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Eingesperrt im Mühldorfer Hexenkammerl

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Diese winzige Luke war die einzige Verbindung zur Außenwelt für Maria Pauer im sogenannten Hexenkammerl

Mühldorf am Inn - Zwei Monate verbrachte die 16-jährige Magd Maria Pauer vor ihrem Hexenprozess im Mühldorfer Hexenkammerl. Wir haben uns ihr Gefängnis im Rathaus genauer angesehen:

Mühldorf am Inn im Jahr 1749: Der Grund für die Festnahme von Maria Pauer war, dass sich angeblich nur in ihrer Anwesenheit Gegenstände bewegten und in der Luft hin und her flogen. Sie wurde der Hexerei beschuldigt. Verhaftet wurde sie von dem Stadtamtmann Johann Paul Kürchner am 27. Januar 1749.

Zwei Monate sperrte man die sechzehnjährige Magd in einen kleinen und düsteren Raum im Erdgeschoss des Rathauses von Mühldorf, das „Hexenkammerl“. Es ist stark anzunehmen, dass sie zitternd durch die kleine doppelte Holztür in das Kammerl hineinschlüpfte. In der Dunkelheit packte sie Angst und Verzweiflung. Sie schlief weinend auf der harten Holzpritsche ein. Die Luft roch feucht und modrig. Die Kälte durchdrang sie bis in die Knochen und sie hatte keine warme Decke dabei. Ihr Magen knurrte jeden Tag wie ein hungriges Tier. Wegen dem schlechten, meistens schon verdorbenem Essen, das sie bekam, keiner Möglichkeit sich zu waschen und die Toilette zu besuchen, ging es Berg ab mit ihrem gesundheitlichen Zustand, der „in einer geistigen Verwirrung und Apathie“ wie der Stadtarchivar Edwin Hamberger sagt, endete.

Vernehmung, Verhandlung und Vollstreckung

Ihren psychischen und physischen Zustand machte sich der Pfleger Heinrich von Zillerberg zur Nutze und bearbeitete sie mit suggestiven Fragen, so lange bis sie sich in Widersprüche verwickelte und wirre Geschichten erzählte, bis sie letztendlich eine Tatsache gestand, die nicht der Wahrheit entsprach. „Auf die neunundsechzigste Frage gab sie endlich eingeschüchtert zu, dass der schwarze Geist der böse Feind gewesen sei, der die Spukerscheinungen selbst bewirkt habe und für das Werfen der Gegenstände verantwortlich war“, erklärt der Stadtarchivar Edwin Hamberger.

Die ungerechte Verhandlung erfolgte am Hofgericht der Residenzstadt Salzburg. Auch dort wurde sie mit Fragen bombardiert und in einer dunklen Zelle untergebracht, die bei ihr Halluzinationen verursachten. Am Ende der Verhandlung bestätigte sie die wichtigsten Teile ihrer abgelegten „Geständnisse“. Am 6. Oktober 1750 wurde Maria Pauer als „Hexe“ schuldig gesprochen. Auf der öffentlichen Richtstätte in Salzburg wurde ihr mit dem Schwert das Leben genommen. Anschließend wurde sie verbrannt. Es war einer der letzten Hexenprozesse auf österreichischem Boden. Zu Ehren von Maria Pauer wurde der Fußweg in der Nähe von Finanzamt Mühldorf nach ihr benannt.

Bilder aus dem Mühldorfer Hexenkammerl

Rafael Raaber

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