"Tag der offenen Tür" bei der Südostbayernbahn

Fundsachenversteigerung: Was die Leute so alles im Zug liegen lassen

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Mühldorf – Am Samstag hat die Südostbayernbahn (SOB) erneut ihre Pforten der Allgemeinheit geöffnet. Es gab wieder viel zu sehen, erfahren und zu erleben. Für ganz besondere Unterhaltung sorgte ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn, der mit Zug fahren an sich gar nichts zu tun hat.

Das Wetter war perfekt für den „Tag der offenen Tür“ bei der Südostbayernbahn (SOB) in Mühldorf: Nicht zu warm und nicht zu kalt. Gezählt wurden die Besucher nicht aber gefühlt seien es mehr als letztes Jahr gewesen, so Christoph Kraller, Leiter der SOB.

Beeindruckende Maschinen

Ob man nun mit Zug von A nach B fährt oder am Bahnübergang warten muss, bis er durch ist: So richtig aus der Nähe betrachten kann man die Fahrzeuge der SOB nur bei so einem Termin, wie dem „Tag der offenen Tür“. Die Fahrzeugausstellung ließ die Herzen kleiner wie großer Eisenbahnfreunde höher schlagen und wer weiß, vielleicht ist der eine oder andere Zugführer von morgen unter ihnen.

Einmal ganz vorne in der Lok: Was normalerweise nicht geht bei der SOB

Nachwuchs gesucht

Die SOB nutzt den „Tag der offenen Tür“ auch, um über die verschiedenen Ausbildungsberufe zu informieren, interessierte junge Leute für die Bahn als Arbeitgeber zu begeistern. Es gebe Nachwuchsbedarf, so SOB-Chef Kraller. Am erfolgreichsten sei die Akquise von jungen Leuten, wenn diese mit ihren Eltern kommen. Schließlich sei die Berufswahl keine Hauruck-Entscheidung und die Lebenserfahrung der Eltern – ja, das ist für manche Heranwachsende schwierig zu akzeptieren - hilfreich.

Zukunft Bahn: Für mehr Qualität und Service

Stark frequentiert war der sogenannte „Ideenzug“ beim „Tag der offenen Tür“ der SOB. „Was wäre, wenn man als Pendler die Reisezeit so gut nutzen könnte, dass man am Ende des Tages all das erledigt hat, was man sonst kaum schafft?So heißt es auf der Homepage der SOB.

  • Auf dem Weg zur Arbeit erste emails schreiben,
  • in speziellen Arbeitsbereichen Telefonate führen
  • in Einzelkabinen Meetings abhalten
  • in einer Lounge Power Napping
  • Auf dem Weg nach Hause in eigens dafür eingerichteten Kabinen Sport machen,
  • auf dem Weg nach Hause Lebensmittel über einen Online-Supermarkt bestellen.

Es geht noch weiter:

  • Bereiche für Public Viewing 
  • Entspannungsabteile 
  • Moderne Sitzmöglichkeiten wie Drehsessel, Sitzbänke und Klappsitze 
  • Spielkonsolen für Jugendliche 
  • Spielparadies für Kinder 
  • Neue Innenraumdesigns

Wir möchten unseren Kunden im Nahverkehr zukünftig mehr bieten: ein neues und einmaliges Reiseerlebnis. Deshalb haben wir den Ideenzug entwickelt, mit völlig neuen Gestaltungsideen für den Fahrzeuginnenraum“, heißt es in einer Preseinformation der DB Regio zum Ideenzug. "Seit vergangenem Jahr arbeitet die Regio-Tochter Südostbayernbahn (SOB) gemeinsam mit dem Innovationslabor der Deutschen Bahn „d.lab“, der Münchener Designagentur „Neomind“, Fahrgästen, der BEG und den Produktinnovations- und IT-Abteilungen der DB Regio an dem Projekt.“ Letztendlich wird am Ende nicht alles umgesetzt werden. Beim "Tag der offenen Tür" der SOB wurde aber schon mal ein Einblick gewährt.

„Ich habe gemerkt, dass das genau mein Ding ist“

Ich habe schon Vieles bei der Bahn gemacht“, sagt Walter Schreiner von der DB. Seit vielen Jahren sehen ihn Endkunden, wie die der SOB, so gut wie gar nicht mehr. Nach Mühldorf kommt er nur alle zwei Jahre. Im Gepäck: Dutzende Fundsachen und ne ganze Menge an guter Laune. Schreiner arbeitet in diesem Bereich und ist nach einer abwechslungsreichen Karriere unter anderem auch Auktionator.

Auktionator Walter Schreiner mit Assistentin bei der Fundsachenversteigerung am "Tag der offenen Tür" der SOB in Mühldorf

Ich habe gemerkt, dass das genau mein Ding ist“, erinnert sich Schreiner an sein erstes Mal auf der Bühne bei einer Fundsachenversteigerung. Was er macht ist Entertainment pur. Gepaart mit der Tatsache, dass man bei solchen Veranstaltung richtig gute Schnäppchen machen kann wird so eine Fundsachenversteigerung zu einem besonderen Erlebnis.

Was die Leute nicht alles liegen lassen

Von monatlich 2.000 Handys ist die Rede, die in Zügen gefunden werden. Nur 500 werden abgeholt. „Klar: Hat man eine Versicherung, dann ist der Fall geritzt“, meint ein Mann im Publikum. So gehen sogar neueste Modelle in Fundsachenversteigerungen, wie die am Samstag beim „Tag der offenen Tür“ der SOB.

Man muss sich aber teilweise schon fragen, wie man so etwas liegen lassen kann wie eine uralte Schreibmaschine. Wahrscheinlich auf dem Trödel gekauft und dann war sie doch zu schwer auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause – wer weiß das schon. 

  • Schreibmaschine, 
  • teure Laptops und Kameras, 
  • Fahrräder, 
  • ein Megaphon, 
  • Winterjacken, 
  • Schmuck, 
  • eine Geige, 
  • eine sehr teure Klarinette 
  • und nicht zu vergessen, Rucksäcke, Taschen und Koffer: 

Das ist nur eine Auswahl dessen, was gefunden und bei der Bahn abgegeben wurde und am Samstag in die Versteigerung ging.

Fundsachenversteigerung: Was die Leute so alles im Zug liegen lassen

Schnäppchen ja, Verramschen nein

Alles läuft natürlich nach vorgeschrieben Fristen und Regeln. So hat ein Besitzer eines Stückes selbst nach der Versteigerung noch drei Jahre Zeit, den Erlös daraus einzufordern. Zum Zeitpunkt der Auktion ist seine erste Frist bereits verstrichen. 

Verramschen darf die Bahn die Sachen aber nicht. So sind nicht alle Startpreise auf einen Euro gesetzt. Teure Fundsachen haben einen höheren Startpreis. Liegengebliebene Rucksäcke, Taschen und Koffer werden natürlich vorher auf ihren Inhalt überprüft. Wer einen Überraschungskoffer ersteigert kann sich also sicher sein, dass A keine Waffen drin sind und B auch keine stinkenden Socken und Unterwäsche.

Glücksritter und Schnäppchenjäger

Gerade die Überraschungskoffer seien es, die einen ganz besonderen Reiz für ihn ausmachen würden, erklärt ein Mann, der gleich mehrere ersteigert hat. Ein anderer hat ganz bewusst Elektronik gekauft. „Ich war schon lange auf der Suche nach einer Kamera“, sagt er. Handy und Tablet hat er dann auch noch ersteigert.

Eine Kamera, ein Tablet und ein Handy neueren Datums für 235 Euro. 

Eine ältere Dame erzählt, dass sie den Überraschungskoffer nur deswegen ersteigert habe, weil der Enkel dringend einen brauche. 70 Euro für den Koffer mit Inhalt. Die Dame findet das, was drin ist, eher nicht so prickelnd aber: „Mein Enkel kann alles brauchen.“

Ganz so schlecht sieht das nicht aus: Teddybär, Handtasche, Minions-Kalender und sogar ein Campingkocher (alles neu) für 70 Euro plus natürlich den dringend benötigten Koffer

Wer mitgesteigert und das eine oder andere Schnäppchen gemacht hat, wer sich einfach nur bei einer Brotzeit im aufgestellten Zelt die Show von Walter Schreiner angesehen hat und der Auktionator selbst: Am Ende war der „Warenkorb“ an Fundsachen leer und die Leute gut unterhalten.

Mit einem Fahrrad zur Auktion und mit insgesamt dreien wieder nach Hause. Dieser Mitbieter wird seine ersteigerten Drahtesel wiederverkaufen. 
 „Dafür sind wir da“, resümiert Schreiner. In zwei Jahren wird er wieder kommen und wieder allerhand Fundsachen im Gepäck haben gepaart mit guter Laune. „Mir macht das Spaß!“

Rubriklistenbild: © Raphael Weiß

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