Wer wird Bürgermeister in Mühldorf?

Langes Video: So schlugen sich die Kandidaten

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Mühldorf - Die Bürgermeisterkandidaten diskutierten im Stadtsaal über die Zukunft Mühldorfs. *NEU: Langversion-Video der Podiumsdiskussion*

Langes Video:

Die Höhepunkte: Kurzvideo

Bei der Podiumsdiskussion der Mühldorfer Bürgermeisterkandidaten, veranstaltet vom Mühldorfer Anzeiger und moderiert von den Redakteuren Markus Honervogt und Wolfgang Haserer, war der Stadtsaal nicht nur bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt - sogar die große Treppe am hinteren Ende des Stadtsaal nutzen die Besucher, um noch ein Plätzchen zu ergattern. Gleich fünf Politiker bewerben sich in diesem Jahr um das Amt des Ersten Bürgermeisters. Am 16. März stellen sich Dr. Georg Gafus (Grüne), Stefan Lasner (CSU), Andreas Seifinger (UWG), Karin Zieglgänsberger (Freie Mühldorfer) und Marianne Zollner (SPD) dem Votum der Bürger.

Bei einer ersten Interviewrunde zu Beginn der Podiumsdiskussion, quasi zum Aufwärmen, erfuhr das Publikum erst einmal persönliches über die Kandidaten. So lernten die Zuschauer, welchen Beruf die Kandidaten außer ihrem jetzigen gerne ausüben würden - die Rechtsanwältin Karin Zieglgänsberger wäre gerne Polizistin, der Grüne Gafus wäre gerne Biobauer - und was die Kandidaten in der Stadt sofort ändern würden. Gleich mehrere Kandidaten sprachen dabei die Gesprächskultur im Stadtrat an. Gafus etwa regte einen "Benimmkurs" für Stadträte an und Marianne Zollner erzählte, sie sei als Frau sehr wohl durchsetzungsfähig im Stadtrat, weil sie schon mit straffälligen Jugendlichen gearbeitet habe.

Ostspange: "Wahnsinnsprojekt" oder realistisches Konzept?

In medias res ging es anschließend zunächst um das Thema Stadtentwicklung. Während alle Kandidaten den wirtschaftlichen Fortschritt in der Stadt, verbunden mit steigenden Gewerbesteuereinnahmen, lobten, warnten sie alle vor der teils bedenklichen Verkehrssituation. "Die Wirtschaft hat sich stark entwickelt - der Verkehr fällt uns vor die Füße", sagte etwa Lasner. Für Gafus war die Ausweisung von Gewerbegebieten in den letzten Jahren gar "maßlos". "Wir müssen massiv auf die Bremse steigen", so der Grünen-Politiker.

Um die Verkehrssituation zu entspannen, regte Lasner an, eine Ostspange zu errichten. Mit dem Stadtberg habe man aktuell schließlich nur eine Staatsstraßenverbindung durch Mühldorf. Bei Zollner stieß Lasners Vorstoß auf Widerspruch. "Es ist ein Wahnsinnsprojekt, das kostet zig Millionen und die haben wir in der Stadt gar nicht", sagte Zollner. "Es ist ein schwieriges Problem mit unserem Verkehr und wir können nicht alles gleich lösen." Für Zieglgänsberger wurden in der Verkehrspolitik die Fehler längst begangen. "Wir ernten jetzt die Politik einer verfehlten Infrastruktur", sagte Zieglgänsberger. Man weise zu viele Baugebiete aus ohne den Verkehr zu berücksichtigen.

Ist ein Parkdeck überhaupt finanzierbar?

Ein zweiter verkehrspolitischer Streitpunkt war die Frage eines Parkdecks. "Wir werden nicht umhin kommen, weitere Parkmöglichkeiten zu schaffen mittels eines Parkdecks", erklärte Seifinger, der allerdings vor "Schnellschüssen" warnte. "Was passt hier rein optisch? Da kann man nicht einfach so ein Parkhaus hochziehen." Für Zieglgänsberger ist ein Parkdeck schlicht zu teuer für die Stadt. Die Freie Mühldorferin regte an, nach einer Kooperationslösung zu suchen, und ein Parkdeck beispielsweise mit dem Landkreis und dem Krankenhaus zu bauen. Eine Finanzierung über die Stadtbau - diese Idee brachte Zollner ins Spiel - lehnte Zieglgänsberger ab. "Das ist eine reine Augenwischerei." Die Stadtbau sei schließlich eine hundertprozentige Tochter der Stadt. Zollner hingegen verteidigte ihr Konzept. "Wenn das abzuzahlen ist über die Parkgebühren, ist das eine solide Finanzierung." Auch Seifinger kritisierte Zieglgänsbergers Argumentation. Man dürfe es nicht so einseitig darstellen. Die Stadtbau habe auch Einnahmen, die sie an die Stadt abführe, so Seifinger.

Beim zweiten großen Themenblock stand die Zukunft der Vereine im Fokus. In einem waren sich die Kandidaten einig: Für den TSV Mühldorf mit seiner sanierungsbedürftigen Halle und den FC Mühldorf, der einen neuen Standort sucht, muss etwas getan werden. Für Stefan Lasner muss ein Runder Tisch her. Man müsse ein "vernünftiges Zentrum für alle Parteien hinbringen", so Lasner. Zollner gab sich überrascht von der Nachricht, der TSV brauche eine neue Halle. Erst vor wenigen Wochen habe sie davon gehört. Die Vereine müssten schlicht auf die Stadt zugehen, so Zollner. Gafus und Seifinger zeigten sich ihrerseits überrascht von Zollners Ausführungen. "Dass der TSV Bedarf hat, weiß man im Finanzausschuss seit Jahren", sagte etwa Gafus und Seifinger erklärte: "Schon als mein Bruder im Kunstturnleistungszentrum geturnt hat - vor gleich 20 Jahren - hat man gesehen, es ist marode."

Stadtplatz 58: Kommt ein weiterer Bürgerentscheid?

Im dritten Themenblock - der Zukunft der Innenstadt - war der Stadtplatz 58 das beherrschende Thema. Die Kandidaten äußerten dabei recht unterschiedliche Wunschvorstellungen von der Zukunft des Standorts. Während Seifinger dafür plädierte, über eine multifunktionale Nutzung nachzudenken, sprach sich Zollner dafür aus, einen großflächigeren Einzelhändler dort anzusiedeln. Für Zollner wäre dieser ein "Besuchermagnet" mit einer "Ankurbelungsfunktion" für alle Geschäfte am Stadtplatz. Lasner wünschte sich - vor einer endgültigen Entscheidung - einen Konsens zwischen Stadt und Bürgerinitiative. Bei der Frage des Denkmalschutzes forderte er "gleiches Recht für alle". Auch eine Privatperson müsse schließlich auf den Denkmalschutz Rücksicht nehmen. Hinsichtlich der künftigen Nutzung des Standorts gab sich Lasner flexibel. "Wir müssen auch mal weg und quer denken und schauen: Welche Möglichkeiten haben wir noch an dieser Stelle."

Doch wer soll letztlich über die Zukunft des Standorts - und des aktuellen Hauses am Stadtplatz 58 - entscheiden? Der Stadtrat oder eine erneuter Bürgerentscheid? Für Seifinger liegt die Entscheidung letztlich beim Stadtrat, Lasner hingehen plädierte dafür, erneut die Bevölkerung abstimmen zu lassen. Zieglgänsberger und Gafus wünschten sich, dass zunächst Klarheit über die Sachlage herrscht. "Vor Entscheidung müssen alle Fakten auf den Tisch. Das hat die Stadt bislang versäumt", sagte Zieglgänsberger. Mit allen Fakten, so hofft Gafus, könnten sich dann auch Stadt und Bürger auf eine gemeinsame Linie verständigen. "Wenn ein Konsens da ist, brauchen wir keinen Bürgerentscheid", so Gafus. Zollner sprach sich klar dagegen aus, erneut die Bürger abstimmen zu lassen. "Das dauert ja ewig mit Bürgerentscheiden. Wählen Sie einfach. Dann haben Sie diese Vertretung, dann können wir uns die Bürgerentscheide in dieser Entscheidung einfach sparen", erklärte Zollner.

Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten

Kommt der Nachtclub im Parkdeck?

Die Fragen aus dem Publikum drehten sich in erster Linie ebenfalls um Verkehr, Parkmöglichkeiten, Vereine und Stadtplatz 58. Ein junger Mann allerdings überraschte die Kandidaten thematisch. Das Nachtleben sei nicht existent in Mühldorf, meinte der Zuschauer, der anregte, eventuell im künftigen Parkhaus einen Club anzusiedeln, mit dem die Stadt gleich auch noch Geld verdienen kann. Eine entsprechende Ansiedlung - wenn auch nicht unbedingt im Parkhaus - stieß bei den Bürgermeisterkandidaten auf positive Resonanz. "Ich finde die Anregung ganz gut. Man muss den Bedarf ermitteln", meinte etwa Lasner, der allerdings anmerkte, das Vorhaben müsse sich für einen möglichen Investor auch rechnen. Auch für Zollner könnte dieses Vorhaben an fehlenden Investoren scheitern, allerdings sagte die SPD-Politikerin auch: "Wenn Sie einen finden, der hier investieren möchte, dann treten wir in Gespräche." Gafus würde ebenfalls mehr Nachtleben in Mühldorf begrüßen. "Mir ist auch lieber, wenn die jungen Leute nicht nach Niederbayern fahren müssen am Wochenende."

 

Rubriklistenbild: © bla

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