Geschäftsführer will kämpfen

FTZ in Mühldorf sieht keinen Cent - Bei Corona-Ausgleichszahlung fällt Mischbetriebe hinten runter

Weil individuelle Physio-Therapie zum Angebot im FTZ gehört, fällt das Mühldorfer Fitness- und Therapiezentrum aus der Coronahilfe raus. Ungerecht, findet das Geschäftsführer Eric Rudhof.
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Weil individuelle Physio-Therapie zum Angebot im FTZ gehört, fällt das Mühldorfer Fitness- und Therapiezentrum aus der Coronahilfe raus. Ungerecht, findet das Geschäftsführer Eric Rudhof.

Wie viele andere Firmen unterstützt der Staat auch Fitnessstudios in der Corona-Krise. Aber nicht alle, Betriebe wie das Fitness-Therapie-Zentrum (FTZ) in Mühldorf bekommen keinen Cent. Die Geschäftsführung will sich damit nicht abfinden.

Von Sophia Strasser


Mühldorf – Mit 75 Prozent des Monatsumsatzes unterstützt der Staat Fitnessstudios in der Corona-Krise. Aber nicht alle. Das Fitness-Therapie-Zentrum (FTZ) in Mühldorf steht mit leeren Händen da. „Wir bekommen wir aktuell keinen Cent“, sagt Geschäftsleiter des FTZ Eric Rudhof.

Der Grund: Das FTZ bietet neben den zahlreichen Fitnessangeboten auch Physio-und Ergotherapie sowie Logopädie an. „Diese Therapien gelten als systemrelevant“, erklärt Rudhof. Somit darf der Therapiebereich auch während des Lockdowns geöffnet bleiben. „Dadurch gilt das FTZ als ein sogenannter Mischbetrieb, ein Teil ist geschlossen, ein Teil hat weiter geöffnet.“ Die Folge: für den Fitnessbereich gibt es keine Hilfen.


Therapiebereich viel kleiner als das Gym

Anders sah die Situation im März, während der ersten Ausgangssperre, aus. „Damals mussten wir auch den Therapiebereich komplett schließen“, erinnert sich Rudhof. Mit der kompletten Schließung hätte das FTZ auch Hilfen vom Staat erhalten, die es jetzt nicht gab. „Dabei machen die Kosten für unseren Fitnessbereich 80 Prozuent der Gesamtkosten aus.“

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Von den 2.500 Quadratmetern werden laut Rudhof nur 500 für den Therapiebereich genutzt. „Schon allein die Miete für den Fitnessbereich ist enorm hoch und kann durch die Einnahmen aus dem Therapiebereich nicht gedeckt werden.“ Dazu kämen noch weitere laufende Kosten und 40 Angestellte, die trotz der vorübergehenden Schließung weiter voll beschäftigt seien. „Wir bieten Kurse online an, es ist also nicht so, als ob wir hier Urlaub machen würden.“ Ohne die Einnahmen aus dem Fitnessbereich sei der Betrieb finanziell nicht zu stemmen. „Da sieht es dann schlecht aus für uns.“

Dass andere Fitnessstudios mit den gleichen Kosten und Einnahmeausfällen Hilfen bekämen, das FTZ aber nicht, ist für Rudhof eine große Ungerechtigkeit. „Es fühlt sich an, als ob wir dafür büßen müssen, dass ein Teil unseres Angebots systemrelevant ist.“

Die beiden Bereiche des Studios getrennt betrachten

Dabei sei die Lösung des Problems ganz einfach: Rudhof erklärt, man müsse die beiden Bereiche Fitness und Therapie bei den finanziellen Hilfen getrennt betrachten. „Schon steuerlich unterscheiden sich der Fitness- und der Therapiebereich. Wir müssen den Fitness- und den Therapiebereich also sowieso getrennt handhaben.“ Somit sei ohne Probleme nachzuvollziehen, aus welchem Bereich welche Einnahmen kommen und wo schließlich finanzielle Hilfen benötigt und angebracht seien.

Existenz des FTZ ist gefährdet

Ohne eine baldige finanzielle Hilfestellung sei die Existenz des FTZ in Mühldorf gefährdet, ist sich Rudhof sicher. Deshalb hat sich das FTZ jetzt hilfesuchend an die Politik gewandt: Die Geschäftsleiter des FTZ verfassten einen Brief, den sie an Mühldorfs Bürgermeister Hetzl (UM), Landrat Heimerl (CSU), sowie an Innenstaatssekretär Stephan Mayer (CSU) und auch an Ministerpräsident Markus Söder schickten.

Von Stephan Mayer erhielt Geschäftsleiter Rudhof die Antwort, dass das FTZ nicht der einzige Mischbetrieb mit einem solchen Problem sei. Man sei bemüht, eine Lösung zu finden. Das sei zwar immer noch keine konkrete Hilfe für das FTZ, „aber immerhin eine Perspektive für uns“, sagt Rudhof. Man wüsste zumindest, dass man gehört worden sei.

Für Gesundheit besonders wichtig

Von den anderen Adressaten hat Rudhof keine Antwort erhalten. „Es ist sehr schade, dass weder der Bürgermeister, noch der Landrat keine persönliche Antwort gegeben haben. Auch von Ministerpräsident Söder kam keine Reaktion.“ Hetzl und Heimerl äußerten sich aber auf Anfrage der Heimatzeitung. „Wir haben das Schreiben umgehend an Landtagsabgeordneten Dr. Marcel Huber und Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer mit der Bitte um Unterstützung weitergeleitet“, teilte das Landratsamt mit. Bürgermeister Hetzl wies auf die bereits vorhandenen Hilfen der Bundesregierung hin.

„Wir kümmern uns um die Gesundheit der Leute“, so Rudhof. Dass gerade jetzt solche Betriebe keine Hilfen bekommen, sei verwunderlich. „Denn angeblich geht es in dieser Krise ja um die Gesundheit der Menschen.“

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