Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Aus der Risikogruppe 3

Meine erste Dosis Hoffnung: OVB-Reporterin in Mühldorf mit AstraZeneca gegen Corona geimpft

Zügig werden die Mühldorfer im Impfzentrum an der Mainstraße aufgerufen: kein Stau im Wartebereich.
+
Zügig werden die Mühldorfer im Impfzentrum an der Mainstraße aufgerufen: kein Stau im Wartebereich.

Sie hat AstraZeneca intus: OVB-Reporterin Andrea Klemm wurde in ihrer Heimatstadt Mühldorf im Impfzentrum geimpft. Weil zu wenige Menschen der Risikogruppe 2 sich anmelden und die Skepsis gegenüber dem Vektorimpfstoff groß ist, bekam die 40-Jährige wegen ihrer Autoimmunerkrankung einen früheren Termin.

Mühldorf – Ich hab ihn intus, den Vektorimpfstoff von AstraZeneca – und bin sehr froh darüber. Mit Astra gegen Corona – klingt wie eine schlechte Bierreklame vom Kiez. Ist aber für mich das Ticket zurück zu mehr Normalität. Die Nebenwirkungen nehm‘ ich gern in Kauf.

Impfstoff zu Unrecht schlecht geredet

OVB-Reporterin Andrea Klemm gehört aufgrund einer Autoimmun-Erkrankung zur Risikogruppe 3. Dank der AstraZeneca-Lieferungen an den Landkreis Mühldorf, wurde sie schon jetzt geimpft.

Zu Unrecht wird „AZD1222“ schlecht geredet, aus jedem Zwischenergebnis der Studie wurde eine Schlagzeile. Mir ist egal, ob er nur 70-prozentigen Schutz vor einer Infektion gegen Covid19 bieten soll. 70 Prozent ist besser als gar nichts. Zudem soll er neuesten Erkenntnissen zufolge einen über 90-prozentigen Schutz vor einem schweren Verlauf mit sich bringen.

Risikogruppe 3

Da ich (40) zur Risikogruppe 3 gehöre (Autoimmun-Geschichten) lege ich keinen gesteigerten Wert auf irgendeinen Verlauf. Maske und Social Distancing? Ja, bitte! Grantlern wie mir spielt das in die Karten.

Hatte ich zunächst laut Impfterminrechner mit dem ersten Pieks zwischen Mai und August zu rechnen, purzelte ich überraschend und dank der Lieferungen von zusätzlichen AstraZeneca-Impfdosen die an den Landkreis Mühldorf gingen, im Online-Portal bei der Terminvergabe nach vorn.

Nachgehakt beim Gesundheitsamt

„Das kann doch nicht sein, da hat sich der depperte Computer vertan“, war meine erste Reaktion. Meine zweite: Ich will auf keinen Fall jemandem, der die Impfung dringender braucht, den Platz wegnehmen. Meine dritte: Stuft mich die. Impftermin-Software BayIMCO etwa als morbider und malader ein, als ich es bin? Schlagartig fühlte ich mich gebrechlich.

Nur an Menschen unter 65 Jahren

Nach aufgeregten Anrufen beim Gesundheitsamt und der Corona-Hotline am Landratsamt die Klärung: „Nehmen Sie den Termin ruhigen Gewissens an, das hat alles seine Richtigkeit“, sagte mir Daniela Lasner vom Gesundheitsamt.

So wurden im Februar insgesamt 1900 Dosen AstraZeneca geliefert, die wiederum nur an Menschen unter 65 Jahren verimpft werden dürfen, weil für Ältere keine Studienergebnisse vorliegen. Und der Computer kann ja nur aus dem Pool der Registrierten auswählen. „Wenn sich zu wenige Leute mittleren Alters anmelden, zieht das System Jüngere mit Risikostufe vor“, so Lasner.

Menschen zu skeptisch

Dazu kommt wohl auch die Skepsis gegenüber des britisch-schwedischen Impfstoffes. Die meisten wollen lieber „das gute Zeug“ von Biontech. Die Unterschiede dürften am Ende marginal sein. Um das Virus auszutrocknen, kommt es auf die Menge der Geimpften an.

Lesen Sie auch: „Meilenstein“: Zweitimpfungen in Alten- und Seniorenheimen im Landkreis Mühldorf abgeschlossen

Dass nun jene drankommen dürfen, die AstraZeneca auch haben wollen, ist richtig. Was bringt es, die alte Impfstrategie strikt nach Gruppen einzuhalten, wenn sich zu wenige anmelden und die Dosen liegen bleiben? Und angesichts der Mutationen, die näher rücken, ist es töricht, aus der Impfstoffauswahl ein Luxusproblem zu machen.

Die Impfung ist wie ein Lichtblick

Nun hab ich mich pieksen lassen. Geimpft zu werden hat sich gut angefühlt: nach Hoffnung. Und das nicht nur, weil Studien Anlass dazu geben. Man sei vor der Weitergabe des Virus recht zuverlässig geschützt.

Auch interessant: Vorteile für Corona-Geimpfte? Bad Feilnbacher Chefarzt sieht ein Problem in der Diskussion

Das klingt sehr erfreulich: nach Licht am Ende des Tunnels. Auch ich als Journalistin habe Sehnsucht nach guten Nachrichten während dieser vermaledeiten Pandemie. Und jeder Geimpfte ist – wenn man die Gesamtsituation betrachtet – eine gute Nachricht.

Anfangs selbst zögerlich

Natürlich war ich anfangs skeptisch, als ich hörte, nach nicht mal einem Jahr Pandemie gibt es einen Impfstoff. Eine Zeit lang war ich tatsächlich zögerlich. Doch dann sagte ich mir, die Medizin ist heute so weit.

+++ Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite

Wo wären wir denn ohne Impfungen? Ich sag‘ nur Pocken, Polio und Masern. Außerdem bin ich auf meinen Abenteuerreisen etwa nach Afrika auch nicht zimperlich gewesen, wenn ich mich gegen Denguefieber oder Cholera impfen ließ.

Wo sind meine Gummibärchen?

Sehr professionell geht es zu im Impfzentrum in Mühldorf, das Personal ist freundlich und die Impfwilligen scheinen gut gelaunt zu sein. Ich treffe alte Bekannte aus der Schulzeit, die frohen Mutes ihren unverhofft frühen Impftermin antreten. So wie ich.

Da hat es dann auch mal einen Vorteil, wenn man schon als noch junger Mensch sein halbes Leben lang Tabletten futtern musste. Schade ist nur, dass ich nach der Spritze keine Gummibärchen bekam, wie damals beim Kinderarzt. Das wär noch meine Anregung ans Impfzentrum.

Meine Erfahrungen:

Nebenwirkungen: Vor der Spritze werde ich von einer Ärztin aufgeklärt. Sie geht mit mir den Anamnesebogen durch, den man sich vorab auf www.impfzentrum-muehldorf.de herunterladen und ausdrucken muss, genauso wie den Einwilligungsbogen. Wir sprechen kurz die Vorerkrankungen durch, ebenso die möglichen Nebenwirkungen. Manche Impflinge spüren gar nichts, andere bekommen beispielsweise Grippe-Symptome.

Sie gibt mir den Tipp, nach der Impfung eine Paracetamol zu schlucken. Der Arm schmerzt ein wenig nach dem Pieks, etwa vier Stunden später beginnen Kopfschmerzen, sieben Stunden später setzen arge Gliederschmerzen und heftiger Schüttelfrost ein. Sechs Stunden dauert dies an, dann ist das Schlimmste überstanden, die Kopfschmerzen halten sich noch am nächsten Tag. Insgesamt habe ich gut 24 Stunden mit den Symptomen zu tun. Und ich bin tagelang müde. Es gibt Schlimmeres.

Kommentare