Behindertenparkplatz am Bahnhof

Reichlich Platz - nur nicht für Behinderte?

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Mitunter gleich zwei Fahrzeuge auf einmal belegen den Behindertenparkplatz am Bahnhof. Breit genug ist er ja, allerdings aus einem anderen Grund.
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Mühldorf - Der Behindertenparkplatz am Bahnhof wird sonntagvormittags rege frequentiert – doch nur sehr selten parkt dort jemand, der dazu tatsächlich berechtigt ist.

Der Behindertenparkplatz am Bahnhof wird jeden Sonntagvormittag rege frequentiert. Allerdings parkt dort nur selten ein Rollstuhlfahrer oder sonst jemand, der dort tatsächlich parken dürfte.

Erich Brunnhuber, Behindertenbeauftragter der Stadt, kennt das Problem mit den Behindertenparkplätzen. Nicht nur am Bahnhof, sondern bespielsweise auch am Stadtplatz belegten immer wieder Autofahrer ohne Berechtigung die Behindertenparkplätze - gerne um "nur mal schnell" was zu erledigen. Dies sei aber genauso schlimm, wie wenn man länger auf einem Behindertenparkplatz steht, sagt Brunnhuber. Am Bahnhof befindet sich auch eine Behindertentoilette – praktischerweise gleich gegenüber dem Behindertenparkplatz. Das ist aber nur dann wirklich praktisch für Rollstuhlfahrer, wenn der Behindertenparkplatz frei ist.

Zu den Stoßzeiten  - etwa sonntagvormittags, wenn viele Menschen im Zeitschriftenladen oder beim Bäcker im Bahnhof einkaufen - parkt dort mitunter alle paar Minuten ein anderer Autofahrer "kurz" auf dem Behindertenparkplatz, der dadurch oftmals viele Minuten durchgehend belegt ist. Teilweise nutzen gleich zwei Kleinwagen auf einmal den Parkplatz - breit genug ist er ja.

Behindertenbeauftragter für mehr Kontrollen

Ja, das ist eigentlich ein Behindertenparkplatz - und kein Doppelparkplatz für Kleinwagen.

Wie Brunnhuber erzählt, hätten die nichtbehinderten Bürger oftmals nur wenig Verständnis für die Parkplatzproblematik. Viele würden argumentieren, dass es ohnehin so wenige Parkplätze gebe. Warum dann ein Behindertenparkplatz freigehalten werden sollte, erschließt sich vielen nicht. "Aber wenn mal einer dahin möchte, dann ist keiner da", bringt es Brunnhuber auf den Punkt. Er selbst habe schon mehrfach moniert, dass manche Behindertenparkplätze häufig belegt seien. Seiner Einschätzung nach dürfte ruhig häufiger kontrolliert werden, wer auf den Behindertenparkplätzen parkt.

Ein Problem dabei: Nicht zu jeder Zeit ist die kommunale Verkehrsüberwachung aktiv. Wie Brunhuber sagt, seien die Politessen nur werktags unterwegs. Außerdem gibt es verschiedene Parkplätze, die die Stadt grundsätzlich nicht kontrolliert. Dazu gehört auch der Behindertenparkplatz am Bahnhof. Die Fläche gehöre der Bahn und auch die Parkplätze würde das Unternehmen bewirtschaften. Deshalb kontrolliere die Stadt dort nicht, heißt es seitens der Stadt auf Anfrage.

Die Kontrolle der Parkplätze am Bahnhof übernimmt die Bundespolizei. Nach Auskunft der Südostbayernbahn gebe es dafür keinen festen Plan, allerdings würde - wie bei allen anderen Parkplätzen der Bahn - routinemäßig kontrolliert. Das Unternehmen möchte nun auf die Bundespolizei zugehen, damit künftig vermehrt zu den Stoßzeiten kontrolliert werde.

Auch die Mühldorfer Polizei darf kontrollieren

Obwohl der Parkplatz der Bahn gehört, dürfen auch die Beamten der Mühldorfer Polizeiinspektion die Parkplätze kontrollieren, wie Jürgen Zehentbauer, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Mühldorf, erklärt. "Wem das Grundstück letztendlich gehört, ist egal. Wichtig ist, dass richtig beschildert ist", so Zehenbauer. Kurzum: Der Parkplatz muss lediglich korrekt als Behindertenparkplatz ausgewiesen sein, damit die Polizei tätig werden darf.

Ständige Kontrollen der Behindertenparkplätze seien jedoch nicht möglich, räumt Zehentbauer ein. "Im Rahmen der normalen Streifenfahrt wird das aber sicherlich auch überwacht", sagt der Polizeihauptkommissar. Die Verkehrsüberwachung sei rund um die Uhr Aufgabe der Polizei. "Es ist nicht so, dass die Polizei das nicht macht. Wir machen das schon und verteilen auch Tickets, aber es gibt natürlich auch andere Aufträge, die wichtiger sind."

Polizei dürfte notfalls abschleppen lassen

Dieses Problem kennt auch Erich Brunnhuber. "Sie schauen schon, aber sie haben zu wenig Zeit und zu wenig Personal", findet der Behindertenbeauftragte. Häufig würde die Polizei nur bei konkreten Problemen aktiv, für Routinekontrollen der Behindertenparkplätze fehlte schlicht die Zeit. Sollte ein Behinderter tatsächlich auf einen gerade blockierten Behindertenparkplatz angewiesen sein, bleibt ihm deshalb mitunter nur der Anruf bei der Polizei. "Wenn natürlich jemand konkret anruft, dann werden wir tätig", erklärt Polizeihauptkommissar Zehentbauer. "Und das kann sogar bis zum Abschleppen führen."

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