Träger trennt sich Ende März

Fachklinik Annabrunn steht vor dem Aus

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Nach 60 Jahren ist Schluss: Der Katholische Männerfürsorgeverein wird die Fachklinik nicht weiter betreiben. Ob es für die Einrichtung und die Mitarbeiter eine Zukunft über den 31. März hinaus gibt, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

Mühldorf - "Hoch defizitäre Situation": Der Träger wird sich Ende März nach 60 Jahren von der Fachklinik Annabrunn trennen. 30 Arbeitsplätze sind damit in Gefahr.

Die Fachklinik Annabrunn steht vor dem Aus. Wie der Katholische Männerfürsorgeverein (KMFV) bestätigte, wird sich der Träger nach 60 Jahren zum 31. März von der Einrichtung für Suchtkranke trennen. Damit sind 30 Arbeitsplätze in Gefahr.

Die Entscheidung ist bereits gefallen. "Der Männerfürsorgeverein wird die Fachklinik Annabrunn nicht über den 31. März hinaus weiter betreiben", bestätigte Ralf Horschmann, Pressesprecher des KMFV München, auf Anfrage des Mühldorfer Anzeigers. Grund sei die "hoch defizitäre Situation" der Einrichtung für alkohol-, medikamenten, glücksspiel- und nikotinsüchtige Männer im Alter von 25 bis 55 Jahren.

Eine Summe nannte Horschmann nicht. "Wir bewegen uns aber im sechsstelligen Bereich pro Jahr. Das können wir nicht mehr leisten, ohne unser Kerngeschäft der Wohnungslosenhilfe zu gefährden."

Aktuell stelle sich die Frage, ob und wie es mit der Einrichtung und den Mitarbeitern weiter geht. Man sei in Verhandlungen mit möglichen neuen Trägern für das Haus. Namen nannte Horschmann nicht. Nach Informationen der Heimatzeitung zeigt der "Deutsche Orden" Interesse als neuer Betreiber der Fachklinik. Der KMFV München bestätigte das nicht, auch der "Deutsche Orden" wollte sich nicht zu dem Thema äußern. Denkbar wäre laut Horschmann in Annabrunn vor allem eine soziotherapeutische Einrichtung der Suchthilfe.

Bis spätestens Ende September sollen die Sondierungsgespräche abgeschlossen sein, dann wissen auch die 30 Mitarbeiter aus den Bereichen Soziotherapie, Medizin, Pflege und Verwaltung, ob es für sie eine Zukunft in Annabrunn gibt. "Natürlich sind wir daran interessiert, die Arbeitsplätze zu erhalten."

Älteste Einrichtung dieser Art in Bayern

Dennoch ist es ein historischer Schritt, den der KMFV vollzieht. Der Männerfürsorgeverein hatte die Fachklinik 1955 als sogenannte "Trinkerheilanstalt für alkoholkranke Männer" gegründet. Bis heute ist sie mit ihren 52 Therapieplätzen in Einzel- sowie Zweibettzimmern die älteste Einrichtung dieser Art in Bayern. Neben der medizinischen Behandlung und der Psychotherapie ist auch die Arbeitstherapie fester Bestandteil des Konzepts in Annabrunn. Kostenträger der Rehabilitationsmaßnahmen sind die Deutsche Rentenversicherung in Bayern, Krankenkassen und Sozialhilfeträger. Dort sieht Pressesprecher Horschmann auch die Verantwortlichen für die finanzielle Misere der Fachklinik sitzen. "Wir erfüllen die Standards, die Auslastung der Einrichtung ist gut. Doch mit den Pflegesätzen können wir nicht kostendeckend arbeiten." Das sei kein Problem der letzten Jahre. "Das erste Defizit lief schon vor über einem Jahrzehnt auf."

Vor allem an der Spitze hat die Fachklinik Annabrunn turbulente Zeiten hinter sich. Bis 2012 leitete Dr. Michael Heidegger die Klinik, insgesamt 25 Jahre lang. Auch er beklagte zu seinem Abschied im Interview mit der Heimatzeitung das finanziell zu enge Korsett der Klinik: "Nur wenn wir zu 98 Prozent ausgelastet sind, arbeiten wir kostendeckend. Fehlen mir also nur zwei Patienten an einem Tag, zahle ich drauf."

Nachfolgerin Dr. Gabriele Kurtz leitete die Klinik nicht viel länger als ein Jahr. Dann sah sich der KMFV zum Handeln gezwungen - und holte 2014 kurzerhand Heidegger aus dem Ruhestand zurück.

Im Februar diesen Jahres nahm schließlich Dr. Jean-Felix Balsianu als neuer Leiter seine Arbeit auf. Zu der möglichen Schließung der Einrichtung im März wollte er sich auf Anfrage nicht äußern. Doch bei seiner Vorstellung hatte auch er bereits kritische Töne angeschlagen: "Wir müssen wohl noch mehr arbeiten und noch mehr sparen. Ohne das wird es nicht gehen."

ha

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