Corona-Pandemie

Shopping und Wirt für Geimpfte und Negativ-Getestete? Kreis Mühldorf will das Tübinger Ticket

Eine Kundin mit FFP2-Maske schaut sich Kleidungsstücke in einem Bekleidungsgeschäft in der Innenstadt an
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Eine Kundin mit FFP2-Maske schaut sich Kleidungsstücke in einem Bekleidungsgeschäft in einer Innenstadt an. (Symbolbild)

Es klingt wie ein Traum: Mit Test oder Impfzeugnis ins Kino, Wirtshaus oder Modegeschäft: Das soll das Tübinger Ticket auch im Landkreis ermöglichen. So könnte der Weg dahin aussehen.

Mühldorf – Während die Ministerpräsidenten härte Anti-Corona-Maßnahmen beschlossen haben, setzen sich Kommunalpolitiker in vielen Städten Bayerns für Öffnungen ein. Auch in Mühldorf. Dabei geht es um das sogenannte „Tübinger Ticket“, das für Geimpfte, Genesene und Menschen mit negativem Corona-Test Öffnungen von Gastronomie, Handel und Kultureinrichtungen ermöglichen soll. Eine solche Erlaubnis hat Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl bei Ministerpräsident Markus Söder erbeten, unterstützt von seiner UM, sich an den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gewandt hat. Gleichzeitig hat die Kreis-SPD eine entsprechende Bitte an den Landrat vorgebracht.

Was der Ministerpräsident zu den Vorschlägen aus dem Landkreis sagt, ist noch offen, Landrat Maximilian Heimerl hat sich bereits vor dem Kreisausschuss am Montag geäußert. Andere Vertreter aus Politik und Handel taten dies am Dienstag auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Breite Zustimmung zum Tübinger Ticket

Christian Göttlinger, Händler in Neumarkt-St. Veit und Kreissprecher des Einzelhandelsverbands, begrüßt die Initiative aus Mühldorf. Er geht davon aus, dass Corona sich in den nächsten Monaten nicht erledigt. „Es ist gut, dass es endlich Überlegungen gibt, wie wir mit dieser Situation leben, Gefahrenpunkte erkennen, aussortieren und differenzieren können.“ Denn es müsse eine Lösung gefunden werden, „die dem Gesundheitsschutz dient und auf der anderen Seite ein Weiterleben möglich macht“. Einen Modellversuch in Mühldorf, wie von Hetzl vorgeschlagen, kann er sich sehr gut vorstellen. Damit könne in überschaubarem Rahmen ausprobiert werden, was geht und was nicht.

Landrat Heimerl betonte vor dem Kreisausschuss, dass er sich für ein Modellprojekt einsetzen werde, aber nur, wenn der gesamte Landkreis beteiligt sei. Eine Lösung allein für Mühldorf lehnt Heimerl ab. „Es dürfte auch für den Freistaat interessant sein, wenn ein ländlich geprägter Landkreis in ein solches Modellprojekt gehen würde“, sagte er und kündigte an, mit den Vorschlag Ministerpräsident Söder zu unterbreiten.

Zustimmung auch außerhalb Mühldorfs

Auch Josef Grundner, Bürgermeister von Ampfing, spricht sich grundsätzlich für einen Modellversuch aus. „Ich würde mich nicht dagegen wehren, wenn er nur in Mühldorf wäre“, sagt er, bringt aber zugleich die Geschäfte in Ampfing und damit eine Ausweitung ins Spiel: „Für uns wäre es sehr interessant, wenn das auch in Ampfing möglich wäre.“

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Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch spricht von einer „Superidee“ und „guten Initiative“. Denn dieses Vorgehen sei die einzige Möglichkeit, Lockerungen herbeizuführen. Pötzsch sagt aber auch: „Man sollte sie dann über den ganzen Landkreis organisieren und regeln.“ Das könne auch schrittweise geschehen.

Freiwillige sollen Testlogistik übernehmen

Nach der Vorstellung von Mühldorfs Bürgermeister Hetzl sollen Freiwillige und Helfer die Testlogistik übernehmen. Die Tests selbst würden Bund und Länder zur Verfügung stellen. Eine Ausweitung auf andere Gemeinden hält Hetzl für nicht sinnvoll: „Modellversuche sind mir bislang nur auf Stadt-Ebene bekannt. Viel spricht dafür, dass es sich um Versorgungszentren und zugleich um überschaubare und abgrenzbare Areale handelt.“

Dr. Benedikt Steingruber ist skeptisch, dass die Eingrenzung von Infektionen auf eine Quelle „Innenstadt“ angesichts der Mobilität der Bürger überhaupt möglich sein wird. „Wie das Gesundheitsamt aus den Ermittlungen weiß, stecken sich mehr als 50 Prozent der Menschen im privaten Umfeld an. Wenn Kontakte zu Familie, Freunden, Arbeitskollegen angegeben werden, sind diese nur selten auf einen Ort begrenzt.“

Söder hält Einführung in drei bayerischen Städten für möglich

Ministerpräsident Söder kündigte am Montag, 23. März, eine grundsätzliche Einführung des Tübinger Tickets an. Er sprach in der Pressekonferenz zu den neuen Einschränkungen von drei oder vier Städten mit einer Inzidenz über 100. Dort könne eine Probephase von zwei Wochen laufen. Welche Städte das sein sollen und ob es in einem Flächenlandkreis ausprobiert werden kann, sagte er nicht.

Infektionen kaum eingrenzbar

In Tübingen können Bürger das „Tübinger Ticket“ an einer Teststation in der Innenstadt ausstellen lassen. Sie lassen sich dort testen oder legen einen Test vom Arzt oder aus der Apotheke vor. Die Lockerungen gelten nach Angaben der Stadt nur für Einzelhandel, Außengastronomie und Kultureinrichtungen, nicht aber für Hotels, Bildungseinrichtungen, den Sport oder für Vereinsveranstaltungen. „In diesen Bereichen gelten weiterhin die Einschränkungen der Corona-Landesverordnung“, teilte ein Sprecher mit.

SPD-Kreisrat Knoblauch will über das Tübinger Modell hinaus gehen und Sportvereine unter diesen Voraussetzungen den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen lassen.

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