Kennt Ihr diesen Mann? - Neue Serie nun auch aus Mühldorf

Artikelserie zu bekannten Mühldorfern: Wer war Peter Ostermayr?

Peter Ostermayr
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Peter Ostermayr

In unserer neuen Serie „Kennt Ihr diese Frau?/Kennt Ihr diesen Mann? - Bekannte Mühldorfer Persönlichkeiten“ stellt innsalzach24.de gemeinsam mit dem Stadtarchiv Mühldorf ab sofort regelmäßig bekannte Persönlichkeiten vor.

Mühldorf am Inn - „[Er] ist seit Jahrzehnten ein Fixstern am deutschen Filmhimmel. Er ist auch den Mühldorfern, den Kinobesessenen unserer engeren Heimat, kein Unbekannter“, schrieb der Mühldorfer Anzeiger in einem Bericht im April 1951. Eine kleine Seitenstraße im Mühldorfer Nordosten trägt heute noch seinen Namen: Peter Ostermayr, Produzent und Filmregisseur. Doch wer war der Mann? innsalzach24.de stellt ihn euch gemeinsam mit dem Stadtarchiv Mühldorf am Inn vor.


„Es wird mir die Bezeichnung ‚Pionier der Filmindustrie‘ nachgesagt“, so Ostermayr selbst in einer Ansprache zum 50-jährigen Bestehen von Peter-Ostermayr-Film 1957. „So schön das klingt, möchte ich doch diese ehrenvolle Bezeichnung jenen verdienten Männern überlassen, die in ihrer Pionierarbeit da aufgehört haben, wo ich einst anfing. Ich war lediglich einmal Pionier. Das war beim Militär im ersten Weltkrieg.“

Ein Artikel des Mühldorfer Anzeigers aus dem April 1951 über Peter Ostermayr.

Wer war Peter Ostermayr? Gebürtiger Mühldorfer, ein Pionier des deutschen Films

Ostermayr wurde am 18. Juli 1882 am Stadtplatz 57 in Mühldorf am Inn geboren. In seiner Jugend absolvierte er eine Lehre im Porträt-Atelier seines Vaters Franz Xaver Ostermayr am Karlsplatz 6 in München. Dem folgte ein Praktikum im „Photographischen Atelier Alfred Hirrlinger“ in Stuttgart, welches er am 1. Juli 1904 verließ. Anschließend übernahm er zusammen mit seinem älteren Bruder Franz das väterliche Geschäft. Die beiden Ostermayr-Brüder gründeten dann im April 1907 das Wanderkino „Original-Physograph Company“ und stellten daneben kurze Aktualitäten- und Dokumentarfilme her.

Bald jedoch gaben sie dieses Projekt wieder auf. „Aus der großen Projektionsleinwand ließen wir uns Bauernhemden schneidern und der Vorführungsapparat wanderte auf den Speicher“, erinnerte sich Ostermayr 1957. „Aber das Feuer war entfacht. Wir wandten uns, als gelernte Photographen, dem uns näher liegenden Beruf zu und wurden die ersten Kino-Operateure in Süddeutschland.“ Ab 1909 wurde dazu das ehemals väterliche Porträt-Atelier in München am Karlsplatz zum Filmatelier umgewandelt. In dieser Zeit entstand etwa „Der neue Schreibtisch“, eine Stummfilmgroteske mit Karl Valentin und „Das Heldenmädchen aus den Vogesen“, ein Stummfilm-Kriegsdrama.

„Und wie ich in der besten Aufbauarbeit war, kam der Krieg“, so Ostermayr. „Ich musste die Kamera mit dem Gewehr vertauschen.“ Letztlich wurde er jedoch für fotografisch-technische Arbeiten eingesetzt. „Nun hatte ich genügend Druckpunkt, um dazwischen immer wieder meine Spielfilme zu machen.“ So entstanden etwa das Stummfilm-Drama „Die entschleierte Maja“ und der Heimat-Stummfilm „Der Jäger von Fall“. Nach dem Krieg ging aus seiner Münchner Lichtspielkunst GmbH am 1. Januar 1919 die Emelka-Filmgesellschaft hervor, die spätere Bavaria-Filmgesellschaft. Dafür erwarb er im Juni 1919 im Münchener Vorort Geiselgasteig das noch heute vorhandene Studiogelände. Nach dem zwischenzeitlichen Verkauf der Emelka 1923 arbeitete er für die Thomas-Zeichentrickfilm-Produktion. 1928 und 1929 entstanden seine beiden Welterfolge, die Historienfilme „Wolga-Wolga“ und „Napoleon auf St. Helena.“

Berufsverbot nach dem 2. Weltkrieg

Von 1934 bis 1941 war er Vertragsproduzent bei der UFA. „Und nach dem Zusammenbruch 1945 kam die schlimmste Zeit meines Berufslebens“, so Ostermayr. „Was dem Dr. Goebbels versagt war - er nahm mir 1940 nur die Selbständigkeit - das machten die Amerikaner um so gründlicher. Sie belegten mich mit Arbeitsverbot, wahrscheinlich deshalb, weil ich nationalsozialistische Filme hergestellt hatte. Ich schrieb in dieser Zeit Drehbücher und pflegte meinen Garten. Aber 1950 war es dann wieder so weit und im Stile eines Stehaufmännchens begann ich wieder meine Produktion.“ Er gründete in diesem Jahr in München seine eigene Produktionsfirma, die „Peter-Ostermayr-Film GmbH“. Es entstand noch 1950 das Filmdrama „Der Geigenmacher von Mittenwald“.

Sein letzter Film war 1959 „Der Schäfer vom Trutzberg“. Dessen Uraufführung war am 6. Januar 1959 in den Kur-Lichtspielen in Berchtesgaden. Als er am 7. Mai 1967 schließlich in München verstarb, hinterließ er ein beträchtliches Lebenswerk: Mehr als fünfhundert Filme. Zentral waren dabei Verfilmungen der Romane von Ludwig Ganghofer, für die er 1918 erstmals das Alleinverfilmungsrecht vom Schriftsteller selbst erworben hatte. Die Erbengemeinschaft verlängerte es danach immer wieder.

Auch viele interessante Persönlichkeiten aus Burghausen und Rosenheim

Auch die Stadt Burghausen bietet weit mehr als nur die längste Burg der Welt. Zusammen mit dem Stadtarchiv Burghausen wollen wir euch besondere Geschichten aus der Burghauser Vergangenheit präsentieren. Den Anfang machte Johann Anton von Manner.

Angefangen hat unsere Serie mit Rosenheim. Die Stadt blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der gewisse Persönlichkeiten eine besondere Rolle spielten. Damit diese nicht in Vergessenheit geraten und auch einfach weil viele Rosenheimer diese Menschen, deren Namen immer noch häufig in der Stadt auftauchen, nicht mehr kennen, startete rosenheim24.de zusammen mit Christopher Kast, dem Leiter des Stadtarchiv Rosenheim vor kurzem eine Serie über „berühmte“ Rosenheimer Persönlichkeiten. Jede Woche wird eine Person genauer beleuchtet. Den Anfang machte Rosa Gillitzer, danach Ludwig Eid. In Teil Drei ging es weiter mit Marie Globerger. Teil Vier behandelte Max Reheis. Danach ging es um Kreszentia Senft und ihren Mann Johann Senft. Auf Teil Sieben mit Franziska Berr folgte Teil Acht mit Dr. Karl Lechleuthner und zuletzt Wenzeslaus von Wysocki.

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