeglied zwischen Altstadt und Bahnhof eine besondere gestalterische und funktionale Aufwertung erfahren und gemeinsam mit der Altstadt eine starke Innenstadt bilden.
  •  Bei der Sanierung und dem Neubau von Gebäuden ist im Sinne der Stadtbildpflege auf den Erhalt und die Wiederherstellung besonderer und wertvoller historischer Elemente und Strukturen zu achten. 
  • Die Nutzungsvielfalt in der Alt- und Innenstadt bestehend aus Handel, Dienstleistungen, Wohnen, sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen ist zu erhalten und weiter zu fördern. 
  • Die Altstadt ist als lebendiger Mittelpunkt der Stadt durch die Stärkung der Wohnnutzung mit der Sicherung beziehungsweise Schaffung attraktiven Wohnraums, verbunden mit Verbesserungen im Wohnumfeld zu erhalten.
  • Besonders die historische Altstadt soll von Durchgangsverkehr und Parksuchverkehr entlastet werden. Dafür sind Konzepte für Verbesserungen im Verkehrsnetz und im Parkplatzangebot, auch außerhalb der Altstadt, zu entwickeln und mit einem attraktiven ÖPNV-Netz zu unterstützen.
  • Das bestehende Wegenetz für Fußgänger und Radfahrer ist auszubauenund hinsichtlich der Barrierefreundlichkeit zu verbessern.
  • Das Freiflächenangebot in der Altstadt soll attraktiver ausgebaut werden. Schwerpunkt liegt dabei auf dem die Altstadt umgebenden Stadt- und Grüngürtel und der Orientierung zum Inn.

Wie Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner erläuterte, kristallisierten sich vier Haupt-Themenfelder für die Innenstadtentwicklung heraus: Das Stadtbild, der Stadtraum, das Stadtgrün und das Stadtleben. Für deren Gestaltung in den vier Bereichen Altstadtgürtel, Katharinenvorplatz, Obere Stadt und Altstadtkern sollten sich die an diesem Abend zahlreich erschienenen Mühldorferinnen und Mühldorfer in Arbeitsgruppen Gedanken machen. Jede Gruppe übernahm dabei einen Stadtbereich.

Bilder von der ersten Bürgerwerkstatt zum Flächennutzungsplan

Wenn man den Diskussionen an den Gruppen-Tischen an diesem Abend lauschte, merkte man rasch, dass dort viel Wissen um Stadtplanung und -Gestaltung vorhanden war. Überall wurde sachlich und fachlich beispielsweise über die Wirkungsmöglichkeiten und Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, die Chancen zum Erlangen von Fördermitteln oder die Möglichkeiten und Probleme des Denkmalschutzes diskutiert. "Auch die Mails mit Anregungen zur Stadtentwicklung waren überwiegend mit viel Kompetenz und Wissen zum Thema verfasst", freute sich Susanne Rentsch vom ISEK-Planungskreis.

An einem Tisch ging es beispielsweise um die obere Stadt. "Wenn man momentan am Bahnhof als Auswärtiger ankommt, hat man erstmal ein Fragezeichen im Gesicht!", meinte da ein älterer Herr. "Das stimmt, die Infotafeln sind nicht besonders einfach zu finden", ergänzte ein anderer Mühldorfer. "Wenn zumindest mal die Bahnhofsuhr gescheit funktionieren würde, wäre ja schon einiges gewonnen!", warf ein Dritter ein. So kamen allmählich allerhand Ideen für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes zusammen, die dann von jedem Tisch auf einem großen Poster zu Papier gebracht wurden.

Zum Abschluss stellte jede Gruppe ihre Ergebnisse vor.

Abschließend präsentierte dann jede Gruppe ihre Ideen, stets unter großer Aufmerksamkeit und mit reichlichem Applaus der anderen Veranstaltungsteilnehmer. "In der Innenstadt wird es abends immer ziemlich schnell dunkel", klagte dabei etwa ein Bürger, dem könne durch eine Förderung der Schaffung von Wohnungen entgegengewirkt werden. "Man sollte es organisieren, dass sich die Geschäfte um den Stadtplatz herum mehr zusammen organisieren und präsentieren", berichtet ein Ladeninhaber der dort auch eine Boutique betreibt von seiner Idee, "Das könnte dann so etwas wie die Riem-Arkaden in München werden!" 

"Wenn man beispielsweise bei einer Veranstaltung im Haberkasten war, kann man danach meistens nicht mehr gescheit abends ausgehen oder auch nur kurz noch etwas trinken gehen", klagt wiederum eine Frau, "Das ist sehr schade, dass um 11 Uhr überall die Gehsteige hochklappen." Eine andere Mühldorferin beklagt die Zustände in der Ledererstraße. "Da gab es ja jede Menge gute Ideen, aber die Umsetzung war 'ne Katastrophe!" Derzeit würde dort ein einziges Chaos herrschen, weil Autofahrer überall parken würden. 

"Es ist toll, wie viele gute Vorschläge wir hier heute sammeln konnten", freue sich Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner zum Ende der Diskussion. Diese würden nun den zuständigen Planungsbüros zugeleitet werden. "Ich bin mir sicher, dass sich vieles davon in der einen oder anderen Weise umsetzen lässt!"

Zurück zur Übersicht: Mühldorf am Inn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Live: Top-Artikel unserer Leser