Waldbegehung mit dem Umweltminister

Der Wald im Mittelpunkt

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Verantwortliche der beiden Waldbesitzervereinigungen aus Altötting-Burghausen sowie Mühldorf mit Politiker bei der Waldbegehung, darunter auch Umweltminister Dr. Marcel Huber
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Landkreis – „Schützen durch Nützen" ist keine leere Worthülse, sind sich die Verantwortlichen der Waldbesitzervereinigungen aus Altötting-Burghausen und Mühldorf einig. Sie haben zur Waldbegehung geladen.

Eine große Runde traf sich im Taxberg bei Rattenkirchen im Landkreis Mühldorf. Darunter auch Umweltminister Dr. Marcel Huber. „Naturschutz und Artenschutz lassen sich auf demselben Fleck realisieren“ heißt es mehrmals während der Waldbegehung.

Waldbegehung mit dem Umweltminister

Mit dabei waren die Vorstandschaften der beiden Waldbesitzervereinigungen (WBV), die beiden Geschäftsführer, Thomas Krompaß sowie Martin Stummer und die forstlichen Mitarbeiter der beiden Vereinigungen. Der 1. Vorsitzende des WBV Mühldorf, Lorenz Waldinger führte in die Welt des Waldes ein und fing mit vielen Fakten an. So seien in den beiden Vereinigungen insgesamt 2600 Waldbesitzer Mitglied, für viele von ihnen sei der Wald Lebens- und Einkommensgrundlage. Er wies darauf hin, dass sich die Waldbesitzervereinigung als Erfolgsmodell etabliert habe.

15000 Hektar Waldfläche werden durch die beiden Vereine vertreten. Seit vielen Generationen sei die Waldnutzung in den Gebieten Altötting-Burghausen sowie Mühldorf äußerst nachhaltig.

Politiker gesellten sich zum Termin

Nicht nur einzelne Waldbesitzer und Förster kamen zum Termin hinzu, auch die Politik hat sich auf die Waldbesichtigung eingelassen. Umweltminister Dr. Marcel Huber, Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer und die Landtagsabgeordneten Ingrid Heckner sowie Dr. Martin Huber, waren beim Termin dabei, Bundestagsabgeordnete Julia Bartz schickte als Vertretung ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Frau Betzold. Alle Anwesenden interessierten sich sehr.

Wie geht es dem heimischen Wald, mit welchen Bürokratischen Problemen kämpfen die Waldbesitzervereinigungen, wie sehr schaden Verbiss und wie wichtig ist eine Holzverjüngung? 

Die Anwesenden haben sich viel ausgetauscht und anhand von zehn Stationen den heimischen Wald erkundet. So waren Auswirkungen von Sturmschäden zu sehen, ebenso wie Bereiche, die äußerst gut gepflegt waren und viele Fleckerl, in denen die Natur sich frei entwickeln kann.

Grundsätzlich herrscht große Vielfalt in den Zuständigkeitsbereichen der Waldbesitzervereinigungen aus Altötting-Burghausen und Mühldorf. Die beiden WBVen sehen jedoch auch klar und deutlich, dass die privaten Waldbesitzer verstärkt praktische Hilfe brauchen. Schulungen und Informationsweitergabe seien wichtiger denn je.

Doch auch die gezielte Mitarbeit bei der Pflege sei Bestandteil des Service. Äußerst wichtig bleibe die regelmäßige Pflege des Waldes, so Lorenz Waldinger in seinen Ausführungen. Hinzu komme, dass die genutzten Flächen wieder mit Pflanzen ergänzt würden, als Zahlen nannte er 43000 Nadelbäume und 15000 Laubbäume, die jährlich in beiden Landkreisen zu pflanzen seien.

Umweltminister Dr. Marcel Huber und Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer zeigten sich äußerst interessiert an der Naturverjüngung im Wald.

Gefährdet ist die Tanne insbesondere durch Rehwild. Die Tanne wird gerne verbissen, ist mit ihren nährstoffreichen und weichen Nadeln ein wahrer Leckerbissen für das Wild. Tannen haben einen Vorteil, in einem breiten Waldstück, weil sie schattenverträglich sind und tiefer wurzelt als Herzwurzler, zeigen die zuständigen Förster auf. Dadurch stabilisiere die Tanne auch den Bestand der flachwurzligen Fichten.

Triebsterben und Borkenkäfer bleiben im Visier der Waldbesitzer und Förster

Neben den politischen Entscheidungen der Stilllegungen beschäftigen sich die Waldbesitzervereinigungen auch mit den alltäglichen Problemen vor Ort. Das Triebsterben, das verschiedene Baumarten betrifft, hält die Waldbesitzer und Förster in Atem. Liegt es am Klimawandel oder an Standorten? Hier werde momentan kräftig geforscht, eine eindeutige Erklärung fehle leider noch. Sowohl Esche oder auch Linde seien beispielsweise extrem davon betroffen, heißt es von Förster Michael Erber. „Die Esche ist massiv betroffen, was uns sehr weh tut im Alltag der Waldpflege“, so Erber. Eschen seien äußerst rentabel und gut verträglich, daher sei ein Ausfall besonders schade.

Eine große Rolle spielt bei der Arbeit der Waldbesitzervereinigung auch die Hilfestellung bei der richtigen Bepflanzung oder der Bekämpfung und Ausholzung im Borkenkäfer-Fall. Borkenkäfer bleiben ein Alltagsproblem, das stets vorhanden sein werde. Durch gute Pflege eines Waldes könne es aber in den Hintergrund rücken, sind sich die Beteiligten sicher.

Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer ist überzeugt davon, dass der Wald Lebensgrundlage bleiben wird und muss. „Wald ist unverzichtbar. Es ist schön zu sehen, dass die Waldflächen in Deutschland nicht abnehmen. Der Grundsatz der Nachhaltigkeit hat einfach seinen Sinn. Das Ziel der Bundespolitik muss es sein, die Waldbesitzer zu unterstützen und den Wald als Existenzgrundlage fördern wollen“. Ihn freue es, dass es vom bayerischen Forstministerium ein zusätzliches neues Programm gebe, zugunsten einer Umwandlung von Nadelwäldern in Mischwälder, so Mayer weiter. „Wir sehen die Entwicklungen auf europäischer Ebene in Bezug auf die Stilllegung von Waldflächen allerdings sehr kritisch“, betont der Bundestagsabgeordnete. Wenn von Brüssel aus so große prozentuale Vorgaben gemacht würden was die Stilllegung anbelangt. Hier habe Mayer absolut kein Verständnis dafür.

Umweltminister Dr. Marcel Huber erläuterte den Wert des Ausdrucks „Schützen durch Nützen“. 

Der Erhalt des Waldes stehe außer Frage. Nicht außer Acht lassen möchte Huber jedoch auch den Gedanken, dass viele Tier- und Pflanzenarten auf Totholz angewiesen seien. Daher sei es genau so richtig und wichtig, in ausgewählten Arealen der Natur freien Lauf zu lassen. „Die richtige Balance aus stetig gepflegtem Wald und Totholz-Flächen wäre ideal“, klingt es von Dr. Marcel Huber. Absolut wichtig bleibe, dass die Kulturlandschaft durch gezielte Pflege weiter so gut als Lebensraum gepflegt werde, ein Interessensaustausch sei auch zukünftig sehr wichtig, so Huber. Der Minister lobte die Arbeit der Waldbesitzervereinigungen und die Bestrebungen, den Wald gesund zu halten.

Stets sei es erforderlich, die Ökologie zu erhalten und lediglich gezielt, wo es auch Sinn macht, anzusetzen. „Der Waldpakt, den es in Bayern gibt, ist eine besondere Herangehensweise. Hier werden freiwillige Berücksichtigungen der Naturinteressen geachtet. Biotopvernetzung, Totholzanteil und Waldverjüngung spielen eine große Rolle“, erklärt der Umweltminister. Der Laubholzanteil müsse wichtiger denn je werden, so Huber. Im Klimaprogramm 2030 sei der Waldumbau wichtig. So solle den Klimafolgen entgegen gewirkt werden und die Waldfunktion erhalten werden. „Wir sind in Bayern auf einem guten Weg, aber man muss immer was machen. Der Interessensausgleich findet in der Gesellschaft statt. Hier bei Euch in Altötting-Burghausen und Mühldorf schaut es danach aus, dass dieses Gleichgewicht durch gezielten persönlichen Einsatz dem Wald gut tut“, bemerkte Dr. Marcel Huber lobend.

Als besonders wichtigen Punkt brachte Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner die Waldpädagogik ein. „Auch die weiteren Generationen sollen merken, wie wichtig und schön die Natur und speziell auch der Wald in der Heimat ist“, so Heckner. „Manche Kinder werden so erzogen, dass der Wald durch Bandwurm, Zecken oder Äste mehr Feind als Freund ist. Doch es bleibt ein wichtiger Aspekt, den Kindern zu zeigen, wie wertvoll der Wald für uns Menschen ist“, so die Landtagsabgeordnete abschließend.

Nach der mehrstündigen Waldbegehung zeigten sich alle Beteiligten glücklich darüber, dass es den Wald in der Heimat gibt. Die Waldbesitzervereinigungen aus Altötting-Burghausen und Mühldorf strahlten glücklich, sie konnten sich den anwesenden Politikern mitsamt den vielen Alltagspunkten präsentieren und zeigen, dass sich die Vereinigungen hier wirklich Gedanken machen, um dem Wald in der Heimat Zukunft zu geben.

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