Landtags-Kandidaten aus Kreis Mühldorf berichten

Diese Erfahrungen mit Bedrohungen und Belästigungen machten sie

+
von oben links im Uhrzeigersinn: Oliver Multusch (AfD), Marcel Huber (CSU), Kilian Maier (SPD), Markus Saller (Freie Wähler), Judith Bogner (Bündnis 90/Die Grünen) und Peter Corticelli (FDP).
  • schließen

Landkreis - Der Landtags-Wahlkampf nimmt Fahrt auf. Gleichzeitig wird auch der Ton in sozialen Medien schärfer und es kommt sogar zu Vandalismus. Wir haben Kandidaten aus dem Landkreis Mühldorf gebeten, ihre Erfahrungen zu schildern:

Kilian Maier (SPD): 

Kilian Maier

"Seit Beginn des Landtagswahlkampfes wurde ich mehrmals direkt und indirekt Opfer von Bedrohung und Vandalismus. Normale Übergriffe und Beleidigungen finden sich in jedem Wahlkampf wieder. Da passiert es, dass man am Infostand mit Vollidiot oder Volksverräter betitelt wird. Ich versuche mich aber auf die Vielzahl von positiven Rückmeldungen zu konzentrieren.

Lesen Sie auch:
Wahlplakate zerstören ist kein Kavaliersdelikt - diese Strafen drohen

Eine ganz andere Qualität haben jedoch Angriffe mit Bedrohungspotential gegen mich. So unter anderem das Durchtrennen meines Kopfes auf einem Wahlbanner oder das Einbrennen eines Kopfschusses auf Wahlplakaten. Hier kann man nicht mehr nur von schlechtem Benehmen oder geäußerter Unzufriedenheit sprechen. Diese Taten sind hasserfüllte Aktionen gegen meine Person. Bei so etwas bin ich im ersten Moment nur fassungslos und erschrocken, wo wir uns Gesellschaftlich aktuelle hinbewegen.

Solcher hasserfülltere Vandalismus ist meiner Meinung nach klar darauf zurück zu führen, dass ich Stellung gegen rechten Hass und Hetze beziehe. Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit sind weder durch Worte noch durch Taten zu tolerieren. Darauf auch in Mühldorf und Altötting hinzuweisen, sehe ich als elementaren Bestandteil meiner Politik an. Nicht die Augen zu verschließen sondern sich aktiv gegen die zu stellen, deren Politik auf Ausgrenzung und Hass beruht.

Auf sozialen Medien biete ich rechten Parteien und Gruppierungen schon länger eine Hassfigur. Neben Beleidigungen wie 'Göbbels', 'du solltest dir deine Medikamente neu einstellen lassen' oder 'SED-Zögling' bin ich auch Teil von Verschwörungstheorien der AfD. Unter anderem soll ich der Anführer einer Militanten Tarnorganisation im Landkreis sein.

Diese Arten von Übergriffen sind ein Ausdruck davon, wie aktuell rechte politische Strömungen in die Realität umschlagen. Für mich steht jedoch eine offene, junge und engagierte Politik im Vordergrund. Die sich nicht gegen Menschen richtet sondern die Probleme der Bevölkerung wie Wohnungsnot, Niedriglöhne oder Pflegenotstand anpacken."

Marcel Huber (CSU):

Marcel Huber

"Ich bin froh, solche Erfahrungen noch nicht gemacht zu haben. Der Ton in den sozialen Netzwerken ist rauer geworden. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen wieder mit mehr Respekt und Anstand miteinander umgehen würden"

Judith Bogner (Grüne):

Judith Bogner

"Im laufenden Wahlkampfjahr haben wir Mühldorfer Grünen, wie viele andere grüne Kreisverbände, erschreckende Hetzangriffe in den Sozialen Medien erfahren. Kein zivilisierter Mensch würde sich trauen, mir das ins Gesicht sagen, was einem hier entgegenschlägt. Das interessante dabei: Unter 20 Facebook Kommentaren sind dabei klar erkennbar höchstens zwei, die von echten Menschen stammen. Ich bin seit den Gründungstagen von Facebook auf der Platform präsent und mit Sprache umzugehen ist mein Beruf, also kenne ich den Unterschied. 

Was diese zwei echten Menschen dann schreiben, stellt sich schnell als Vorurteile und Verallgemeinerung heraus, wenn man mit ihnen spricht. Oft heißt es, man meine mich nicht persönlich. Manchmal kommt tatsächlich eine Entschuldigung. Die anderen sind gezielte Angriffe einer Trollarmee, die als virtuelle Armee weltweit im Schichtdienst arbeitet und regelmäßig Angriffsziele attackiert. Man kann an den Uhrzeiten erkennen, welche Zeitzone gerade "Dienst" hat, wenn etwa aus Australien kommentiert wird. Oft ist auch die deutsche Ausdrucksweise so unbeholfen, dass es fast komisch wirkt. 

Ich melde diese falschen Profile und Kommentare regelmäßig bei Facebook. Dann verschwindet das Profil. Am nächsten Tag taucht ein neues auf mit einer andern Hetze. Beiträge der AfD stacheln die Hetze an. In jedem Fall bestärkt mich all dies erst recht in meiner Intention, als Landtagskandidatin für eine gesunde Welt und ein menschliches, respektvolles Miteinander einzutreten.

Noch eine Anekdote von der Bezirksversammlung der oberbayrischen Grünen im Haberkasten: Zwei Vertreter der Identitären kamen in den Innenhof des Haberkasten und brüllten "Volksverräter" durch ein Megafon. Ich dachte mir, so muss es zur Zeit der Nazis gewesen sein. Claudia Roth und ich gingen sofort auf die beiden. Claudia fragte 'Ja wer ist denn dieses Volk eigentlich?'. Darauf gab es keine Antwort, stattdessen versuchte einer, etwas von Angst vor Fremden zu erklären. 

Ich betrachtete die beiden sehr genau. Sie waren angezogen und ausgerüstet wie für einen Marsch in die Berge ... oder für einen Feldzug. Ich wollte gerade antworten, dass ich mein halbes Leben in fremden Ländern verbracht habe und noch nie Angst hatte. Da fiel mir auf, dass sie beide wie Espenlaub zitterten. Ich sagte: Ihr zittert ja, geht's Euch gut, seid Ihr ok?'. Im Angesicht von Anfein- dung Menschlichkeit zu zeigen, schien mir die beste Antwort. Der eine antwortet 'Ja, danke, alles in Ordnung.' Keine zwei Minuten später waren sie gegangen."

Peter Corticelli (FDP): 

Peter Corticelli

"Ich muss sagen, dass ich bislang weitgehend verschont geblieben bin. Was ich nicht zähle: eher allgemeine Pöbeleien auf Facebook von besorgten Bürgern, die mit Begriffen wie 'Altparteien' oder 'Lügenpresse' hantieren. Warum? Weil ich weiß, dass das diese Art der Diskursverweigerung nur dazu dienen soll, mich zu ärgern. Dann wird über alles mögliche diskutiert, nicht aber über die wirklichen Probleme unseres Landes, wie Wohnungsbau, Rente oder Digitalisierung." 

Markus Saller (Freie Wähler):

Markus Saller

"Bislang ist mir dies weitgehend erspart geblieben. Ich halte mich mit politischen Äußerungen über soziale Netzwerke bislang aber auch zurück."

Oliver Multusch (AfD):

Oliver Multusch

"Die AfD erfährt praktisch täglich, sowohl in den sozialen Netzwerken wie auch im öffentlichen Raum Bedrohungen, Belästigungen und Ausgrenzungen. Dabei ist zu beobachten, dass in den sozialen Netzwerken die verbale Hemmschwelle für Beleidigungen aller Art sehr niedrig ist. Da werden in inflationärer Weise Begriffe wie beispielsweise 'Nazi', 'Nazipartei', 'rechtsextrem' oder 'menschenfeindlich' gebraucht, die in keinster Weise gerechtfertigt sind. Diese Angriffe gehen auch oft ins persönliche, mit Begriffen wie 'Hetzer', 'Obergauleiter' oder 'Nazischlampe'. 

Schlimm finde ich in diesem Zusammenhang, dass auch die bayerische Regierungspartei CSU in Person von Generalsekretär Blume sich einer solchen Sprache bedient und die AfD als 'braunen Schmutz' oder als 'unbayerisch' bezeichnet. Im öffentlichen Raum erleben wir eine seit Jahren andauernde Ausgrenzung. Da werden Wirtsleute denunziert und in den sozialen Netzwerken angegriffen, die die AfD bewirten. 

Infostände werden attakiert und persönliches Eigentum von Parteimitgliedern beschädigt oder beschmiert. Einrichtungen der AfD angegriffen, wie beispielsweise Fensterscheiben von Geschäftsstellen zerstört. Veranstaltungen des AfD-KV Mühldorf wurden bereits mehrfach von linken Antifa-Gruppen gestört, einmal sogar der freie Zutritt zum Veranstaltungsort blockiert. Fassaden, Stromkästen, Busshaltestellen und andere öffentliche Einrichtungen mit anti-AfD Slogans beschmiert, eine Unsitte die besonders in Mühldorf gut zu beobachten ist, wo die Stadt das offenbar einfach akzeptiert. 

Wahlplakate bei der Bundestagswahl wurden mit Hakenkreuzen beschmiert und mussen aufwändig ersetzt werden. Wir als AfD setzten uns nachhaltig für mehr direkte Demokratie ein und sehen schon deshalb im Grundrecht der Meinungsfreiheit ein sehr hohes Gut. Folglich akzeptieren deshalb selbstverständlich auch andere politische Ansichten, auch wenn wir diese nicht teilen. Politische Ausgrenzungen, wie häufig von Politikern der Altparteien gegenüber der AfD gefordert und auch von diesen gelebt gehören nicht zu einer Demokratie. 

Für die kommenden letzten Wochen vor der Wahl und für die Zukunft würde ich mir mehr Respekt gegenüber allen politisch tätigen Personen wünschen. Unterschiedliche politische Ansichten sollten im Wettstreit der Argumente geführt werden und nicht durch Gewalt oder Ausgrenzung jedweder Art!"

Zurück zur Übersicht: Mühldorf am Inn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser