Nur die Grünen wollten die Kastaniengruppe retten

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Die Abrissarbeiten am Bahnhof haben begonnen. Das Schicksal des alten Gebäudes droht auch den alten Bäumen: Sie müssen verschwinden.

Mühldorf - Ein Wahrzeichen der Stadt und ein "Blickfang für Ankommende" seien die Kastanienbäume am Bahnhof. Der Stadtrat will lieber ein Hotel bauen lassen.

Wie schön ist der Platz rund um die alte Kastaniengruppe gegenüber des Bahnhofs? Sind die Bäume überlebensfähig? Kann das Hotel ohne Baumfällungen gebaut werden? Diese Fragen klärte nun der Stadtrat:

Das Ergebnis ist eindeutig: Nur gegen die Stimmen der Grünen hat der Stadtrat die Planungen für das Gelände auf den Weg gebracht und dabei den Wünschen des Investors zugestimmt. Wie berichtet sollen dort drei Wohnblocks, ein Hotel und Einzelhandelsgeschäfte entstehen. Damit wird eine der markantesten brachliegenden Flächen in der Stadt genutzt.

In der Diskussion ging es vor allem um die sieben mächtigen Kastanien, die das Gelände derzeit vom Bahnhofsplatz trennen. Sie sollen nach dem Willen des Investors verschwinden, was vor allem Oskar Rau (Grüne) auf den Plan rief. "Diese grüne Oase muss erhalten bleiben", forderte er, sprach von einer "wertvollen Kastaniengruppe", einem Wahrzeichen der Stadt und einem "Blickfang für Ankommende".

Das sahen die übrigen Stadträte anders. "Was derzeit in dieser grünen Oase passiert, gefällt mir nicht", sagte Bürgermeister Günther Knoblauch mit Blick auf Jugendliche und Obdachlose, die die Bänke gegenüber des Bahnhofs häufig als Treffpunkt zum Biertrinken nutzen. Für Ilse Preisinger-Sontag (CSU) ist es "kein wirklich schöner Platz", das sahen auch andere Stadträte so.

Neben ökologischen Gründen spielt auch die Städtebaugeschichte an dieser Stelle eine Rolle für die Entscheidung gegen die Bäume. Als vor über zehn Jahren ein Wettbewerb zur Gestaltung des Geländes durchgeführt wurde, spielte auch der Erhalt der Bäume eine Rolle. Bürgermeister Knoblauch sagte, das sei aber nur einer von mehr als 20 Gründen gewesen, die den Ausschlag für den Wettbewerbssieger gegeben hätte. Rupert Rigam (CSU) wies darauf hin, dass sich das Konzept der Bebauung und die Wünsche des Investors verändert hätten, sodass der Erhalt der Baumgruppe nicht möglich sei. Georg Gafus (Grüne) forderte, als Ersatz größere Bäume zu pflanzen. Vorgesehen ist die Pflanzung von sieben neuen Bäumen entlang des Bahnhofplatzes. Dazu kommen 20 auf dem Gelände.

Stadtbaumeister Richard Faßer verdeutlichte einmal mehr, dass zwei der sieben Bäume so weit geschädigt seien, dass sie auf dem begrenzten Raum nur schwer zu erhalten seien. Darüber hinaus behinderten die Bäume die Bauarbeiten massiv und verhinderten einzelne Teile der neuen Planung. "Ohne Beseitigung der Bäume können wir die Baumaßnahme nicht durchführen", sagte auch Bürgermeister Knoblauch.

Weite Teile des Areals werden mit einer Tiefgarage für die Anwohner unterkellert, die Anregung Preisinger-Sontags, dort Stellplätze für andere Anwohner oder Besucher des Bahnhofsviertels auszuweisen, lässt sich nach Einschätzung Knoblauchs nicht verwirklichen. Dagegen stünden die Kosten und die maximale Bebaubarkeit des Grundstücks. Der Bebauungsplan soll in einem beschleunigten Verfahren geändert werden. hon

hon/Mühldorfer Anzeiger

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