Flüchtlinge im Heilig-Geist-Spital

Mühldorf: Auf einen Tee mit den Asylbewerbern

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Der junge Asylbewerber Mussie Berhane aus Eritrea (hier mit Bürgermeisterin Marianne Zollner) hat sich bei den Mühldorfern für deren Gastfreundschaft bedankt
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Mühldorf - Im Heilig-Geist-Spital sind seit kurzer Zeit Flüchtlinge untergebracht. Die Anwohner möchten helfen - und eventuelle Missverständnisse unbürokratisch auflösen.

Seit einigen Tagen sind im Heilig-Geist-Spitals, das früher als Altersheim diente, Asylbewerber untergebracht. Auf einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend im Ökonomiestadel, insbesondere für die Anwohner, stellten sich Bürgermeisterin Marianne Zollner sowie mehrere Experten den Fragen der Bürger. Schnell wurde deutlich: Viele Menschen möchte helfen und haben Verständnis dafür, dass sich die Flüchtlinge meist erst einleben müssen.

Bürgermeisterin schlägt Teerunde vor

Derzeit ist Ramadan, weshalb die praktizierenden Muslime unter den Asylbewerbern bis Sonnenuntergang fasten. Das gesellschaftliche Leben beginnt damit quasi erst abends, jetzt im Hochsommer ist erst nach 21 Uhr Sonnenuntergang. Ein Anwohner erzählte, dass im Heilig-Geist-Spital mitunter nach 22 Uhr Musik gespielt würde, teils bei offenem Fenster. Zugleich räumte der Mühldorfer ein, dass die Flüchtlinge die Gepflogenheiten in der Kreisstadt erst noch kennenlernen müssten, wie etwa, dass um 22 Uhr die "Gehsteige hochgeklappt" würden.

Stadtpfarrer Roland Haimerl hat die Asylbewerber eingeladen, jederzeit in den Pfarrgarten zu kommen

Bürgermeisterin Zollner schlug vor, das Problem im kleinen Kreis zu lösen, und lud den Anwohner auf eine "Teerunde" ins Heilig-Geist-Spital ein. "Da setzen wir uns mit den Kerlen zusammen", sagte Zollner. Einer der jungen Kerle stellte sich im Ökonomiestadel gleich selbst vor: Mussie Berhane aus Eritrea. Der 22-Jährige spricht neben seiner Muttersprache Tigrinya ganz gut Englisch und konnte sich so direkt an die knapp 100 Mühldorfer wenden. Mussie dankte der deutschen Regierung, Bürgermeisterin Zollner und allen Mühldorfern. Außerdem habe ihm das Altstadtfest gut gefallen. Stellvertretend für seine Mitbewohner sagte er: "Wir lieben euch Deutsche alle."

Kapazität soll auf 75 Personen steigen

Obwohl bereits Flüchtlinge dort wohnen, befindet sich das Heilig-Geist-Spital gerade mitten im Umbau. Aktuell wird der zweite Stock des Altbaus hergerichtet. Im Gebäude dürfen im Moment nur knapp 30 Asylbewerber untergebracht werden. Langfristig soll dort eine Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 75 Menschen entstehen. Eine solche Einrichtung gibt es bereits (für 60 Personen) seit fünf Jahren unweit des Mühldorfer Bahnhofs.

Gemeinschaftsunterkünfte unterstehen direkt der Regierung von Oberbayern, die Asylbewerber sollen ihren Alltag weitgehend eigenständig bestreiten. "Die kaufen selber ein, die kochen selber", erklärte Zollner. Auch Kleiderspenden brauche es keine, von dem Geld, das die Asylbewerber monatlich erhalten (etwas weniger als der Hartz-IV-Satz), könnten sie etwa im Rot-Kreuz-Shop einkaufen. Anders als früher dürfen die Asylbewerber außerdem bereits nach drei Monaten in Deutschland arbeiten. Nichtsdestotrotz wird es in der Unterkunft einen Sozialarbeiter und einen Hausmeister geben.

Minderjährige werden tagsüber betreut

Sandra Riedl ist Flüchtlingsbetreuerin für unbegleitete Minderjährige

Eine Besonderheit des Heilig-Geist-Spitals ist, dass dort auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) untergebracht sind, weil in Waldwinkel inzwischen zu wenig Platz ist. Diese sind im Flachbau direkt neben dem Altbau untergebracht, wohnen also nicht in der künftigen Gemeinschaftsunterkunft. Im Moment wohnen in Mühldorf 15 UMF, 13 aus Syrien und zwei aus Afghanistan. Wie Sandra Riedl vom Berufsbildungswerk Waldwinkel erklärte, absolvieren die UMF zunächst zwei Berufsintegrationsjahre und anschließend eine zwei- bis dreijährige Berufsausbildung. "Dieses Jahr schließen die ersten Jugendlichen ihre Ausbildung ab", sagte Riedl.

Die Minderjährigen werden in Mühldorf freilich besonders intensiv betreut. "Die sind nicht alleine gelassen. Das sind ja praktisch noch Kinder", sagte Zollner. Riedl zufolge werden die Jugendlichen mindestens von 8 bis 22 Uhr pädagogisch betreut. Über Nacht ist ein Sicherheitsdienst in der Unterkunft, der für den Fall der Fälle die privaten Handynummern der Betreuer aus Waldwinkel hat. Auch die Anwohner könnten sich bei Problemen an das Berufsbildungswerk wenden, erklärte Riedl.

Polizei: "Nahezu überhaupt keine Probleme"

Ein Anwohner fragte nach, wieso das Gebäude umgebaut und der Brandschutz verbessert werden müsse, wo doch bis vor einiger Zeit dort noch Senioren untergebracht waren. Dazu erklärte Ilona Brunner von der Caritas, dass man mit dem Altersheim in dem Gebäude nur noch geduldet gewesen sei und gerne früher ausgezogen wäre. Außerdem hätte bei einem Altersheim keine Gefahr von Brandanschlägen bestanden. Zudem seien nachts immer mehrere Betreuer anwesend gewesen.

Sollte es mal Probleme geben, könne man sich an sie wenden, erklärte Brunner. "Wenn man der Situation ein bisschen mit Humor begegnet, dann bringen wir das alle hin." Dass es (größere) Probleme gibt, ist aber eher unwahrscheinlich. Angelika Deiml, Leiterin der Polizeiinspektion Mühldorf, sagte, dass es mit den in Mühldorf untergebrachten Asylbewerbern nahezu überhaupt keine Probleme gebe. Man habe auch keine Auffälligkeiten festgestellt.

Schulungen für Ehrenamtliche

Viele der anwesenden Mühldorfer mahnten Verbesserungen in der Koordinierung der Ehrenamtlichen an, auch Rufe nach einem Leitfaden für Helfer wurden laut. Zollner bat diesbezüglich um Geduld. "Es hilft uns gar nicht, wenn wir Schuldzuweisungen machen." Es müsse sich alles einspielen, so Zollner. Ein bisschen was tut sich aber schon: Wie eine Vertreterin der AWO erklärte, würden demnächst im Haus der Begegnungen Schulungen für Ehrenamtliche angeboten.

Insgesamt sind in Mühldorf im Moment etwa 150 Asylbewerber untergebracht. Zum Jahresende wird die Zahl - gemäß dem derzeitigen Verteilungsschlüssel - auf 298 steigen.

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