Bürgermeisterkandidatin Marianne Zollner (SPD)

Zollner: "Für die Menschen vor Ort eingesetzt"

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Bürgermeisterkandidatin Marianne Zollner (SPD)

Mühldorf - Eine Sportanlage im Altmühldorfer Tal und ein Neubau am Stadtplatz 58: Diese Pläne für die Stadt hat Bürgermeisterkandidatin Marianne Zollner (SPD).

Stadtplatz 58, Verkehr und die Zukunft der Vereine: Unsere Redaktion hat den Mühldorfer Bürgermeisterkandidaten Dr. Georg Gafus (Grüne), Stefan Lasner (CSU), Andreas Seifinger (UWG), Karin Zieglgänsberger (Freie Mühldorfer) und Marianne Zollner (SPD) 13 Fragen zur Mühldorfer Stadtpolitik gestellt. Lesen Sie hier die Antworten von Marianne Zollner:

Was ist in den letzten Jahren richtig gelaufen in der Stadt?

Die Stadt Mühldorf hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten sehr gut entwickelt. Es wurden neue Siedlungsgebiete erschlossen, das Industriegebiet füllte sich mit Firmen, die Hauptschule wurde gebaut, ein neuer Stadtsaal, die Grundschulen saniert – und ein hervorragendes Kulturprogramm mit dem Kulturzentrum Haberkasten auf die Beine gestellt.

Mühldorf ist die zentrale Einkaufsstadt in der Region geworden, die die umliegenden Städte an Attraktivität längst überholt hat. Und Mühldorf hat auf dem sozialen Sektor dazugewonnen. Die benötigte Zahl von Kinderbetreuungsplätzen ist in Kürze erreicht. Für die Senioren wird gerade im Zentrum der Stadt ein modernes und allen Ansprüchen gerechtes Seniorenheim gebaut. Die Stadtwerke Mühldorf versorgen uns alle mit 100% Ökostrom, der aus Wasserkraft und Photovoltaik gewonnen wird.

Was hätte man in den letzten Jahren besser machen können?

Das hohe Tempo der Stadtentwicklung bedingte schnelle Entscheidungen. Hier wurden die Bürgerinnen und Bürger zu wenig in die Planungen einbezogen und über die laufenden Projekte informiert.

Welche politischen Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?

Ein Projekt vor Ort ist mir wichtig: Das friedliche Zusammenleben aller Kulturen in Mühldorf. Hier sollte ein internationales Forum gegründet werden mit Vertretern aus den verschiedenen Nationalitäten, die bereits in Mühldorf ansässig sind. Aus meiner bisherigen Erfahrung in der Zusammenarbeit mit diesen Menschen weiß ich, dass alle ein großes Interesse daran haben. Die Förderung der Kinder gehört hier in hohem Maße dazu. Sie brauchen gute Startchancen für ein selbstbestimmtes Leben in unserer Gesellschaft.

Wichtig ist mir auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für junge Eltern. Hier sind vor allem flexible Angebote an Kinderbetreuung gefragt. Tagesmütter werden dabei eine wichtige Rolle spielen.

Überörtlich sehe ich hier die Fertigstellung der A 94 und den zweigleisigen Ausbau der Bahn als wichtige Projekte.

Auf Bundesebene muss dafür gekämpft werden, dass die Kommunen eine höhere Beteiligung an der Einkommensteuer bekommen, damit sie ihre Aufgaben vor Ort besser erfüllen können. Wenn immer mehr Aufgaben auf die Kommunen abgewälzt werden, muss auch eine entsprechende finanzielle Ausstattung damit einhergehen.

Welche wirtschaftliche Entwicklung wünschen Sie sich für die Stadt und wie wollen Sie diese unterstützen?

Die bisherige gute Wirtschaftspolitik muss fortgesetzt werden. Es gilt, die Mühldorfer Firmen in ihren Anliegen zu unterstützen, neue Firmen anzusiedeln und dafür eine gute Grundstückspolitik zu betreiben. Denn ohne Grundstücke kann keine Firma nach Mühldorf kommen.

Damit die Firmen gute Fachkräfte bekommen, brauchen wir in Mühldorf eine gute Lebensqualität. Dazu gehören Familienangebote wie z. B. Kinderbetreuung, ein Familienzentrum, gute Schulangebote, Freibad und Hallenbad, Sportmöglichkeiten und ein gutes Kulturangebot. Denn wenn die Familien nicht nach Mühldorf ziehen wollen, dann kommen auch die Facharbeiter nicht.

Das Breitbandnetz muss ausgebaut werden. Ein flächendeckendes schnelles Internet ist für die wirtschaftliche Weiterentwicklung äußerst wichtig. Hier hat die Stadt Mühldorf bereits erste Schritte in die Wege geleitet, um finanzielle Unterstützung aus dem Ausbauprogramm des bayerischen Staates zu erhalten. Auch die Verkehrsanbindung spielt für die Firmen eine große Rolle. Die Fertigstellung der A94 und der zweigleisige Ausbau der Bahn sind dringend erforderlich.

 Was muss mit dem Haus am Stadtplatz 58 geschehen? Sollte es abgerissen oder saniert werden?

Wir müssen handeln, denn die Genehmigung für den Betrieb des Kindergartens läuft 2016 aus. Es ist weder der Brandschutz gewährleistet, noch entspricht der Kindergarten den Vorschriften der Inklusion, sprich, der Kindergarten ist nicht behindertengerecht.

Ich plädiere für einen Neubau. Da das alte Kloster im 19. Jahrhundert bereits abgerissen wurde, ist wenig historische Bausubstanz vorhanden. Mit einem Neubau haben wir mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Wie soll der Standort am Stadtplatz 58 künftig genutzt werden?

Ein Neubau am Stadtplatz 58 hat für die Innenstadtentwicklung drei große Vorteile:

1. Die Einkaufsstadt Mühldorf wird durch ein großes Einzelhandelsgeschäft gestärkt.

2. Im hinteren Areal befindet sich ein neuer Kindergarten, behindertengerecht, mit großen Fenstern, zusätzlichen Spiel- und Bewegungsräumen und einem Spielplatz. Die hinteren Fassaden werden ansprechend gestaltet und begrünt.

Vorteil 3: Die Stadtbau ist Bauherr. Wir haben die Möglichkeit selbst zu gestalten. Das Gebäude wird mit einer schönen Innstadtfassade den Stadtplatz bereichern.

Wer soll über die Zukunft des Hauses am Stadtplatz 58 entscheiden, der Stadtrat oder die Bürger in einem weiteren Bürgerentscheid?

Die Bürgerinnen und Bürger sollen am 16. März entscheiden, wer im Stadtrat ihre Interessen vertreten soll. Dann sollen die neuen Stadträte darüber entscheiden. Die Mühldorfer sollen stets Kontakt halten mit ihren Vertretern im Stadtrat.

Bürgerentscheide kosten viel Zeit und Geld. Bürgerentscheide sollten die Ausnahme sein, sind aber wichtig, wenn Entscheidungen gegen die Mehrheit der Volksmeinung gefällt werden.

Wie wollen Sie generell künftig die Bürger in die Entscheidung über größere Projekte und Vorhaben einbinden?

Bürgerinnen und Bürger müssen vorzeitig informiert werden über größere Projekte. Ich werde öffentliche Vorträge über geplante größere Vorhaben organisieren. Ich hätte z. B. das Wasserwirtschaftsamt gebeten, die Flussbaumaßnahmen zum Hochwasserschutz in einer öffentlichen Veranstaltung vorab zu erklären. Dann hätte sich mancher Protest erübrigt.

Es gibt heute auch die Möglichkeit, mit einer Online-Plattform ein Meinungsbild einzuholen. Hier kann eine interaktive Plattform, z. B. „Mühldorf-Online“ zur Bürgerinformation eingerichtet werden.

Wo könnte Ihrer Meinung nach ein neues Sportzentrum entstehen?

Es sind drei Standorte in der Diskussion, wovon jeder seine Vor- und Nachteile hat. Hier gehe ich nach dem Ausschlussprinzip vor. Die Rennbahn kommt nicht mehr in Frage. Die beiden anderen Standorte müssen noch genau geprüft werden.

Das Rennbahngelände bringt zu viele Überschneidungen im Sommerhalbjahr: Spielbetrieb des FC mit 26 Mannschaften und über 400 Kindern mit dem Motorsportclub, Oldtimerclub, Parkplätze für Volksfest, die INN-Messe, Open-Air u.a. Wenn ich mir vorstelle, dass die Kinder vom Kabinentrakt erst über die Rennbahn zwischen den parkenden und Parkplatz suchenden Autos hindurch laufen müssen, um zum Fußballplatz zu kommen, dann halte ich das für keine gute Lösung. Auch behindern sich hier Vereine und Stadt gegenseitig. Damit demotivieren wir viele ehrenamtlich Tätige in den Vereinen, weil Streit zwischen den Geländenutzern vorprogrammiert ist. Dafür dürfen wir nicht so viel Geld ausgeben.

Ein Sportzentrum im Norden in Anbindung der Mittelschule wäre ein gute Lösung. Der Sportplatz der Mittelschule ist allerdings durch die Schule und viele Sportvereine auch schon voll ausgenutzt. Der FC Mühldorf braucht ein Riesenareal für mindestens dreieinhalb Fußballplätze und Kabinentrakt. Im Norden muss erst Grund erworben werden bzw. wertvoller Siedlungsgrund für den Sportplatz verwendet werden. Mit den Baumaßnahmen dazu wird das eine sehr teure Angelegenheit.

Zu überprüfen ist die Sportanlage im Altmühldorfer Tal mit Zufahrt von der B12. Hier ist der Grund vorhanden, der Verkehrsanschluss ist über die alte B12 möglich. Erweiterungsmöglichkeiten sind auch vorhanden. Der Standort wäre ideal, wenn er nicht manchmal überschwemmt wäre. Das Wasserwirtschaftsamt hat aber schon signalisiert, dass es trotzdem möglich wäre. Denn Hochwasser ist nicht gleich Hochwasser. Wenn das Wasser nicht zu hoch steht, halten sich die Schäden in Grenzen. Durch viele Flußbaumaßnahmen am Inn werden bereits in Österreich, in Kufstein, Rosenheim, Kolbermoor, Wasserburg etc. mehr Rückstauflächen für das Wasser geschaffen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei uns das Hochwasser bis zur B12 und darüber hinaus ausbreitet. Genau am Ende dieses Areals liegt das Altmühldorfer Tal. Mit einer entsprechenden Ausstattung eines Hartrasenplatzes (durchlässiger Boden) können die Schäden durch Hochwasser in Grenzen gehalten werden.

In welcher Form sollte Stadt die Mühldorfer Sportvereine künftig unterstützen?

Nach den bisherigen Sportförderrichtlinien bekommt bereits jeder Verein Unterstützung für die Jugendarbeit und Unterstützung bei Investitionen. Die SPD hat vor zwei Jahren beantragt, die Hallengebühren für Vereine abzuschaffen. Für die Jugendarbeit konnten wir das durchsetzen. Aber wir wollen auch einen Erlass der Gebühren für die Erwachsenen-Sportangebote.

Viele Vereine haben zur Zeit große Vorhaben: Fußballzentrum, Turnhalle, Schießsportanlagen. Hier muss die Stadt nach Kräften unterstützen, denn die Vereinsmitglieder können nicht aus privater Tasche große Summen bezahlen. Es wird Aufgabe des neuen Stadtrates sein, die Richtlinien zu überarbeiten, damit eine größere finanzielle Unterstützung für Vereine möglich wird.

Welche Verkehrsprojekte muss die Stadt in Angriff nehmen und wie können diese finanziert werden?

Dringlichkeitsstufe 1 hat bei mir die Europastraße. Denn die Verkehrssituation in Mühldorf Nord an der Mittelschule ist sehr unbefriedigend. Viele PKW fahren direkt über die Siedlungen zur Nordtangente. Sie können dann die kürzere Verbindung über die Europastraße nutzen. Auch für die Schulbusse ist sie sehr wichtig. Das nächste Projekt ist der Steg über den Innkanal. Hier können die Fußgänger und Radfahrer auf kürzerem Weg und sicherer zum Bahnhof und in die Innenstadt fahren. Die Finanzierung wird über den Investitionshaushalt der Stadt Mühldorf und über Zuweisungen vom Land Bayern erfolgen.

Braucht die Stadt ein Parkdeck und wie könnte es finanziert werden?

Wir haben ein Parkplatzproblem in der Innenstadt. Ein neues Parkhaus am Standort des Hallenbades oder direkt daneben kann das bestehende Parkplatzproblem lösen. Bei Abbruch des Hallenbades erhalten wir Fördermittel aus dem Städtebauförderungsprogramm. Damit das Parkhaus nicht zu hoch wird, wird ein Untergeschoß gebaut. Bauherr werden die Stadtwerke sein. Sie müssen das Geld zu 100% finanzieren. Deshalb können die Parkplätze nicht kostenlos sein. Die Refinanzierung erfolgt über Parkgebühren.

Warum sollten die Wähler gerade Ihnen das Vertrauen schenken?

Die Mühldorferinnen und Mühldorfer können mir Ihr Vertrauen schenken, denn ich habe mich bereits in der Vergangenheit für die Menschen vor Ort eingesetzt und werde dies auch in Zukunft mit Herz und Sachverstand tun. Seit 25 Jahren bin ich bei der Mühldorfer AWO engagiert, seit 20 Jahren begeistere ich mit historischen Stadtführungen Menschen für unsere wunderbare Innstadt.

Als Leiterin des Hauses der Begegnung habe ich viele Hilfen für alle Generationen in die Wege gebracht: Familienunterstützung, Kinderbetreuungsbörse, Seniorentreffs, Betreuung für Demenzpatienten zur Entlastung der Angehörigen – das Café Memory – und vieles mehr. Als Sozialmanagerin habe ich die Verantwortung für fast eine Million Euro Jahresbudget, 25 Angestellte, viele Honorarkräfte und Ehrenamtliche.

Ich bin seit Jahren aktiv in den Stadtgesprächen und habe den „Sonntag am Inn“ ins Leben gerufen. Als Stadträtin und Fraktionsvorsitzende habe ich kommunalpolitische Erfahrung gesammelt. Darüber hinaus habe ich mir auf vielen Wochenendseminaren fundiertes Wissen angeeignet, wie kommunale Verwaltung funktioniert.

Ich bin nicht erst seit der Kandidatur an Mühldorfs Wohlergehen interessiert.

Ich weiß, wo die Mühldorferinnen und Mühldorfer der Schuh drückt. Und ich weiß, wie unsere Stadt funktioniert.

Deshalb will ich zukünftig als Bürgermeisterin für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt arbeiten.

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