Im Landkreis kein Interesse

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Der Strom aus Töging gehört dem Verbund, Kommunen und Stadtwerke im Landkreis gehen leer aus.

Mühldorf - Weder Kommunen noch Stadtwerke und Stromerzeuger aus dem Landkreis wollen sich an den Innkraftwerken beteiligen. Die Zeichnungsfrist läuft Ende März aus.

Was sich abgezeichnet hat, ist jetzt gewiss: Aus dem Landkreis Mühldorf beteiligt sich niemand an den Innkraftwerken. Das ergab eine Umfrage unter Kommunen, Stadtwerken und Stromerzeugern. Drei Gründe sind ausschlaggebend: Der Preis der Beteiligung, die mangelnden Mitspracherechte und der fehlende, günstige Strombezug.

Damit hat sich zumindest im Landkreis die Ansicht durchgesetzt, die Mühldorfs Stadtwerkechef Stephan Rösner seit langem vertritt. Ursprünglich eine der treibenden Kräfte hinter der Bewerbung um die Kraftwerke, warnt er seit der Übernahme durch das österreichische Unternehmen "Verbund" vor einer "reinen Finanzbeteiligung". "Für uns lohnt sich der Kauf von Anteilen nur, wenn wir Strom zum Erzeugerpreis beziehen können."

Diese Hoffnung hat sich zerschlagen. Denn der "Verbund" bietet den Kommunen zwar eine 30-prozentige Beteiligung an den 13 Wasserkraftwerken entlang des Inns, will aber nur Dividenden ausschütten. Billigen Strom, so der Verhandlungsstand, wird es nicht geben.

Alois Salzeder, Bürgermeister in Aschau, bringt es auf den Punkt: "Wir wollen Strom und keine Finanzbeteiligung. Sonst könnten wir uns auch Aktien von Eon kaufen." Und das ist in der derzeitigen Situation nicht drin, keine Kommune hat Geld dafür übrig. Das macht auch Michael Dickinger deutlich, Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Heldenstein: "Wir müssen unsere Pflichtaufgaben erfüllen und nicht spekulieren gehen."

Vor gut einem Jahr hatten sich Kommunen und Stadtwerke zur Energieallianz Bayern zusammengeschlossen, um die 13 Innkraftwerke zu kaufen. Im Bieterverfahren erhielt schließlich der österreichische "Verbund" den Zuschlag, der dem Vernehmen nach 1,4 Milliarden Euro geboten hat und im Anschluss versprach, Kommunen und Stadtwerke bis zu 30 Prozent zu beteiligen. Als sich abzeichnete, dass das Interesse eher gering war, öffnete der Verbund das Angebot auch für in Bayern ansässige Unternehmen.

Altöttings Landrat Erwin Schneider, der die Verhandlungen für die Kommunen führt, ist sich sicher, dass es zumindest zu einer 5,1-prozentigen Beteiligung kommt. "Wir werden das zusammenbekommen", sagt er knapp fünf Wochen vor Ablauf der Frist. Bei 5,1 Prozent liegt nach seinen Angaben die Mindestsumme für die Erlangung von Minderheitenrechten. "Die Beteiligung macht nur Sinn, wenn wir diese Zahl erreichen." Schneider bestätigt, dass es keine Interessenten aus dem Landkreis Mühldorf gibt, Bewerber kämen aus ganz Bayern, darunter seien auch Unternehmen.

Auch die Stadtwerke Rosenheim, die zu den Gründern der Energieallianz gehörten, sind nicht dabei, "weil der Mehrheitseigentümer alle Möglichkeiten hat, die Dinge zu lenken", sagte Dr. Götz Brühl. Außerdem sei der Preis für die Anteile zu hoch. Die Energieallianz hat nach unbestätigten Angaben nur etwa 1,2 Milliarden Euro geboten. Da der Verbund die Anteile zu seinem Kaufpreis weitergibt, kosten sie mehr als von der Energieallianz für wirtschaftlich erachtet. Ob es zu einer Beteiligung kommt entscheidet sich erst Ende März, betont Landrat Schneider. Viele Firmen und Gemeinde beschließen in den kommenden Wochen über ihr Engagement.

Die 13 Kraftwerke erzeugen 312 Megawatt; das größte Kraftwerk steht im Töging und erzielt 80 Megawatt. Die "Verbund"-Tochter "Verbund-Innkraftwerke GmbH" hat ihren Sitz in Töging und nach Angaben von Verbund-Vorstand Wolfgang Anzengruber alle 217 Mitarbeiter zu unveränderten Bedingungen übernommen.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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