Nur eine Nagelfeile und Taschenmesser gefunden

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Jeder, der ins Amtsgericht will, wird derzeit durchsucht. Die Handsonde soll in den nächsten Wochen durch einen Metalldetektorrahmen ersetzt werden. Hauptproblem bei den Zugangskontrollen stellt aber das fehlende Personal dar, meint Amtsgerichtsdirektor Ralf Peter.

Mühldorfer - Schon vor dem Todesschüssen in Dachau hatte Amtsgerichtsdirektor Ralf Peter ein neues Sicherheitskonzept vorgelegt. Die strengen Kontrollen haben sich bewährt.  

Niemand kommt zurzeit ins Mühldorfer Amtsgericht ohne akribisch kontrolliert zu werden. "Seit dem 11. Januar kontrollieren wir lückenlos jeden", sagt Amtsgerichtsdirektor Ralf Peter. Das war der Tag als im Dachauer Gericht ein Staatsanwalt von einem Angeklagten im Gerichtssaal erschossen wurde. Schon vor über einem Jahr hat er ein Sicherheitskonzept für das Mühldorfer Gericht vorgelegt, das die meisten jetzt diskutierten Punkte ohnehin umfasst.

Ausnahmen nur für bekannte Rechtsanwälte

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Kontrolliert werde jeder, Ausnahmen gibt es nur für ortsansässige, bekannte Rechtsanwälte. Wer aber dem Wachpersonal nicht bekannt ist, wird durchsucht. Für die Kontrollen kommt eine Handsonde zum Einsatz, mit ihr wird der Besucher auf metallische Gegenstände am Körper untersucht und die Wachtmeister durchsuchen das Gepäck der Besucher. Zudem gibt es regelmäßige Kontrollgänge um das Gebäude. "Mehr kann man nicht tun", sagt Peter, und mehr sei auch nicht nötig.

Schon vorher habe es in Mühldorf Personenkontrollen gegeben, allerdings in unregelmäßigen Abständen und nach dem Zufallsprinzip. "Vor allem wenn es Anhaltspunkte gab, dass jemand aggressiv ist oder gefährlich werden könnte, wurde auf Anweisung des Richters kontrolliert", sagt Peter. Deshalb sei auch die Ausstattung am Amtsgericht Mühldorf außerordentlich gut. "Technisch zählen wir vergleichsweise zu den hervorragend ausgestatteten Amtsgerichten." Außer einem mobilen Metalldetektorrahmen, der im Lauf der nächsten Monate nachgerüstet wird, sei alles verfügbar, was es gibt. "Die Wachmeister haben Einsatzstöcke, Pfefferspray und Elektroschockgeräte", zudem seien sie mit Walkie-Talkies ausgerüstet, um im Gebäude kommunizieren zu können. Die mobile Handsonde leiste das gleiche, wie der Rahmen, die Kontrolle dauere nur länger.

"Pro Kontrolle brauchen wir zwei Wachtmeister"

Und das ist momentan auch das größte Problem im Amtsgericht: Das Personal. Nachdem einer der Wachmeister an das Amtsgericht Altötting verliehen werden musste, weil dort nur noch einer im Einsatz war, sind in Mühldorf drei im Dienst. "Pro Kontrolle brauchen wir zwei Wachtmeister", sagt Peter, "also noch mindestens eine Person mehr." Und das sollte am besten eine Wachmeisterin sein. Schlägt der Detektor nämlich bei einer Frau an, müssen die drei männlichen Wachtmeister derzeit eine Polizistin zur Körperkontrolle anfordern.

"Derzeit aber gibt es nicht genug Personal", schildert Peter, bis Abhilfe geschaffen ist, will er sich mit privaten Sicherheitsdiensten behelfen. "Das sind nicht nur Schwarze Sheriffs", sagt er, "es gibt auch seriöse Dienste, etwa vergibt die Bundeswehr seit Jahren den Wachdienst teilweise privat." Die Entscheidung über eine Personalaufstockung fällt im April, ist er sicher, sollte dann kein Personal verfügbar sein, werde mit einem privaten Dienst zusammengearbeitet.

Parteiverkehr gibt es jetzt am Mühldorfer Amtsgericht nur noch bis Mittag. Danach komme ins Gebäude nur, wer einen Termin habe oder zu einer Sitzung wolle. Die Besucher die kommen, haben zu 90 Prozent Verständnis für die Kontrollen, sagt Peter. Und auch im Haus sei die Stimmung nicht gedrückt. "Natürlich war die Stimmung nach der Tat geprägt von Trauer und Entsetzen. Aber alle Mitarbeiter gehen mit der Situation rational um, hier herrscht keine Panik oder Hysterie."

Nur Taschenmesser und eine Nagelfeile gefunden

Auch deshalb, weil die Kontrollen bisher ergebnislos verliefen. Bis auf kleine Taschenmesser und eine lange Nagelfeile ist noch nichts gefunden worden. "Die Gegenstände bleiben dann bei den Wachtmeistern, bis die Personen das Gericht wieder verlassen", erklärt Peter.

nl/Mühldorfer Anzeiger

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