Konflikt um Abtreibungs-Gesetzgebung

Darum protestieren auch Mühldorfer Frauen gegen die polnische Abtreibungspolitik

Mit einer Online-Protestaktion auf Facebook wollen Beata Miklosz und ihre Mitstreiterinnen aus ganz Deutschland, darunter auch dem Landkreis Mühldorf, gegen die polnische Abtreibungs-Gesetzgebung protestieren.
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Mit einer Online-Protestaktion auf Facebook wollen Beata Miklosz und ihre Mitstreiterinnen aus ganz Deutschland, darunter auch dem Landkreis Mühldorf, gegen die polnische Abtreibungs-Gesetzgebung protestieren.

Mühldorf am Inn - Frauen sollen eine Wahl haben, ob sie eine Schwangerschaft, etwa bei Risiken für Leib und Leben oder nach einer Vergewaltigung, abbrechen wollen. Dafür, dass das auch in Polen gilt, protestieren auch Frauen aus der Region.

„Uns geht es darum, dass dieses Thema nicht in der Flut von aktuellen Themen untergeht“, berichtet Beata Miklosz aus Mühldorf am Inn gegenüber innsalzach24.de. Als Beitrag dazu, das Geschehen im Nachbarland mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rufen, hat sie eine Aktion auf Facebook organisiert. In einer Foto-Collage sind etwa 30 Frauen aus ganz Deutschland, darunter auch dem Landkreis Mühldorf zu sehen, die Schilder mit der Aufschrift „My body, my choice - Mein Körper, meine Wahl“ in die Kamera halten.


Massive Proteste in Polen gegen Abtreibungs-Gesetzgebung - Frauen aus Landkreis Mühldorf protestieren auf Facebook


Derzeit wird in Polen vermehrt gegen das dortige Abtreibungsverbot protestiert. Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, sind die Proteste eine neue Eskalation im Streit um das Abtreibungsrecht, um das in Polen seit Jahrzehnten gerungen wird. In der kommunistischen Zeit waren die Hürden für einen Schwangerschaftsabbruch niedrig - wie in den meisten Ostblock-Ländern. Nach der Wende drangen die katholische Kirche und konservative Eliten auf ein totales Abtreibungsverbot. Doch dafür gab es keinen gesellschaftlichen Konsens. 1993 einigte man sich auf einen Kompromiss, der bis zur jetzigen Entscheidung des Verfassungsgerichts gültig blieb.

In Polen wird vehement gegen das Abtreibungsverbot protestiert. Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

Bislang war ein Abbruch in Polen legal, wenn die Schwangerschaft das Leben oder die Gesundheit der Mutter gefährdet, Ergebnis einer Vergewaltigung ist oder wenn das Ungeborene schwere Fehlbildungen aufweist. Letzteres ist der häufigste Grund für eine Abtreibung, wie die Statistik des Gesundheitsministeriums zeigt, so die dpa weiter. So wurden von den 1110 Abtreibungen, die 2019 in polnischen Kliniken vorgenommen wurden, 1074 mit Fehlbildungen des ungeborenen Kindes begründet. Doch das soll nun laut Verfassungsgericht nicht mehr möglich sein.

In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch wiederum laut §218 des Strafgesetzbuchs erlaubt, wenn eine Gefahr für das Leben oder die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren, welche nur durch einen Schwangerschaftsabbruch abgewendet werden kann. Oder wenn Grund zu der Annahme besteht, dass die Schwangerschaft Folge einer Vergewaltigung oder einer vergleichbaren Sexualstraftat ist.

„Demokratie wird Schritt für Schritt zerstört!“

„In Polen wird die Demokratie Schritt für Schritt zerstört. Zuerst wurde die Unabhängigkeit von Gerichten verletzt, wogegen es bereits massive Proteste gab. Danach hat man in einigen kleinen Gemeinden LGBT-freie Zonen eingeführt. Jetzt möchte man es den Frauen verbieten, über ihre Schwangerschaft zu entscheiden, auch in sehr schweren Fällen, bei Gefahr für ihr Leben oder Vergewaltigungen“, klagt die Mühldorferin Miklosz. „Die Aktion bei Facebook ist das Mindeste, das wir tun können. Die Frauen dort in Polen riskieren viel, auch durch die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Das Gesundheitssystem dort ist jetzt schon am Limit, die Krankenhäuser ohnehin schon in schlechtem Zustand und nun nahe an der Belastungsgrenze!“

In Warschau gibt es wieder Proteste gegen eine Verschärfung des Abtreibungsrechts. Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

Sie unterstütze die Bewegung, da sie fest daran glaube, dass jede Frau diese extrem schwere Entscheidung alleine treffen müsse. „Mit noch schärferen Abtreibungsgesetzen wird man die Abtreibungen nicht verhindern. Das könnte die Regierung beispielsweise durch mehr Geld für Familien mit behinderten Kindern tun“, bemerkt sie. „Leider kann man von der staatlichen Hilfe mit einem kranken Kind in Polen nicht normal leben. Was sollen dann diese ärmeren Familien tun?“

„‚Es geht mir um die Selbstbestimmung des Menschen, sei es in der Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch oder um ein selbstbestimmtes würdiges Lebensende. Menschen in solchen extremen Belastungssituationen zu kriminalisieren ist falsch!“, berichtet eine weitere der an der Aktion beteiligten Frauen. „Frauen in Polen sind hierin Gefahr und ich empfinde es als meine Pflicht sie zu unterstützen und durch Aktionen wie diese zu signalisieren, dass sie nicht alleine kämpfen.“

hs mit Material der dpa

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